Bei Schnee nach Ushguli

Wenn man auf die Landkarte guckt, sieht man, dass das kleine Dorf Ushguli, welches zu den höchst gelegenen Orten Europas zählt, von Gletschern umgeben ist. Wir wollen heute nicht nur auf die Karte schauen sondern es selbst erleben. Dafür brauchen wir ein geländegängiges Fahrzeug. Obwohl wir zwischen der Skisaison und der Wandersaison liegen, gibt es ein paar Anbieter, die bereit sind, uns mit einem 4-wheel-drive auf 2200 Meter hochzufahren.

Leider schneit es, der Himmel ist grau und die Wolken verbergen die hohen Berge. Bald halten wir das erste Mal : Fotostop am Liebesturm. Unser Fahrer erzählt die swanetische Legende dazu: „An diesem Ort trafen sich eine junge Frau und ihr Freund regelmäßig für zarte Stunden. Eines Tages ging der junge Mann nach ihrem Treffen auf die Jagd und kam nicht wieder. Seitdem ging seine Freundin täglich zum früheren Treffpunkt und wartete auf ihn. Ihr Vater baute diesen Turm für sie, in dem sie fortan Ausschau nach ihrem Liebsten hielt.“

Nach eineinviertelstündiger Fahrt über eine ganz passable Piste erreichen wir Ushguli. Es ist das Highlight Oberswanetiens und zählt mit seinen vielen mittelalterlichen Wehrtürmen in nahezu unberührter Bergwelt zum Weltkulturerbe.

Auf Anraten unseres Fahrers bestellen wir erst unser Mittagessen für später vor und machen uns dann auf einen Spaziergang durchs Dorf.

Außer uns ist höchstens ein Dutzend anderer Touristen unterwegs, erheblich weniger als Kühe und Pferde, mit denen wir uns die Pfade teilen. „Auf was laufen wir hier eigentlich herum?“, frage ich. Ich denke, der Untergrund besteht zu je einem Drittel aus Matsch, Schnee und Kuhfladen.

Zum Mittagessen gibt es Kubdari, swanetisches Katchapuri, mit Hackfleisch statt mit Käse gefüllt, gewürzt wahrscheinlich mit Georgian Salt, einer speziellen, unbedingt noch zu erwerbenden Würzmischung.

Es gibt noch einen unteren Dorfteil, in dem keiner mehr lebt und den wir uns nach dem köstlichen Mittagessen noch anschauen.

Dann geht es in wilder, aber sicherer Fahrt zurück nach Mestia. Inzwischen hat sich das Wetter gebessert und hin und wieder spitzt sogar mal ein Berg hervor.

In Ushguli waren uns ein Kino und ein großes Filmplakat aufgefallen.

Der Film wird auch in Mestia gezeigt und zwar seit sieben Jahren im selben Kino, täglich, fünf Mal am Tag – wenn Publikum da ist. Wir sind um 19 Uhr zur Stelle und neugierig auf den Film, der bereits auf 300 Festivals lief und 20 Preise eingeheimst hat.

Er soll auf einer wahren Geschichte basieren, die in Ushguli spielt und 2017 dort gedreht worden. Er zeigt, dass noch 1990 äußerst archaische Sitten dort herrschten: Zwangsheirat, Brautentführung (nicht als Hocheitsspiel!), Blutfehde. Aber er zeigt auch eine starke Frau, die sich auflehnt.

Wir sind allein im Kino und ich finde es nahezu surreal, in diesem außergewöhnlichen Kino in einer sehr besonderen Stadt einen Film über einen äußerst speziellen Ort zu sehen, den wir erst vor ein paar Stunden besucht haben. Genau wie im Film haben wir Ushguli erlebt. Der Film spielt auch im Winter. Was für ein Tag!

Die Wehrtürme in Mestia werden nachts angestrahlt. Auf dem Heimweg macht Achim noch dieses Foto.

In den Großen Kaukasus

Heute zieht es uns zurück in die Berge. Über sechs Stunden wird die Fahrt von Batumi nach Mestia im Norden Georgiens dauern, berühmt für seine mittelalterlichen Wehrtürme, die zum Weltkulturerbe zählen.

Es gibt eine nette Geschichte über die Entstehung Georgiens: Als Gott die Welt unter den einzelnen Völkern verteilte, kamen die Georgier zu spät. Zuerst war Gott sauer, aber der Charme und die Freundlichkeit der Georgier freuten ihn so sehr, dass er ihnen das Land überließ, welches er eigentlich für sich selbst vorgesehen hatte.

Das wollen wir uns die nächsten Tage mal anschauen. Los geht es ziemlich grau: starker Regen, fünf Grad.

Achim findet eine Abkürzung zur Umgehungsstraße von Batumi, so dass wir nur wenig vom vormittäglichen Stau mitbekommen und schon nach einer knappen halben Stunde gemütlich dahin rollen. Bereits gestern in der Stadt fiel uns die mediterran anmutende Vegetation auf: Zitronen- und Orangenbäume, Palmen, Gummibäume. Wir sind auf demselben Breitengrad wie Rom.

