Gleich neben unserem Stellplatz steht ein Schild, das auf einen fünf Kilometer langen Rundwanderweg hinweist, der poetisch Turquant, un tendre cœur de pierre (Turquant, ein zartes Herz aus Stein) genannt wird.
Unsere Wanderung beginnt beschaulich an der Kirche von Turquant. Sanft aber stetig bergauf führt uns der Weg aus dem Tal heraus auf die Hügelketten. Plötzlich öffnet sich die Landschaft und wir stehen inmitten der idyllischen Weinberge.

Wir halten Ausschau nach den sogenannten Vignes passe-murailles – Reben, die sich scheinbar unaufhaltsam ihren Weg durch und über die alten Steinmauern bahnen. Auf einem Schild wird erklärt, dass die Weinbauern früher diese Anbaumethode nutzten. Damit waren die Wurzeln der Reben im kühlen Norden, die Früchte drängten in den sonnigen Süden und wurden gleichzeitig vom Tuffstein mit einem speziellen Geschmack aromatisiert.

Wie ich vorgestern schon schrieb, hat sich Turquant als Village des Métiers d’Art, Dorf der Kunsthandwerker, einen Namen gemacht. Bildhauer, Schmuckdesigner und andere Kunsthandwerker haben ihre Ateliers und Werkstätten direkt in die kühlen, tiefen Felsgalerien geschlagen. Auch diese Gegend passieren wir auf unserer Tour. Doch meine Hoffnung, dass am heutigen Sonntag trotz Nachsaison die eine oder andere Künstlerin ihr Atelier öffnet, erfüllt sich leider nicht. Es ist genau wie vorgestern alles zu.

Ein Stück weiter lernen wir noch etwas über die Welt der „Perreyeux“, der Steinbrecher. Jahrhundertelang gruben sie kilometerlange Gänge in die Hügel, um den hellen Tuffstein abzubauen, aus dem die berühmten Loire-Schlösser errichtet wurden. Was zurückblieb, war ein unterirdisches Labyrinth, das den Menschen später als Wohnraum diente – ein faszinierender Anblick für uns. Mit Hammer, Meißel, Säge und Wasser gelang es ihnen, die Steinblöcke herauszulösen.

Der Rundweg „Un tendre cœur de pierre“ macht seinem Namen alle Ehre. Er zeigt uns auf interessante Weise, wie weich und formbar der Tuffstein für die Menschen dieser Region war und wie harmonisch sich Natur, Weinbau und Architektur hier miteinander verbinden.
Aber nun auf die Räder, fertig, los: jetzt geht es nach Saumur.

Auch hier starten wir unsere Besichtigungstour mit dem Schloss, das majestätisch auf einem Felsen über dem Fluss thront und das schönste Postkartenmotiv der Stadt bietet. Wir erklimmen den Schlosshügel und werden belohnt mit einem spektakulären Panorama über die Dächer der Altstadt und das Band der Loire.


Dann rollen wir bergab in die Altstadt. Auch hier sind die Häuser aus dem typischen Tuffeau (Kalkstein) gebaut, was der Stadt ihren unverwechselbaren, hellen Glanz verleiht und einen eindrucksvollen Kontrast zu den schwarzen Schindeldächern bietet.

Was wir nicht bedacht haben: heute ist Sonntag und dementsprechend wenig ist in den Gassen der Altstadt los. Alle Geschäfte zu, kaum Leute. Gern hätte ich noch die Fouées probiert. Das sind kleine, luftige Teigtaschen, die frisch und glühend heiß aus dem Holzofen kommen. Man reißt sie in der Mitte auf und füllt sie mit regionalen Köstlichkeiten wie Rillettes (Brotaufstrich aus Schweinefleisch), Ziegenkäse oder warmen Bohnen. Ich schaue hier auf die Speisekarte einer Brasserie, dort aufs Menü eines Restaurants und frage schließlich einen Kellner. Der schüttelt bedauernd den Kopf. „Fouées bekommen Sie am Sonntag kaum irgendwo. Hier in der Nähe jedenfalls nicht“. Schade. Auch, dass ich keinen Winzer finde, der am Sonntagnachmittag geöffnet hat und mich den berühmten Schaumwein probieren lässt. Der soll dem Champagner im Geschmack nicht nachstehen, aber preislich in einer viel freundlicheren Liga spielen. Da muss ich morgen noch mal schauen…

Ach, wisst Ihr was? Da fahren wir jetzt einfach zurück zum Camper, lehnen uns zurück, lesen, greifen zu dem türkischen Rotwein, den wir noch von der letzten Reise im Bus haben, und beschäftigen uns mit unserer Route für die nächsten Tage.




































































































