Archiv der Kategorie: Radtouren

Den Blick nach oben: von Roding nach Regensburg

Wer um Zehn ins Bett geht, kann um Sechs aufstehen. So können wir die kühle Morgenluft ausnutzen und sitzen schon um Acht auf den Rädern. Für heute sind 37 Grad angesagt und bis Regensburg sind es 60 Kilometer. Aber erstmal genießen wir die frischen 19 Grad.

Wieder lässt der erste Anstieg nicht lange auf sich warten. Es geht hoch zum Wallfahrtskirchlein Heilbrünnl, das wir von der Brücke aus schon bewundert hatten, und weiter den Berg hoch. Oben werden wir mit einer schönen Aussicht belohnt.

Ausgleichende Gerechtigkeit: was ich beim Hochfahren oben auf Achim warten muss, muss er unten beim Runterfahren auf mich warten. Bei 15 Prozent ziehe ich die Bremsen.

Mal radeln wir rechts, mal links des Flusses durch Weiler, Wiesen und Wälder. Stehen bleiben geht nur noch im Schatten. Die 30 Grad-Marke knacken wir um Viertel nach Zehn nach 25  Kilometern. Da sind wir in Nittenau und gönnen uns eine Pause im Stadtcafé. Statt Achims Kuchenteller (und meiner Eistüte) zeige ich Euch lieber den Stadtbrunnen mit der Kirche Mariä Geburt.

Auf dem nächsten Streckenabschnitt müssen wir oft nach oben gucken. Die Oberpfalz ist berühmt für ihre bewegte Geschichte. Zahlreiche Burgen und kleine Schlösser sind Zeitzeugen vergangener Epochen. Immer mit dem Blick nach oben gerichtet entdecken wir rechts und links des Flusses zahlreiche Gemäuer.

Mittags entdeckt Achim eine Badestelle. Unsere Rettung! Nichts wie rein in die Fluten und ein paar Grad abkühlen. Wunderbar!

Als wir um 17 Uhr Regensburg erreichen, habe ich eine Ahnung davon, wie sich ein Grillhendl fühlen muss. Nur kann dies nicht in den Fluss springen und danach wieder quicklebendig sein. Diesmal ist der Fluss die Donau, in den der Regen hier in Regensburg mündet.

Damit ist der Endpunkt des Regentalradwegs erreicht.

Eigentlich hatten wir vor, morgen noch an der Donau bis Straubing zu radeln und von dort an der Laaber zum Bahnhof in Plattling. Angesichts des extremen Wetters beschließen wir, uns morgen in Regensburg in den Zug nach Hause zu setzen. Schade, aber sicherlich gesünder.

Entspannt am Fluss entlang: von Viechtach nach Roding

„Ihr seid so cool Ihr beiden!“, begeistert sich unsere Nachbarin auf dem Campingplatz. So ein Kompliment freut einen natürlich, andererseits finde ich es ein wenig unverdient. Denn wir machen ja nur das, was wir immer schon gemacht haben.

Wir haben sehr gut geschlafen in unserem Zelt, das uns schon seit zig Jahren begleitet und das Rein- und Rauskrabbeln funktioniert auch noch – der täglichen Morgengymnastik mit Youtuberin Gabi Fastner sei Dank!

Gleich nach dem Frühstück eine knackige 12prozentige Steigung ist nicht schön, aber Achim kämpft sich hoch.

Hinter Viechtach wird es dann erstmal gemütlich: auf einem schattigen Waldweg gleiten wir dahin, rechts der Regen, links der Pfahl. Das ist ein 150 Kilometer langer und etwa vier bis zehn Meter hoher Felszug. Das Naturschutzgebiet um den Großen Pfahl, ausgezeichnet als Bayerns Geotop Nr. 1, bietet eine einmalige Flora, Fauna und Wanderwege, die wir heute aber links liegen lassen.

Das Konzerthaus in Blaibach haben wir schon öfters besucht. Heute bleibt es bei einem kurzen Fotostopp.

