Immer weiter geht es nach Osten, die Gegend in Ungarn ist geprägt von Landwirtschaft und Dörfern. Wir sind auf Nebenstraßen unterwegs, die uns mit 90 kmh weiterbringen. „Fahren Sie 40 Kilometer“, erst dann biegen wir mal wieder irgendwohin ab. Storchennester, blühende Obstbäume.


Wir nutzen die Zeit, um ein bisschen Ungarisch zu lernen: „Házi Szalámi“ bedeutet „Hausgemachte Salami“, „Magyar Falu Program“ ist ein Programm à la „Mein Dorf soll schöner werden“ und „Urhibak“ bezeichnet Straßenverwerfungen, das kommt hier öfter vor.

Kurz vor der rumänischen Grenze halten wir für eine Mittagspause. Die Sonne scheint und wir machen einen kleinen Spaziergang. Dann verputzen wir die Gemüsesuppe von gestern, denn heute Abend werden wir essen gehen. Unser Tagesziel ist Timișoara, die drittgrößte Stadt in Rumänien. 2023 war sie Europäische Kulturhauptstadt.
Zu Rumänien habe ich ein besonderes Verhältnis. Wir waren hier vor einigen Jahren mit den Motorrädern unterwegs, in den Karpaten, bei den moldawischen Klöstern und im Donaudelta. Danach habe ich des öfteren meinen Bruder in Constanța am Schwarzen Meer besucht und dort an meinem (nicht veröffentlichten) Krimi „Konstanza Blues“ gearbeitet und auch seine Fertigstellung gefeiert. Ich freue mich, wieder einmal hier zu sein, wenn auch nur kurz.
Von unserem zentral gelegenen Stellplatz bei super netten Privatleuten aus laufen wir in etwa 20 Minuten am Fluss Bega entlang ins Zentrum. Es ist schon nach Sechs und wir müssen uns sputen noch ein paar Sehenswürdigkeiten bei Tageslicht zu sehen.
Als erstes kommen wir zur rumänisch-orthodoxen Kathedrale der Heiligen drei Hierarchen.

Hier beginnt die bekannteste Flaniermeile der Stadt, die die Kirche mit dem Opernhaus am anderen Ende des Boulevards verbindet. Stylische Bänke säumen den Weg.


Timișoara wurde 1989 als erster Ort in Rumänien zu einer freien Stadt erklärt – und zwar am Piața Victoriei. Der Siegesplatz gilt mit seinen prächtigen Gebäuden wie der Oper als der schönste Platz der Stadt.

Ein paar Gehminuten später kommen wir zum Platz der Freiheit (Piața Libertății). Er ist das politische Zentrum von Timișoara. Hier hatten sich während der rumänischen Revolution im Jahr 1989 zigtausend Menschen versammelt, um gegen das kommunistische Regime zu protestieren.

Der Platz der Vereinigung (Piața Unirii) gilt als einer der schönsten Plätze Rumäniens und bildet das historische Zentrum der Stadt. Umgeben von farbenfrohen historischen Gebäuden im Barockstil, weshalb die Stadt auch gerne mal als „Klein-Wien“ bezeichnet wird, der katholischen Domkirche und der serbisch-orthodoxen Kathedrale, spiegelt der Platz das multikulturelle Erbe von Timișoara eindrucksvoll wider. Seinen Namen verdankt der älteste Platz der Stadt der Vereinigung von Rumänen, Serben und Ungarn in der Region – ein Symbol des friedlichen Zusammenlebens.

Es wird dunkel und auch merklich kühler. Zeit, sich ein Restaurant zu suchen. Mit Hilfe einer jungen Frau finden wir ein Kellerlokal neben der Oper. Es gibt, was das Herz (und die Erinnerung) begehrt: Mamaliga cu brinza ci smentana (Polenta mit Sauerrahm und geriebenem Bergkäse zur Vorspeise) – unvergesslich verbunden mit einer Nacht in den Karpaten vor vielen Jahren.

Sowie Krautwickel bzw. Gulasch zur Hauptspeise, einfache traditionelle Gerichte.

Zu guter Letzt brauchen wir noch zwei Tuica, Pflaumenschnäpse. Wie es sich hier gehört.


































































































