Was haben wir nicht alles an tollen Übernachtungsplätzen gehabt: an Seen und Flüssen, in den Bergen und am Meer. Aber manchmal steht man, wie hier in Tiflis auch, einfach auf einem schnöden Parkplatz. Dieser wird jedoch aufgewertet durch die unmittelbare Nachbarschaft der Public Service Hall mit stylischer Architektur des Italieners Massimiliano Fuksas. Das ist eine staatliche Einrichtung, die über 500 öffentliche und private Dienstleistungen unter einem Dach vereint unter dem Motto: „Effiziente Erbringung staatlicher Dienstleistungen mit minimalen Wartezeiten in einer modernen Umgebung.“ Wow!

Wir treffen uns mit Dorothee und Alain zum Frühstück in unserem Bus und nehmen Abschied voneinander. Denn die beiden fahren weiter nach Armenien, während wir heute unsere Rückreise einleiten und Richtung türkische Grenze fahren. Unser Bus hat nämlich in den Pfingstferien eine Verabredung mit unserem Sohn, unserer Schwiegertochter und unserem Enkel.
Wir sind gespannt, wie es sich anfühlt, mal wieder im Zweierteam unterwegs zu sein.

Der erste Teil der Strecke ist eine Wiederholung. Es geht nochmal über Gori und wir wollen die Gelegenheit nutzen, kurz bei Mariam Shalamberidze vorbeizufahren. Sie hatte angeboten (was ich vor drei Tagen nicht mitbekommen hatte), dass man sich einen ihrer kleinen Köpfe aus der Ausstellung mitnehmen dürfe.

Die Künstlerin selbst ist heute leider nicht da. Wir suchen uns einen Kopf aus und freuen uns über das neue Kunstwerk, das demnächst mit uns unser Zuhause teilen wird.


Weiter geht es 40 schon bekannte Autobahnkilometer, bis wir bei Khashuri links Richtung Kleiner Kaukasus abbiegen. Wir haben Hunger und gönnen uns nochmal ein Khatchapuri. Morgen werden wir Georgien verlassen, da muss das heute noch mal sein. Und diese leckeren kleinen Küchelchen mit Nüssen und Marzipan zum Nachtisch! Hmmmm.

Bald erreichen wir die Borjomi-Schlucht, die sich der Fluss Kura in der Nähe des gleichnamigen Kurortes durch die Berge gefräst hat.

In Borjomi sind die Quellen für das bekannteste Mineralwasser des Landes. Es ist das wichtigste Exportgut Georgiens. Vor Jahren schrieb Fabian Stark in der taz eine Reportage dazu: „Bald wird die erste Flasche geöffnet, Borjomi rinnt die Kehle hinunter. Ein leichtes Prickeln, Schwefel überzieht den Gaumen, und Salz, ja, Salz, zärtlich, aber bestimmt. Nach zwei, drei Schlücken kulinarischer Assimilation schmeckt dieses Wasser fantastisch, und die Zähne fühlen sich an wie frisch geputzt, bloß ohne Colgate-Schlick. Die Mineralien aus dieser Flasche müssen jene sein, die Ziegen tagein, tagaus von Steinen lecken.“

Wir haben Borjomi bereits getestet und waren nicht begeistert. Vielleicht schmeckt es an der Quelle besser?
Über die „Beauty-Bridge“ versuchen wir den Kurpark zu erreichen, werden aber durch eine Polizeikontrolle daran gehindert. Hier hätten wir nicht links abbiegen dürfen. 50 Lari (16 Euro) sollen wir bei der nächsten Bank einzahlen. Meine diversen Einwände („Googlemaps hat uns so geleitet“, „Es ist doch Samstag. Da haben die Banken zu“, „Wir verlassen heute das Land“) werden mit einem unterkühlten „Good bye!“ zur Seite gewischt. Wir werden sehen, was morgen Früh an der Grenze passiert. Der Polizist meinte, da könne man das Knöllchen zahlen.

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts ist Borjomi Kurort. Damals weilten die russischen Zaren hier, heute viele Touristen und Sanatoriumsgäste.
Es gibt viele Hotels, traditionelle Häuser und Souvenirshops.



Die Ekaterina-Quelle ist in einem hübschen Pavillon gefasst und wir probieren das Quellwasser. Es ist lauwarm und schmeckt ziemlich nach Schwefel. Hier ist es auch nicht leckerer als im Restaurant oder aus dem Supermarkt.


Wir verlassen Borjomi und fahren tiefer in den Kleinen Kaukasus hinein Richtung Türkei.

Heute Abend wollen wir nicht mehr über die Grenze. Deshalb suchen wir uns kurz vorher einen Übernachtungsplatz. Er liegt auf dem Weg zu einem Kloster, 1225 Meter hoch, abgeschieden und mit prächtiger Aussicht. Wir haben immer noch einige der leckeren Kartoffeln vom Biohof Meidinger in Mintraching. Die gibt es mit Kräuterquark und Tomatensalat.

PS:
Einige Besonderheiten, die uns in Georgien aufgefallen sind:
- Viele Tiere wie Schweine, Pferde, Kühe und Schafe laufen frei herum.
- Es liegt fast kein Müll in der Landschaft oder auf den Straßen.
- Überall trifft man auf Hunde. Sie sind alle freundlich und streichelbedürftig.
- Die Menschen waren höflich und freundlich. Wir freuen uns jetzt aber auf die besondere Gastfreundlichkeit und Herzlichkeit der Türkinnen und Türken.
- Auf Schlaglöcher muss man immer aufpassen.
- Wir sehen viele Gebrauchtwagen mit deutscher Werbung („Obst und Gemüsegroßhandel“, „Bad und Heizung“)
- Die Autofahrer zeichnen sich nicht durch eine defensive Fahrweise aus.
- Der Dieselpreis von umgerechnet 1,40 Euro.
- Die leckeren Spezialitäten.






















































































