Die 2000-Einwohner-Gemeinde Blaibach im Landkreis Cham zählt zu den Regionen, die das Land Bayern gezielt finanziell unterstützte, um sie vor dem wirtschaftlichen und demografischen Kollaps zu bewahren. Der Münchner Architekt Peter Haimerl schnürte zusammen mit den Bürgern Blaibachs ein Projektpaket, in dessen Zentrum nicht nur ein Bürgerhaus stand, sondern – auf Anregung des Baritons Thomas E. Bauer – auch das 2014 eröffnete Konzerthaus. Halb in die Erde versunken sind regionale Materialien wie Granitbruchstein und Glas verbaut, die dem Bau eine bodenständige Eleganz verleihen, während seine gekippte Form und geschlitzten Wände die akustischen Anforderungen perfekt erfüllen. Das Konzerthaus hat heute eine überregionale Bedeutung.

Die Dorferneuerung hat gut geklappt, hier gibt es sowohl einen Metzger als auch einen Bäcker, bei denen wir uns für die Brotzeit und den Kaffee eindecken.

Bis Chammünster radeln wir dicht am Fluss entlang. Sonnige und schattige Abschnitte wechseln sich ab. Der Fahrtwind macht die 29 Grad erträglich. Statt in der Kühle des Münsters (den Umweg von zwei mal drei Kilometern sparen wir uns) erfrischen wir uns im Satzdorfer See. Zischschsch macht es, als wir ins Wasser eintauchen.

Ein paar Kilometer weiter finden wir in Cham endlich einen Supermarkt. Uns ist das Wasser ausgegangen.

Die Besichtigung der Stadt verschieben wir auf kühlere Zeiten. Inzwischen haben wir 33 Grad und wir suchen uns lieber eine Bank im Schatten.

Obwohl wir heute nur 55 Kilometer gefahren sind, freuen wir uns, als wir gegen Fünf den Zeltplatz in Roding erreichen. Die letzten Kilometer müssen wir in der prallen Sonne fahren und der heiße Asphalt wirft uns die warme Luft ins Gesicht.

In Roding dürfen wir unser Zelt auf einer Wiese am Wasser aufbauen, die die Stadt für Boot- und RadfahrerInnen zur Verfügung stellt. Man meldet sich in der nahe gelegenen Wirtschaft an, zahlt pro Person 7 Euro und bekommt einen Schlüssel für die Duschen und die Clos. Sogar eine Spüle fürs Campinggeschirr ist da, genauso Steckdosen fürs Laden des E-Bikes und der Handys. Perfekt. Die Wiese ist riesig, zuerst sind wir allein, später kommt noch ein junges Paar mit seinem Kanu dazu.

Dann Warten auf den Sonnenuntergang. Heute sind wir in der Poleposition.

Auf und nieder: Von Bayerisch Eisenstein nach Viechtach

Unsere alljährliche Challenge: eine Woche mit Rad und Zelt unterwegs sein. Da ich ein Pedelec fahre und unsere Etappen lediglich so um die 50, 60 Kilometer lang sein werden, ist die Challenge im Bereich Radfahren für mich nicht so anspruchsvoll. Achim tritt noch alles selber, ein paar Steigungen wird er zu überwinden haben.

Der Regentalradweg liegt zwischen Bayerisch Eisenstein und Regensburg und ist 166 Kilometer lang. Er soll meist am Fluss entlang, auf gut ausgebauten Radwegen und wenig befahrenen Nebenstrecken führen.

Wir packen die Räder auf unseren Camper und freuen uns, dass unser Sohn uns damit nach Bayerisch Eisenstein chauffiert (und das Auto wieder nach Hause bringt). Gegen Elf erreichen wir den Ort an der Grenze zu Böhmen (die Quelle des Regen liegt in der tschechischen Gemeinde Železná Ruda). Wir beladen die Räder mit unseren Fahrradtaschen und parken erstmal vor dem Grenzbahnhof mit Bahnmuseum.

In den Kunsträumen Grenzenlos wird derzeit die Sonderausstellung Verborgene Horizonte. Zeitgenössische Kunst aus Georgien gezeigt. Wie schön. Unsere Reise dorthin liegt ja gerade mal ein Vierteljahr zurück.

Die Ausstellung bietet laut Internet „einen Einblick in eine dynamische Szene, in eine Kunst, die tief in der georgischen Kultur verwurzelt ist und zugleich einen offenen Blick auf die Gegenwart richtet.“ Zu unserer großen Enttäuschung können wir uns nicht selbst ein Bild von den Bildern machen – die Ausstellung ist montags und dienstags geschlossen.