Bald schon ist linkerhand wieder das Schwarze Meer zu sehen und dann dauert es nicht mehr lange, bis wir am Horizont die schneebedeckten Kuppen des Großen Kaukasus entdecken.

Am Straßenrand vor der Stadt Poti fällt uns eine große Skulptur auf. Es gibt keine Erklärung, aber Google lens hilft weiter: Es ist das „Denkmal für die heldenhaften Segler“, all diejenigen, die im Zweiten Weltkrieg ihr Leben ließen. Georgien spielte  im Zweiten Weltkrieg eine bedeutende Rolle als Teil der Sowjetunion, primär durch die Bereitstellung von rund 700.000 Soldaten für die Rote Armee, von denen etwa 350.000 fielen. Als wichtige Versorgungsbasis lieferte die Region kriegswichtige Ressourcen wie Mangan, welches hauptsächlich in der Stahlindustrie verwendet wird, um Stahl härter, widerstandsfähiger und korrosionsbeständiger zu machen.

Immer wieder grasen Schweine und Kühe am Straßenrand, Hunde sonnen sich mitten auf der Straße. Wir passieren langgezogene Ortschaften, einfache Häuser auf beiden Seiten, mal ein Kirchlein oder ein Friedhof. Alles ist schon üppig grün, manchmal entdecke ich einen großen gepflegten Garten.

Nur eine Gelegenheit zum Kaffee trinken finden wir nicht. Ob das daran liegt, dass wir nicht wissen, wie „Café“ auf Georgisch gemalt wird? Nein, nein, das wissen wir:

Ich überlege gerade, was die Bordküche für ein Mittagessen bereit hält, als wir doch noch ein eindeutiges Schild mit Messer und Gabel am Straßenrand sehen. Vor dem Lokal stehen zwei Fahrzeuge mit EU-Emblem. Ein Paar winkt uns her und erklärt uns auf Englisch, dass man hier bestens essen könne. „Wir sind fast jeden Mittag hier.“

Wir hatten vorher schon ein Hinweisschild fürs „EUMM-Headquarter“ im nahegelegenen Zugdidi gesehen und uns gefragt, was dort wohl gemacht wird. Das fragt Achim sie nun. „Wir sind hier, um zu überprüfen, ob an der Grenze zu Abchasien die getroffenen Vereinbarungen eingehalten werden und sollen dazu beitragen, den Frieden in der Region zu erhalten“ , erklären uns die beiden. In Georgien gibt es zwei Regionen, Abchasien und Südossetien, die nicht der georgischen Regierung unterliegen, sich als autonome Republiken bezeichnen und von Russland unterstützt werden.

Wir kommen den Bergen nun immer näher. Es ist halb vier und unser Tagesziel Mestia noch zwei Autostunden entfernt. Seit geraumer Zeit scheint die Sonne und das Thermometer ist auf 15 Grad geklettert.

Bald sind wir drin in den Bergen, noch innerhalb der Baumgrenze. Es gibt riesige Wälder und im Hintergrund spitzen die Berge des Großen Kaukasus heraus.

Die Straße windet sich durch die Berge, am Fluss entlang, wir bleiben lange auf knapp 600 Höhenmetern. Statt Hunden liegen jetzt Steine und kleinere Felsbrocken auf dem Weg und blockieren schon mal eine Hälfte der Straße Die Schlaglöcher mehren sich, kleine Wasserfälle ergießen sich neben uns in die Tiefe. Hier und da fehlt der Asphalt und wir rumpeln vorsichtig über die Piste. Nur vereinzelt sehen wir kleine Dörfer am gegenüberliegenden Hang. Die Tunnel sind finster, Schlaglöcher nur schwer zu sehen. Der Fluss unterwegs ist braun und brodelig. Verkehr ist so gut wie keiner. Wir fahren mit 14 bis 40 kmh.

Große Teile der Strecke werden wir übermorgen wieder zurückfahren müssen. Für unsere Fahrzeuge ist die Straße nach Mestia nämlich eine Sackgasse. Nõrdlich des Ortes ist Russland, rings herum Gebirge. Wir finden es beide etwas aufregend, hier zu fahren. Es fühlt sich so richtig weit weg von zu Hause an.

Kurz vor dem Ziel sehen wir die ersten mittelalterlichen Wehrtürme, für die Swanetien so berühmt ist.

Um 19. 30 Uhr erreichen wir endlich Mestia, Weltkulturerbe, auf 1500 Meter Höhe. Statt der vom Navi nach dem Mittagessen anvisierten zwei Stunden haben wir ganze dreieinhalb gebraucht.

Als Belohnung für die anstrengende Fahrt gibt es von Angelina handgemachte Khinkali, mit Hackfleisch gefüllte Teigtaschen.

Regen in Batumi

Georgien begrüßt uns mit Regen. Keinem Nieselregen, sondern einem kräftigen, ausdauerndem Landregen. Dabei sind wir hier am Rande der Großstadt, in  Sichtweite des 200 Meter hohen Batumi-Turms, dem zweitgrößten Gebäude des Landes. Batumi selbst ist nach der Hauptstadt Tiblissi (Tiflis) mit rund einer Million Menschen die zweitgrößte Stadt Georgiens.

