Sport von früh bis spät

Ein wenig übertrieben ist diese Überschrift, ich gebe es zu. Denn ganz in der Früh, um kurz nach acht, lädt mich Goma heute zum Frühstück in ein hübsches Restaurant am See ein. Wie ich zu dieser außerordentlichen Ehre komme, weiß ich nicht (sie ist ein eher distanzierter Typ, der uns Volontäre nicht gerade hätschelt). Aber egal. Ich freue mich und wir verbringen eine interessante Stunde miteinander, in der sie viel über sich, die Kinder und das Heim erzählt. Darüber werde ich bald in einem eigenen Beitrag nochmal ausführlicher berichten.

Doch nun zum Sport. An einer der Schulen, die unsere Kinder besuchen, ist heute Sportfest, das in einem großen Park am See ausgetragen wird. Schon am Vorabend fragen uns einige Jungs, ob wir zum zugucken und anfeuern kommen. Das ist doch Ehrensache! Begleitet von Sagar und Kamal machen wir uns um 11 Uhr auf den Weg. Die beiden müssen heute nicht zur Schule, weil an ihrer Schule wieder ein Feiertag ist (sollten deutsche SchülerInnen hier mitlesen, werden sie sicherlich neidisch). Als wir angekommen, rennt uns Baban entgegen. „Come, come!“ Seine Fußball-Mannschaft ist im Finale und das Endspiel geht gleich los.

1 : 0! Super! Nach dem erfolgreichen Spiel schauen wir, was sonst noch so auf dem Programm steht. 500-Meter-Lauf, Sackhüpfen, Tauziehen. Außerdem binden sich die Kinder paarweise mit einem ein Tau an den Fesseln zusammen und müssen nach dem Startschuss 50 Meter um die Wette rennen. Bei einem weiteren Laufspiel hat jedes Kind einen Löffel mit einer Murmel drauf im Mund.

Anders als daheim sind hier die Verpflegungsstände. In eine Tüte wird eine frei wählbare Mixtur aus Kartoffelstückchen, Zwiebeln, Mais, Reisflakes und vielem mehr gegeben. Die Jungs lassen uns probieren. Schmeckt gar nicht schlecht und ist jedenfalls erheblich gesünder als Chips, Flips und Würstchen.

Nach zwei Stunden haben wir genug gesehen und machen uns auf den Heimweg. Wir laden Sagar und Kamal zum Mittagessen ein und begeistert bestellen sie sich Momos und Limo. Auch für sie eine angenehme Abwechslung zum ewigen Dal Bhat.

Nachdem wir die Jungs wieder daheim abgeliefert haben, gönnen Caro und ich uns erstmal eine Mittagspause. Kaffee und ein kurzes Schläfchen. Als ich gegen vier wieder im Heim auftauche, hocken alle vor dem Fernseher, außer Marmita. So nutze ich die Gunst der Stunde und mache mit ihr einen Spaziergang zum See. Zuerst schauen wir in unserem Garten vorbei und begrüßen die Kuh. Dann trinken wir ein Lassi am Ufer.

Zurück erwartet mich Anjeli schon mit den Badmintonschlägern. Mit wechselnden Partnern spiele ich auf der Straße bis weit nach Einbruch der Dunkelheit. Die Straßenlampe liefert spärliche Beleuchtung, aber wir treffen trotzdem noch ab und zu den Ball.

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