Den Regen sehen wir das erste Mal nach zehn Kilometern. Bis dahin macht er dem Namen des Radwegs alle Ehre und fließt unter uns im Tal.

Der Untergrund des Radwegs ist auf den ersten Kilometern nicht der beste. Bei lockerem Kiesel droht Ausrutschgefahr. Kurz vor Zwiesel verpassen wir den Abzweig in den Wald und landen stattdessen auf dem asphaltierten Radweg neben der Bundesstraße. Das ist zwar nicht so schön, aber plötzlich haben wir Flügel, so schnell sausen wir jetzt.

In Zwiesel dann die erste Pause. Im Biergarten bei angenehmen 21 Grad.

Danach geht es im Auf und Ab, zumeist auf glattem Asphalt, weiter durch den Nationalpark Richtung Regen. Spoiler: am Ende des Tages hat Achim 750 Höhenmeter erstrampelt. Ich habe mir an den steilen Stellen von meinem Turbo-Modus helfen lassen.

Der Kurpark lockt uns mit seiner Freiluft-Skulpturensammlung: Die Flötenspielerin und Der seltsame Fisch zum Beispiel.

Auf dem hübschen Stadtplatz von Regen warten schon Kaffee und Kuchen auf uns.

Puh, jetzt wird es richtig heftig. Kurze steile Anstiege wechseln sich mit langezogenen, zähen ab. Gut, dass es zwischendurch immer mal wieder rasante Abfahrten gibt.

Sieben Kilometer vor unserem anvisierten Campingplatz läuft mein Akku leer, OBWOHL ich zumeist Eko, ab und zu Tour und nur, wenn ich es sonst nicht mehr geschafft hätte, Turbo gefahren bin. Nach 50 Kilometern! Oh je. Aber Achims Akku ist auch leer. Das Auf und Nieder war zu heftig. Aber wir haben Glück: von den verbleibenden sieben Kilometern können wir sechs auf einer ehemaligen Bahntrasse leicht abschüssig dahin rollen, fast ohne in die Pedale zu treten. Zum krönenden Abschluss allerdings machen wir den Fehler, uns auf eine vermeintliche Abkürzung einzulassen.

Die Schiebestrecke über einen holprigen Waldweg endet vor einem Steilhang. Umkehren oder die Räder hochhieven? Gepäck ab und zu zweit hochschieben.

Danach sind es nur noch 500 Meter bis zum Campingplatz Schnitzmühle. Wir bauen unser Zelt am Ufer des Regen auf, schmieren uns Brote, machen uns ein Bier auf und gucken aufs Wasser.

Verliebt, verlobt, verheiratet – Weserradweg, Tag 4

Vom Kanuclub Rinteln bis zur Porta Westfalica sind es 32 Flusskilometer. Wir lassen keine Windung aus. Und derer gibt es viele.

Hier thront das monumentale Kaiser-Wilhelm-Denkmal über der Weser und markiert den Übergang vom Weserbergland in die norddeutsche Tiefebene.

Hier im Freilichttheater haben wir uns vor 42 Jahren verlobt. Schön, wieder da zu sein und schön feststellen zu dürfen: Das haben wir richtig gemacht!

Wenig später kommen wir in Minden zum größten doppelten Wasserstraßenkreuz der Welt, das mit Schiffen befahren werden kann.


Der Mittellandkanal wird hier in fast 400 Meter langen Trogbrücken über die Weser geführt. Sie  befinden sich ca.13 Meter über der Weser. Die alte Kanalbrücke wurde zwischen 1911 bis 1914 gebaut, im Jahr 1998 kam noch eine zweite für die größeren Frachtschiff hinzu.

Mithilfe der Weserschleuse können sich die Schiffe von der Weser in den Kanal hieven lassen.

Weiter geht es über die Westfälische Mühlenstraße durch die nun ganz ebene Flusslandschaft.

Leider nur noch knappe 50 Kilometer, denn unser Zeltplatz in Stolzenau markiert zugleich unseren Endpunkt auf dem Weserradweg. Morgen biegen wir ab Richtung Südosten, um etwa 60 Kilometer nach Hannover zu fahren. Von dort aus geht es mit dem Zug nach Hause.