Wir packen uns so regenfest ein wie möglich und lassen uns mit dem Taxi für 20 Lari (ca. 6 Euro) ins Zentrum fahren.

Der Batumi-Boulevard ist eine etwa sieben Kilometer lange, historische Promenade aus dem Jahr 1881, die sich entlang des Schwarzen Meeres  erstreckt. Er gilt als das Herzstück der Stadt und bietet palmengesäumte Wege, Restaurants, Cafés, Fahrradausleihen, Freizeitparks sowie berühmte Sehenswürdigkeiten wie die Ali und Nino-Skulptur und tanzende Brunnen.

Der Batumi-Tower, zu dem wir uns bringen lassen,  wurde 2012 fertig gestellt. Er hat 35 Stockwerke und besitzt als Besonderheit ein Riesenrad in der Fassade, das jedoch nicht in Betrieb ist. Nachdem die Pläne gescheitert waren, eine technische Universität im Batumi Tower zu eröffnen, stand der Wolkenkratzer jahrelang leer. Schließlich wurde das Gebäude zu einem Hotel umgebaut.

Wir laufen weiter zu einem der bemerkenswertesten Wahrzeichen des Batumi-Boulevards, dem alphabetischen Turm. Die 130 Meter langen Doppelhelix-Stahlrohre erheben sich am Turm empor und enthalten die 33 Buchstaben des georgischen Alphabets. Die Architektur des Turms ähnelt einer DNA-Zelle und symbolisiert die Einzigartigkeit des georgischen Alphabets. Jeder Buchstabe besteht aus einer vier Meter hohen Aluminiumplatte.

Das Denkmal von Ali und Nino ist eine kinetische skulpturale Komposition der georgischen Künstlerin und Bildhauerin Tamar Kvesitadze aus dem Jahr 2010. Sie ist acht Meter hoch, fast durchscheinend und aus Stahlfiguren von Ali und Nino. Langsam bewegen sie sich aufeinander zu und schaffen so ein einzelnes integrales Stück, aber nur für einen Moment, dann werden sie wieder getrennt. Der Vorgang wird alle zehn Minuten wiederholt.

Inspiriert wurde die Künstlerin durch den 1937 erschienenen gleichnamigen Bestseller von Kurban Said, der die tragische Liebesgeschichte zwischen Nino, einer christlichen Georgierin und Ali, einem muslimischen Aserbaidschaner schrieb. Die beiden werden auch als kaukasische Romeo und Julia bezeichnet.

Wir wenden uns nun vom Meer und dem Boulevard ab und laufen Richtung Altstadt. Immer wieder sind wir hingerissen von ihrem besonderen Mix des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts, dominiert von europäischen Stilen, insbesondere dem Jugendstil, klassizistischen Einflüssen und charmanten Häusern mit verzierten Holzbalkonen. Viele Gebäude wurden renoviert, wobei oft mediterran anmutende Fassaden entstanden.

Dann ist es Zeit für einen Kaffee und wir stoßen per Zufall auf das Literatur-Café mit internationaler Lektüre und heimischen Leckereien. Ich entscheide mich für Medovik, geschichtete Teigplatten mit Honig und einer Crème aus Kondensmilch. Sehr süß und doch so gut.

Nebenan ist das Ajara-Museum, in dem vor allem zeitgenössische georgische Kunst gezeigt wird. Es ist in einem prächtigen Gebäude von 1949 untergebracht und sehr beliebt als Fotospot für Brautpaare.

Auf diesem Bild sehen wir unser Ziel für Übermorgen: Ushba.

Angelina, in deren Garten wir wohnen, hat uns zum Abendessen ein Lokal empfohlen, in dem wir eine weitere georgische Spezialität probieren können.

Es ist eher ein Imbiss, sehr schlicht, dafür absolut untouristisch.

Drei Frauen backen die mit Käse gefüllten Hefeteigschiffchen. Boah! Danach ist man pappsatt und sehr zufrieden!

Nach Georgien

Schon gestern Abend habe ich mich auf heute Morgen gefreut, denn Frühstücken am Strand, am Schwarzen Meer, ist schließlich etwas ganz Besonderes. Es ist zwar noch recht frisch, aber mit Pulli geht es. Möwen umkreischen ein Fischerboot. Der Strand ist leer – außer einem kleinen Auto, das sich gestern Nacht, wohl dank eines übermütigen Fahrers, im Sand festgefressen hat.

Nach der zweiten Tasse Kaffee kommt leider heftiger Wind auf und unsere Utensilien fliegen gemeinsam mit dem umliegenden Müll durch die Gegend. Rasch verziehen wir uns nach drinnen.

Bis zur georgischen Grenze sind es knappe 200 Kilometer, immer über die vierspurige E 70 am Meer entlang, das sich teilweise nicht schwarz sondern türkis zeigt. Gegen Eins erreichen wir die Grenze und sind gespannt, wie lange die Prozedur dauert. Wir mogeln uns (auf der Gegenspur) an einer langen LKW-Schlange vorbei und sind rasch am türkischen Kontrollpunkt.

