Heute zieht es uns zurück in die Berge. Über sechs Stunden wird die Fahrt von Batumi nach Mestia im Norden Georgiens dauern, berühmt für seine mittelalterlichen Wehrtürme, die zum Weltkulturerbe zählen.
Es gibt eine nette Geschichte über die Entstehung Georgiens: Als Gott die Welt unter den einzelnen Völkern verteilte, kamen die Georgier zu spät. Zuerst war Gott sauer, aber der Charme und die Freundlichkeit der Georgier freuten ihn so sehr, dass er ihnen das Land überließ, welches er eigentlich für sich selbst vorgesehen hatte.
Das wollen wir uns die nächsten Tage mal anschauen. Los geht es ziemlich grau: starker Regen, fünf Grad.
Achim findet eine Abkürzung zur Umgehungsstraße von Batumi, so dass wir nur wenig vom vormittäglichen Stau mitbekommen und schon nach einer knappen halben Stunde gemütlich dahin rollen. Bereits gestern in der Stadt fiel uns die mediterran anmutende Vegetation auf: Zitronen- und Orangenbäume, Palmen, Gummibäume. Wir sind auf demselben Breitengrad wie Rom.
Bald schon ist linkerhand wieder das Schwarze Meer zu sehen und dann dauert es nicht mehr lange, bis wir am Horizont die schneebedeckten Kuppen des Großen Kaukasus entdecken.
Am Straßenrand vor der Stadt Poti fällt uns eine große Skulptur auf. Es gibt keine Erklärung, aber Google lens hilft weiter: Es ist das „Denkmal für die heldenhaften Segler“, all diejenigen, die im Zweiten Weltkrieg ihr Leben ließen. Georgien spielte im Zweiten Weltkrieg eine bedeutende Rolle als Teil der Sowjetunion, primär durch die Bereitstellung von rund 700.000 Soldaten für die Rote Armee, von denen etwa 350.000 fielen. Als wichtige Versorgungsbasis lieferte die Region kriegswichtige Ressourcen wie Mangan, welches hauptsächlich in der Stahlindustrie verwendet wird, um Stahl härter, widerstandsfähiger und korrosionsbeständiger zu machen.

Immer wieder grasen Schweine und Kühe am Straßenrand, Hunde sonnen sich mitten auf der Straße. Wir passieren langgezogene Ortschaften, einfache Häuser auf beiden Seiten, mal ein Kirchlein oder ein Friedhof. Alles ist schon üppig grün, manchmal entdecke ich einen großen gepflegten Garten.



Nur eine Gelegenheit zum Kaffee trinken finden wir nicht. Ob das daran liegt, dass wir nicht wissen, wie „Café“ auf Georgisch gemalt wird? Nein, nein, das wissen wir:

Ich überlege gerade, was die Bordküche für ein Mittagessen bereit hält, als wir doch noch ein eindeutiges Schild mit Messer und Gabel am Straßenrand sehen. Vor dem Lokal stehen zwei Fahrzeuge mit EU-Emblem. Ein Paar winkt uns her und erklärt uns auf Englisch, dass man hier bestens essen könne. „Wir sind fast jeden Mittag hier.“

Wir hatten vorher schon ein Hinweisschild fürs „EUMM-Headquarter“ im nahegelegenen Zugdidi gesehen und uns gefragt, was dort wohl gemacht wird. Das fragt Achim sie nun. „Wir sind hier, um zu überprüfen, ob an der Grenze zu Abchasien die getroffenen Vereinbarungen eingehalten werden und sollen dazu beitragen, den Frieden in der Region zu erhalten“ , erklären uns die beiden. In Georgien gibt es zwei Regionen, Abchasien und Südossetien, die nicht der georgischen Regierung unterliegen, sich als autonome Republiken bezeichnen und von Russland unterstützt werden.
Wir kommen den Bergen nun immer näher. Es ist halb vier und unser Tagesziel Mestia noch zwei Autostunden entfernt. Seit geraumer Zeit scheint die Sonne und das Thermometer ist auf 15 Grad geklettert.

Bald sind wir drin in den Bergen, noch innerhalb der Baumgrenze. Es gibt riesige Wälder und im Hintergrund spitzen die Berge des Großen Kaukasus heraus.

Die Straße windet sich durch die Berge, am Fluss entlang, wir bleiben lange auf knapp 600 Höhenmetern. Statt Hunden liegen jetzt Steine und kleinere Felsbrocken auf dem Weg und blockieren schon mal eine Hälfte der Straße Die Schlaglöcher mehren sich, kleine Wasserfälle ergießen sich neben uns in die Tiefe. Hier und da fehlt der Asphalt und wir rumpeln vorsichtig über die Piste. Nur vereinzelt sehen wir kleine Dörfer am gegenüberliegenden Hang. Die Tunnel sind finster, Schlaglöcher nur schwer zu sehen. Der Fluss unterwegs ist braun und brodelig. Verkehr ist so gut wie keiner. Wir fahren mit 14 bis 40 kmh.

Große Teile der Strecke werden wir übermorgen wieder zurückfahren müssen. Für unsere Fahrzeuge ist die Straße nach Mestia nämlich eine Sackgasse. Nõrdlich des Ortes ist Russland, rings herum Gebirge. Wir finden es beide etwas aufregend, hier zu fahren. Es fühlt sich so richtig weit weg von zu Hause an.


Kurz vor dem Ziel sehen wir die ersten mittelalterlichen Wehrtürme, für die Swanetien so berühmt ist.

Um 19. 30 Uhr erreichen wir endlich Mestia, Weltkulturerbe, auf 1500 Meter Höhe. Statt der vom Navi nach dem Mittagessen anvisierten zwei Stunden haben wir ganze dreieinhalb gebraucht.
Als Belohnung für die anstrengende Fahrt gibt es von Angelina handgemachte Khinkali, mit Hackfleisch gefüllte Teigtaschen.




















































































