Fazit: von uns bekommt der Weserradweg eine 1 mit ****.  Sehr gut ausgeschildert führt er großenteils am Wasser entlang durch reizvolle Landschaft und interessante Ortschaften. Die Infrastruktur für Radreisende, egal ob sie zelten oder in Pensionen oder Hotels übernachten, ist perfekt. Ganz große Empfehlung! Zumindest für die 300 Kilometer, die wir gefahren sind.

Lügengeschichten und andere Legenden – Weserradweg, Tag 3

Münchhausen reitet auf einer Kanonenkugel über eine belagerte Stadt, inspiziert die feindlichen Stellungen und steigt kurzerhand auf eine in die Gegenrichtung fliegende Kugel um.

Münchhausen zieht sich samt Pferd am eigenen Schopf aus dem Sumpf.

Münchhausen holt sein in den Schnee gefallenes Messer mittels eines gefrorenen Harnstrahls zu sich herauf.

Wir sind in Bodenwerder. Hier wurde Hieronymus Carl Friedrich Freiherr von Münchhausen 1720 geboren.

Die dem Baron zugeschriebenen Erzählungen gehören in die Tradition der Lügengeschichten, die weit in die Literatur des klassischen Altertums und in das frühe orientalische Erzählgut zurückreicht.

Die Stadt ehrt ihren berühmten Sohn durch viele Brunnen, Denkmäler und Namensgebungen.

In der hübschen Fachwerkstadt kommt keiner an Münchhausen vorbei, egal ob er einen Kaffee trinkt oder in die Apotheke geht.

Wenige Kilometer weiter wird uns die Geschichte der diebischen Treidelschiffer aufgetischt, die dem Wirt den Sonntagsbraten stahlen, woraufhin er ihnen beim nächsten Mal seinen alten Kater, geschlachtet, unterjubelte. Der Hajener Bildhauer Jan D. Ehlers hat die Erzählung in Szene gesetzt.

In den Bereich der Lügengeschichten fällt auch die Legende vom sauberen und billigen Atomstrom, an die das Industriedenkmal bei Grohnde erinnert.

Unser Tageskilometerzähler zeigt 40 an, als wir die Stadt Hameln erreichen. Auf dem Weg hierher bläst uns der Nordwind ins Gesicht, aber in einem der zahlreichen Cafés in der Altstadt können wir uns erholen und an die Geschichte vom Rattenfänger von Hameln, eine der bekanntesten deutschen Sagen, denken. Sie wurde in mehr als 30 Sprachen übersetzt. Es wird geschätzt, dass mehr als eine Milliarde Menschen sie kennen. Selbst in fernen Ländern gehört sie häufig zum Schulunterrichtsstoff; besonders in Japan und in den USA ist sie sehr beliebt.

Seit 2014 gehört sie sogar zum immateriellen Kulturerbe. Dabei ist die Sage ja wirklich gruselig: Der von der Stadt um seinen Lohn betrogene Rattenfänger rächt sich, indem er alle Kinder der Stadt mit seinem Flötenspiel aus der Stadt lockt und sie spurlos verschwinden lässt. Sie kehren niemals zurück.

Mir machen in Hameln nicht die Ratten oder deren Fänger sondern die Wespen zu schaffen. Eine von ihnen sticht mir in die Lippe. Zum Glück bin ich nur gegen wortbrüchige Stadtväter, nicht gegen Bienengift allergisch.

Am Abend sind wir beim Kanuclub Rinteln zu Gast. Heute sind wir nicht allein, vier Zelte stehen hier, direkt am Wasser mit Blick auf die Rintelner Kirchtürme.

Wolkig bis heiter – Weserradweg, Tag 2

Der Wetterbericht hatte uns schon vorgewarnt, dass es heute Vormittag regnen würde. Um kurz nach Vier wurde ich das erste Mal wach, als der Wind durch die Baumwipfel tobte und der Regen aufs Zeltdach trommelte. Ich hörte noch das Halbfünf-Läuten, der Regen nieselte nur noch leicht und schläferte mich wieder ein.