Nur jeweils eine Person darf im Camper bleiben, die anderen beiden machen sich zu Fuß auf den Weg durch ein riesiges Gebäude, das Türken und Georgier gemeinsam betreiben.

Lange Gänge, teilweise mit Laufbändern, ein Aufzug, rauf, runter, bei der Ausreise geht es schnell, bei der Einreise knuddelt es sich, aber nach einer Viertelstunde ist auch das erledigt und dann heißt es:

„Welcome to Georgia!“

Etwas dauert es noch, bis auch unsere Männer mit den Bussen kommen. Wir brauchen noch Geld und Sim-Karten (das dauert immer am längsten) und endlich können wir weiterfahren. In Georgien ist es eine Stunde später als in der Türkei und somit zwei Stunden später als in Deutschland.

Wir steuern eine elf Kilometer entlegene Privatunterkunft an. Angelina und ihr Mann bieten ihren Garten, Toilette, Dusche und Waschmaschine an und wir wollen zwei Nächte bleiben. Erstmal ankommen.

Von Klöstern und dem Schwarzen Meer

Der Mechaniker greift zum Telefon, spricht kurz und reicht mir den Hörer. Ein Mann begrüßt mich auf Englisch und erklärt, dass sein Freund, der Mechaniker, sicher stellen will, ob mir bewusst sei, dass der Motor komplett zerlegt werden müsse und die Reparatur 24 Stunden dauere. Ich bedanke mich und erteile den Auftrag, die Steuerkette meines Motorrads zu wechseln. Das ist 20 Jahre her, aber natürlich denke ich daran, wenn ich in der Gegend bin. Den Reparaturtag haben wir damals genutzt, um auf Achims BMW zum Sümela-Kloster zu fahren. Das machen wir heute auch.

Die Wurzeln des Sümela-Klosters reichen bis ins 4. Jahrhundert n. Chr. zurück. Laut Überlieferung entdeckten zwei Athener Mönche, Barnabas und Sophronius, ein Bild der Jungfrau Maria in einer Höhle in den Klippen. Sie hielten dies für ein göttliches Zeichen und gründeten das Kloster genau an dieser Stelle. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich Sümela zu einem wichtigen byzantinischen religiösen Zentrum.

Das Sümela-Kloster, 50 Kilometer südlich der Hafenstadt Trabzon am Schwarzen Meer, scheint der Schwerkraft zu trotzen. In die steile Klippenwand auf einer Höhe von 1.200 Metern gebaut, wirken seine Steinwände, die Kapellen und Kammern als wären sie ein Teil des Bergs selbst.

Der Camper muss am Parkplatz abgestellt werden, von dort kann man vier Kilometer laufen oder sich für einen Euro mit dem Dolmuș, einem Sammeltaxi, hinauffahren lassen. Achim läuft und macht unterwegs ein tolles Foto mit seiner Drohne. Ich fahre, muss von der Endhaltestelle aber noch 350 Meter recht steil hochgehen. Erstmal aufs Clo. Als ich rauskomme, fragt mich der Clomann, ob ich einen Tee möchte. Das ist genau das, worauf ich gerade Lust habe und ich sage freudig zu. Er winkt mich in sein Kabuff und bereitet den Tee zu. Mit unseren Bechern stellen wir uns in die Sonne und er erzählt mir, dass er vor 30 Jahren von Istanbul hierher gezogen ist und seitdem für die Stadtverwaltung arbeitet, die auch die Toilettenanlage hier am Kloster betreibt.

Schließlich mache ich mich auf den Weg hinauf zum Kloster, das in viele kleine Gebäude eingeteilt ist. Hier die Küche, dort die Bibliothek, da das Hamam, das Bad. Alles ist leer, nur die Gemäuer sind erhalten und vorsichtig restauriert.

Im Zentrum steht die frühere Kirche, außen und innen mit Fresken verziert. Mit mir gemeinsam sind einige Touristen, vor allem aus der Türkei selbst, unterwegs.

Mit Achim treffe ich mich später im Kloster-Café. Er hat nur eine Stunde bis hier hoch gebraucht. Wir kaufen uns Kaffee und Schokoriegel, den ich mir mit dem Clomann teile. Dann fahren wir gemeinsam mit dem Dolmuș zum Camper zurück, verzehren die restlichen Çiğköfte von gestern und treffen uns mit Dorothee und Alain, in der benachbarten Stadt Maçka. Die beiden haben heute Vormittag die Klosterruine Vazelon besucht, nun bummeln wir gemeinsam durch die Stadt. Wir lassen die Camper waschen,

essen Törtchen und Baklava,

kaufen Brot

und fahren weiter nach Trabzon ans Schwarze Meer.

Außerhalb der Stadt finden wir einen Platz auf dem Strand.

Um diese Uhrzeit sind noch ein paar Angler unterwegs und junge Leute, die am Strand picknicken. Alle fahren mit ihren Autos bis ans Wasser, der Strand ist recht vermüllt, links sieht man die Hochhaussiedlungen von Trabzon, rechts den schneebedeckten Taurus, den wir durchquert haben.