Um kurz vor Sieben bin ich wieder wach. Ich habe gut geschlafen, kein Wunder bei der riesigen Luftmatratze, die ich durch die Gegend fahre. Einziges Problem ist die Unterlage für den Kopf, denn zusammengelegte Kleidung ersetzt doch kein vernünftiges Kissen. Aber diese Reise dient ja auch dazu, meine Komfortzone mal für ein paar Tage zu verlassen.

Gerade will ich aufstehen, da fängt es wieder an zu regnen. Na gut, dann bleibe ich noch liegen und lese.

Bei der nächsten Regenpause schäle ich mich aus dem Zelt. Wir sind allein auf dem Platz und dürfen, so der alte Herr, der uns gestern Abend empfangen hat, gern die überdachte Terrasse eines der abwesenden Dauercampers für ein Frühstück im Trockenen benutzen.

Um kurz vor Zehn brechen wir auf. Das Zelt kommt nass in die Packtaschen, das muss heute Nachmittag trocknen. Es regnet gerade nicht, aber vorsichtshalber packe ich mich regenfest ein.

Erster Stopp nach wenigen Kilometern ist die Klosterkirche in Lippoldsberg, ein Muss, wie Freund Michael sagt. Das harmonische, komplett erhaltene romanische Ensemble, in dem über 500 Jahre Benediktinerinnen lebten, beeindruckt auch uns.

Bad Karlshafen, Flusskilometer 45, ist  im Stil des Weserbarock  mit symmetrisch angelegten Straßenzügen in weiten Teilen eindrucksvoll erhalten. Als Hauptbau macht sich, direkt am historischen Hafenbecken gelegen, das ehemalige Pack- und Lagerhaus (heute Rathaus) mit mächtigem Walmdach und zentralem Dachreiter bemerkbar; es wurde 1715 bis 1718 erbaut und diente dem Landgrafen bei Besuchen als repräsentative Unterkunft.

Dann kommt die Sonne raus und es gibt Kaffee und Kuchen bei strahlendem Sonnenschein.

Wir radeln 20 Kilometer weiter bis Höxter, eine weitere farbenfrohe Fachwerkstadt am Fluss.

Jetzt ist es nicht mehr weit zu einem UNESCO-Kulturerbe: Corvey, ein berühmtes Kloster aus dem 9. Jahrhundert mit einem Barockschloss mit großer Bibliothek.

Auch die letzten 27 Kilometer des Tages führen direkt an der Weser entlang, die sich gemütlich durch die Lande schlängelt, gesäumt von Hügeln, Feldern, Wiesen, Pappeln und Weiden, besucht von Kühen, Schafen, Störchen, Reihern und Radfahrenden. Es gibt auch Apfelbäume und Brombeerhecken, wo wir uns ein bisschen mit Vitaminen fürs morgige Frühstück eindecken.

Um zum Zeltplatz zu kommen, müssen wir in Grave die Flussseite wechseln. Eine solarbetriebene Fähre holt uns über.

Und wieder haben wir eine Zeltwiese direkt am Fluss für uns alleine.

Fürs Abendessen und danach gibt es eine Bank mit Tisch. Einen kleinen Plausch mit dem Juniorchef und ein Bierchen. Das haben wir uns nach 78 Kilometern auch verdient, vor allem Achim, der immer noch ohne Unterstützung fährt.

Wo Werra sich und Fulda küssen – Weserradweg, Tag 1

„Wo Werra sich und Fulda küssen,

sie ihren Namen büßen müssen,

und hier entsteht durch diesen Kuss,

deutsch bis zum Meer, der Weserfluss.“

So steht es, leicht nationalbewusst, geschrieben auf dem Weserstein in Hannoversch-Münden (Landkreis Göttingen). Seit 1899 liegt er auf der Flussinsel Tanzwerder und wir tun das, was man hier so macht als Auftakt zu unserer fünftägigen Radtour entlang der Weser.

In fünf Tagen werden wir es nicht bis zur Mündung des Flusses in die Nordsee schaffen, aber mehr Zeit haben wir gerade leider nicht.

Wie zuletzt vor zwei Jahren sind wir wieder mit dem Zelt unterwegs. „So lange wir es schaffen, wollen wir das noch machen“, haben wir damals gesagt.