Es ist schön, wieder am Meer zu sein. Vor einer Woche am Mittelmeer, jetzt am Schwarzen Meer, dazwischen diese gigantischen Berge. Und morgen, morgen wollen wir die Grenze nach Georgien überqueren.

Von anatolischen Geparden, Çiğ Köfte und schneebedeckten Bergen

Gestern habe ich mich bereits gewundert, warum google sich gewünscht hat, dass ich meine Meinung zum Prof. Dr. Ali Demirsoy Doğa Tarihi Müzesi abgebe. Ich habe doch keine Ahnung, was das ist. Bis Achim gestern Abend entdeckte, dass es sich dabei um ein Naturkundemuseum handelt. In Sichtweite unseres Stellplatzes. Es macht um Neun auf und wir wollen es uns anschauen.

Es ist in der örtlichen Mittelschule untergebracht und dem türkischen Biologen Ali Demirsoy, der in Kemaliye geboren und aufgewachsen ist, zu verdanken. Zeit seines Lebens sammelte er Fossilien, Mineralien, Flechten, aber auch Schlangen, Schmetterlinge, Insekten sowie Skelette von großen und kleinen Tieren.

Ein Wärter sperrt den Raum, in dem die Sammlung untergebracht ist, für uns auf und begleitet uns durch die Ausstellung. Sein Englisch ist so rudimentär wie mein Türkisch, aber mit Hilfe des digitalen Übersetzers erläutert er uns die Herkunft und Besonderheiten der Fundstücke.

Wir bewundern außergewöhnliche Schnecken, bunte Seesterne, das Skelett eines Igels und das Fell eines anatolischen Geparden aus Erzincan. Oh, das ist unsere nächste Station! „Be careful!“, scherzt der Wärter.

Den Anatolischen Leoparden gibt es noch, allerdings ist er vom Aussterben bedroht. Lange Zeit galt er als verschollen, doch neuere Sichtungen und Kamerafallen-Aufnahmen (zuletzt 2024) bestätigen sein Überleben in der Türkei. Experten schätzen, dass noch etwa 10–15 Exemplare in freier Wildbahn leben.

Dann begleitet uns unser freundlicher Führer noch zum Skelett eines indischen Elephanten, der 1999 starb und der Universität in Ankara geschenkt wurde. Es ist wohl Prof. Demirsoy zu verdanken, dass er in die Pausenhalle der Schule in Kemaliye umzog.

Ab und zu fragen wir uns auf Reisen: „Was mache ich hier eigentlich? Wäre ich jetzt nicht doch lieber zuhause?“ Etwa wenn es draußen kühl, grau und nass ist. Dann wiederum haben wir herzliche Begegnungen, entdecken etwas Interessantes oder werden mit schönsten Ausblicken beschenkt und wissen wieder, warum wir so gern reisen.

Einen Gepard haben wir im 150 Kilometer entfernten Erzincan nicht gefunden, wohl aber einen Çiğköfteci, der uns leckere Bulgurbällchen serviert, uns zu Ayran und Tee einlädt, uns nicht bezahlen lässt und uns obendrein noch eine große Tüte mit Çiğköfte für heute Abend mitgibt. Unfassbar!

Çiğ Köfte haben eine charakteristische Form, die durch das Kneten mit den Fingern entsteht; sie werden gegessen, indem man sie mit einem Salatblatt aufnimmt und sie zusammen mit etwas Soße in dieses Blatt einwickelt oder, wie in unserem Fall, in ein Wrap. Früher wurden sie mit magerem rohen Hackfleisch gegessen, heute ist in der Gastronomie nur noch die vegetarische Variante mit Bulgur erlaubt. Gewürzt wird mit Zwiebeln, Knoblauch, scharfer Paprikapaste, Tomatenmark, Zitrone, Kreuzkümmel, Pfeffer, Salz, Granatapfelsirup und gemahlenem Koriander. Zuletzt kommen frische Minze oder Petersilie hinzu.

Dann erwischt uns nochmal der Winter. Die Berge um uns herum sind voller Schnee, das Thermometer zeigt zwei Grad, wir sind aber auch auf 2000 Meter.

Wir übernachten bei 4 Grad auf 1600 Metern und nehmen innerlich schon mal Abschied vom Taurusgebirge. Denn morgen fahren wir hinunter ans Schwarze Meer.

Im Schwarzen Canyon

Wir wurden schon vor Monaten auf den Karanlık Kanyon, den Schwarzen Canyon, aufmerksam. In verschiedenen Youtube-Videos sahen wir spannende Durchfahrten auf dem Motorrad und in einem (fast stecken gebliebenen) VW-Bus. 31 Tunnel auf 8,5 Kilometern, genannt Taș Yolu, Steinweg, machen den spektakulärsten Abschnitt der insgesamt 25 Kilometer langen Strecke aus. Gigantische Aussichten durch Felsdurchbrüche oder am Abgrund entlang auf die darunter liegende Schlucht machen es reizvoll. Diese Straße, die bis heute zu den beeindruckendsten und gefährlichsten der Welt zählt, zieht Reisende, Offroad-Fans und Motorradfahrer an. Ein Camper ist nicht das geeignete Gefährt, aber wir wollen die Möglichkeiten, die wir haben, vor Ort erkunden.

Wir haben mit den Bussen nur ein paar hundert Meter vom Startpunkt entfernt übernachtet und machen uns zu Fuß auf den Weg. Vor dem ersten Tunnel steht eine beeindruckende Ansammlung von Schildern. Es wird gewarnt vor Steinschlag, unbefestigter Straße und auch die maximale Breite und Höhe sind angegeben. Nur befahrbar bis 2,20 m Höhe und 1,70 m Breite steht es geschrieben. Wir sind 2,60 m hoch und 2,20 m breit. Eine Durchfahrt mit unseren eigenen Fahrzeugen können wir also schon mal vergessen.

Ein einziger Motorradtourist aus Italien fährt in den Tunnel hinein, ansonsten ist keinerlei Verkehr. Eine Wandergruppe macht sich zu Fuß auf den Weg.

Auf der anderen Flussseite ist ein Café. Hier schwingen sich Unternehmungslustige mit einer Zipline über den Fluss, andere steigen in ein Boot und schippern ein halbes Stündchen durch die Schlucht.

Meine drei Mitreisenden beschließen, die Straße zu Fuß zu erkunden, ich selbst bin wegen meines gezerrten Muskels heute gehandicappt und lege einen Ruhetag im Bus ein. Die Aussicht vom Bett könnte nicht besser sein.

Achim erzählt mir später, dass sie eine ganze Weile gelaufen sind, bis die Tunnelstrecke losging und er zeigt mir Fotos mit sensationellen Aussichten auf den Canyon. Einmal kommt dann auch ein Fahrzeug daher und bietet ihm ein schönes Fotomotiv.

Mein halber Ruhetag wird unterbrochen von zwei Motorradfahrern aus Irland und Italien. Dorothee und Alain hatten sie im Tunnel getroffen und zu uns geschickt nach dem Motto: „Achim ist auch Motorradfahrer. Fahrt ruhig mal bei ihm vorbei!“ Stimmt. Achim freut sich, kocht Kaffee und schon sitzen die Drei vor meiner Bettstatt und wir plaudern gemütlich.

Als Dorothee und Alain wiederkommen, sind die beiden schon weg, aber wir setzen uns nun alle zur Brotzeit ins Freie.

Später schauen wir uns den Ort an: ein hübsches Bergdorf mit vielen Konaks, alten Häusern, unten aus Stein und oben aus Holz und Lehm.

Gemeinsam mit dem Dark Canyon steht der Ort Kemaliye auf der Vorschlagsliste des Weltkulturerbes. Zurecht, wie wir finden.

Zum Euphrat

Schon vor dem Frühstück nutzen wir eine Regenlücke und machen uns auf in die Șuğul-Schlucht. Bald ist es mit dem schön angelegten Spazierweg vorbei und ein Naturweg bietet uns einen Mix aus Wandern, Balancieren und Kraxeln an. Das sind wir ja schon gewöhnt und bei den heiklen Stellen hilft Liebstachim mir.

An unserem Wendepunkt tropft es oben kräftig von den Felsen, so dass wir den Unterschied zum bald einsetzenden Regen fast nicht merken. Wir treffen zwei junge Männer aus Gaziantep, Brüder auf Wochenendtour. Sie erzählen begeistert, dass sie hier nicht nur Mauersegler, wie wir gestern Abend, sondern auch schon Adler und Geier gesehen haben.

Wir frühstücken, kaufen im nächsten Ort ein, werden dort im Laden zum Plausch und zum Kaffee eingeladen, holen Geld und wenden uns wieder dem Taurus-Gebirge zu. Heute fahren wir über kleinere Straßen als gestern. Auf gutem Teer führen sie uns, immer etwa auf 1700 Metern, schwungvoll durchs weite wilde Bergland.

Die erste Ortschaft nach etwa 80 Kilometern ist Kangal. Kangal? Kangal? Das sagt uns doch was? Als wir vor ein paar Jahren in Namibia waren, haben wir den Cheetah Conservation Fund, eine Art Waisenhaus für Geparde, besucht. Die Mütter dieser Tiere waren zumeist von Farmern erschossen worden, weil sie ihre Nutztiere gerissen haben. „Es ist verständlich, dass die Bauern ihr Hab und Gut schützen wollen. Wenn es um eine bedrohte Art geht, ist es aber problematisch“, schrieb ich damals im Blog.

Und so kam die Gepardstiftung auf den türkischen Hütehund, den Kangal. Er wird hier trainiert, sich zwischen den angreifenden Gepard und die Ziegenherde zu stellen und sie so zu schützen. Farmer können sich einen solchen bereits trainierten Hund kaufen, um künftig keine Geparden mehr schießen zu müssen.

Hier in Kangal wurde dem Kangal ein Denkmal gesetzt, denn das Tier gilt als wertvolles Kulturgut. Die Region gilt seit dem 12. Jahrhundert als Hauptverbreitungsgebiet dieser Herdenschutzhunde, die hier gezielt zur Verteidigung von Schafherden gegen Raubtiere gezüchtet wurden. 

Es ist so schön, wenn man morgens losfahren kann, ohne zu wissen, wer oder was einem im Laufe des Tages begegnet. Sicher scheint nur zu sein, dass stets kleine oder große Entdeckungen auf uns warten.

Die nächste finden wir in weiteren 70 Kilometern: die Ulu-Moschee in Divriği ist Weltkulturerbe. Ein sehr beeindruckendes Bauwerk aus dem 13. Jahrhundert.

Von außen ist sie sehr schön, von innen sensationell. Nur warmer Sandstein umgibt uns, von Architekten virtuos zusammengesetzt, von Steinmetzen meisterlich bearbeitet.

Auch die Akustik ist sehr besonders. Leise Stimmen werden verstärkt, ich singe ein paar Töne, die sogleich den gesamten Raum erfüllen.

Draußen erklärt uns ein Wärter, dass dies NICHT die Moschee sei, sondern das von der Ehefrau des Erbauers eingerichtete Krankenhaus. Ob wir die besondere Akustik wahrgenommen hätten. Hier hätte man damals bereits versucht, die Kranken mit Vogelgezwitscher, Wasserrauschen und Musik zu heilen.

Nun also zum linken Eingang, der Moschee. Auch sie betreten wir durch ein prächtiges Eingangstor. Der hilfreiche Wärter zeigt uns, dass man in der rechten Hälfte den Schattenwurf eines lesenden Menschen erkennen kann.

Innen ist auch sie sehr schön, aber mein Herz weilt noch im Krankenhaus, dem schönsten.

Noch 90 Bergkilometer sind es bis Kemaliye, dem Ort am Euphrat, zu dem wir heute noch wollen.

Wir blicken weit ins Gebirge hinein, die Berge präsentieren sich in den verschiedenen Schichten, Formen und Farben, nach jeder zweiten Kurve brechen wir in „Ahs“ und „Ohs“ aus. 

Plötzlich ist der Fluss unter uns. Es ist das erste Mal auf dieser Reise, dass wir den Euphrat sehen.

Das Auto klettert nochmal hoch auf 2000 Meter, dann geht es zügig bergab. Es ist schon dunkel, als wir die Busse oberhalb des Euphrat abstellen. Und wir wissen jetzt schon: Morgen wartet ein weiterer Höhepunkt auf uns: der schwarze Canyon.

In der Luft

Um 5.08 Uhr wird der Ballon ausgerollt. Die Crew bläst Luft hinein, der Stoff bläht sich auf. Dann muss es schnell gehen, denn wir sind noch an unserem Truck befestigt und den sollten wir besser nicht auch noch mit in die Höhe nehmen. Wir vier und noch so um die 20 Leute klettern über eine Minileiter in den Korb. Dann heben wir ab. Langsam dämmert es.

Schnell sind wir auf 500 Meter. Unter uns die Lichter der Stadt, um uns herum viele Ballone. Wir fahren auf eine Felswand zu, scheinbar im letzten Moment lässt der Pilot heiße Luft in den Ballon und wir steigen hinauf. Schweben. Staunen.

Und es geht wieder hinunter. Die Apfelblüten unter uns sind zum Greifen nah. Lautlos gleiten wir über die zerklüftete Landschaft. Um kurz nach Sechs geht die Sonne auf. Andächtiges Schweigen an Bord.

Wir genießen die Stille, die uns umgibt, lediglich unterbrochen vom Zischen des Gases, mit dem unser Kapitän sporadisch für einen Hitzeschub im Ballon sorgt. Auch wir bekommen von der Wärme etwas ab, was bei 7 Grad sehr angenehm ist.

Nach knapp einer Stunde sinken wir. Unsere Begleitfahrzeuge kurven um uns herum, der beste Landeplatz wird gesucht. Wir waren schon gleich zu Anfang instruiert worden, wie wir uns während der Landung zu verhalten haben. Als des Piloten Stimme energisch ruft: „Landing position!“ hocken wir uns alle hin und halten uns an den Griffen fest (gar nicht so einfach mit einem gezerrten Muskel). Rummmms, setzen wir auf.

Binnen weniger Minuten gelingt es dem Team, wie wir es gestern schon bei anderen beobachtet hatten, unseren Korb auf einen Anhänger zu hieven. Präzisionsarbeit. Applaus für den Piloten und die Crew.

Mit einem Glas „Champagner“ (alkoholfreie rote Limo?) und einem schönen Zertifikat endet unser Abenteuer.

Oh, doch nicht ganz. Kann man die Heimfahrt mit einem singenden und am Steuer tanzenden Busfahrer auch noch als abenteuerlich bezeichnen? Lustig war’s auf jeden Fall.

Später, nach einem ausführlichen Nachspüren und Frühstück mit Aussicht machen wir uns auf den Weg nach Osten. 250 Kilometer sind es bis zum Landschaftsschutzgebiet Șuğul bei Gürün.

Kurz nach dem Start stoppen wir allerdings schon wieder. Auf der alten Seidenstraße gibt es so viele Karawansereien. Diese hier heißt Sarıhan und wird gerade von einem Brautpaar als Fotokulisse genutzt.

Nachdem wir den Großraum Kayseri verlassen haben, heißt es: „Fahren Sie 140 Kilometer geradeaus! „

Da wir eine sehr ausführliche Pause inklusive Mitttagsschläfchen am Fluss Zamantı machen, kommen wir nach einer windgebeutelten Fahrt erst um  halb Sieben an unserem Tagesziel im Șuğul-Tal an. Meist führt uns die Straße über 1600 Höhenmeter, der höchste Punkt, den wir befahren, ist auf 1900 Metern. Rechts und links liegen Schneereste, die Berge sind kahl. Es gibt kaum noch Ortschaften. Wir brauchen noch Salat fürs Abendessen. „Auf 100 Kilometern wird es ja wohl noch einen Supermarkt geben“, meint Achim. Hier nicht. Hier lebt ja auch kaum einer. Dann gibt es die Nudeln mit Thunfischsauce halt ohne Salat.

Kurz vor Gürün biegen wir links ab und erreichen nach drei Kilometern den Besucherparkplatz fürs Landschaftsschutzgebiet Șuğul. Zahlreiche Picknickpavillons laden zum Verweilen ein. Im Sommer ist hier bestimmt einiges los.

Der Şuğul Canyon wurde maßgeblich vom Fluss Tohma Çayı geformt. Der glasklare Fluss hat sich tief in die Felsen des Taurus-Gebirges gegraben und bildet dort eine Schlucht mit Wasserfällen und Terrassen.

Ein neu angelegter Spazierweg verlockt uns zu einem kleinen Abendspaziergang. Wenn das Wetter es zulässt, wollen wir die Gegend morgen etwas näher erkunden.

Zwischen Ballonen und Feenkaminen

Irritiert lausche ich, ob es unsere Heizung ist, die um halb Sechs diesen Krach macht. Oder ist es der Kühlschrank? Achim schiebt das Rollo hoch: „Es geht los!“ Im Pyjama steigen wir aus dem Bus und staunen. Eine Phalanx von Ballonen steht aufgereiht im Tal, langsam steigt einer nach dem anderen auf. Das Zischen des Gases war das Geräusch, das uns geweckt hat.

Schnell füllt sich das Plateau, auf dem wir heute Nacht allein standen. Ein PKW nach dem anderen kommt und bald sind an die Hundert Schaulustige um uns herum. Eine Gruppe roter Cabrios hat sich versammelt, elegant die Besatzung.

Ein Kameltreiber bietet zwei Tiere für einen Ritt an, erfolglos.

Die Damen posieren, die Handys klicken, rund 80 Ballons sind am Ende um uns herum.

Der Cafébetreiber, der uns gestern Abend schon willkommen hieß und uns erklärte, wo wir uns hinstellen dürfen, bietet heiße Getränke an, macht ein gutes Geschäft und beschallt den Platz mit internationalen Schlagern. Adamo war auch dabei.

Was für ein Spektakel – am Himmel und auf der Erde.

Einige Ballons landen nach etwa einer Stunde auf unserem Plateau. Die Transportanhänger sind eingetroffen und die Piloten versuchen, direkt darauf zu landen.

Die Fahrgäste applaudieren, der Sekt wartet schon auf sie.

Wir stellen Tisch und Stühle auf und frühstücken. Bald sind wir wieder allein hier oben.

Unter uns liegt das sogenannte „Liebestal“, aber es gibt keinen Weg hinunter, wir müssen mit unseren Campern hinfahren. Das Liebestal hat seinen Namen von den vielen bis zu 40 Meter hohen phallusförmigen Feenkaminen, die hier allerorten stehen. Es gibt schöne Wege durchs Tal, wie immer teils zum entspannten Flanieren, teils zum Kraxeln und Aufpassen, dass man nicht ausrutscht.

Nach zwei Stunden pausieren wir und laufen dieselbe Strecke wieder zurück. Was nichts macht, denn das Licht ändert sich im Laufe der Zeit und der Blickwinkel ist stets ein neuer.

Nun gelüstet es uns nach Kaffee und Kuchen und einem kleinen Stadtbummel in Göreme. Dann suchen wir die Pension, in der wir vor Jahren auf zwei Reisen gewohnt haben und in der ich einen der schönsten Abende meines Lebens mit zwei türkischen, zwei israelischen und mehreren italienischen Musikerinnen und Musikern verbracht habe. Wir erkennen das Haus im Fels wieder, aber der Besitzer hat gewechselt, es gibt neue Anbauten und die Nachbarschaft wie die gesamte (Alt-)stadt platzt vor Geschäften, Bars, Restaurants, Hotels und Pensionen. Zur Hauptsaison möchte ich nicht hier sein.

Schon in Istanbul hatten wir nach einem neuen Tavla/Backgammon Ausschau gehalten, aber nichts gefunden. Hier kaufen wir eins und weihen es noch am Nachmittag ein.

Heute gehen wir früh ins Bett, denn morgen Früh… müssen wir auf jeden Fall sehr früh aufstehen.