Erste Station ist natürlich Hannoversch-Münden selbst, die Drei-Flüsse-Stadt mit den vielen Fachwerkhäusern, von der der große Forscher und Reisende Alexander von Humboldt gesagt haben soll, sie zähle zu den sieben schönst gelegenen Städten der Welt. Schriftlich überliefert ist dieses Zitat allerdings nicht.

Der 506 Kilometer lange Weser-Radweg zählt zu den beliebtesten Radwegen Deutschlands und hat es in der ADFC-Radreiseanalyse 2022 auf Platz 1 des Rankings geschafft. Die Route folgt der Weser vom Weserbergland bis an die Nordsee und kommt ohne größere Steigungen aus, weshalb das Radeln ohne Anstrengungen möglich ist. Auf insgesamt acht Etappen führt der Weser-Radweg an Weserauen entlang über sanfte Bergkuppen und durch üppige Täler. Dazwischen locken hübsche Städtchen, alte Schlösser und Klöster zum Bummeln ein.

Auf unserer Anreise von Göttingen nach Hannoversch-Münden (SEHR hügelig) sehen wir noch nichts vom Fluss, aber dann!

Umgeben von den Hügeln des Weserberglandes bleiben wir meist am Wasser, ab und zu verlässt der Radweg aber den Fluss und wir müssen irgendwelche kleinen Hügel erklimmen.

Wir machen eine kurze Pause, um die romanische Kirche der alten Klosteranlage Bursfelde zu besichtigen.

Kaffee und Kuchen gibt es hier heute leider nicht (meine Schwiegereltern waren hier früher öfters zum Sonntagskaffee). Wir müssen noch ein paar Kilometer weiter radeln, bis wir dieses Juwel finden.

Es gibt leckere Waffeln mit Zimteis und Pflaumenkompott, dann nehmen wir die letzten sechs Kilometer in Angriff. Wir landen auf der Campingwiese von Familie Dietrich in Oedelsheim.

Der Weser-Radweg führt direkt am Grundstück vorbei und wir setzen uns auf eine Bank, schauen aufs Wasser und freuen uns, dass es den ganzen Tag endlich mal nicht geregnet hat und es abends um Sieben sogar noch 22 Grad hat.

Auf dem Donauradweg

Vom Zeltplatz sind es 14 Kilometer bis zur Mündung des Lech. Auf dem Bild kommt der Lech von links. Wir machen ein Abschiedsbild und heißen unseren dritten Fluss, die Donau, willkommen. An ihr werden wir die kommenden zwei Tage entlang radeln.

Oft führt der Donauradweg über die Deichkrone, warm, aber mit toller Aussicht. Wenn wir dann vom Fluss weggeleitet werden und in den Wald eintauchen, ist das erfrischend wie ein kühles Bad.

Bald ist Neuburg an der Donau erreicht und ein paar Kilometer weiter eine Brotzeitbank mit Flussblick.

In der zweiten Hälfte der Tagesetappe ist von der Donau nicht mehr viel zu sehen. Wir fahren auf ca. 20 Kilometern durch eines der bedeutendsten Auwaldgebiete an der deutschen Donau. Hier sind Biber und Eisvogel, Gelbbauchunke und  Hirschkäfer sind zuhause. Die Ausweisung als Natura2000-Gebiet ist ein Ausdruck für die Bedeutung dieses Naturschatzes auch auf europäischer Ebene.

Um die Renaturierung der Donau zu unterstützen und die Öffentlichkeit darüber zu informieren, wurde das Auenzentrum Neuburg/Donau gegründet. Es hat seinen Sitz im Jagdschloss Grünau, das mitten in den Donauauen liegt.

Erst in Ingolstadt kommen wir wieder direkt an den Fluss und zelten auf dem Campingplatz am Auwaldsee.

In der Nacht spielt der Himmel vierstimmig Trommel. Aus allen Himmelsrichtungen donnert es, mal piano, mal fortissimo. Wir stehen unter einer Vielzahl von hohen Bäumen und ich male mir abwechselnd aus, dass ein starker Ast abbricht und auf unser Zelt fällt oder aber der Blitz einschlägt. Wo ist das nächste feste Gebäude, in das wir uns bei einem Orkan retten können? Dann fängt es an zu regnen und ich schlafe ein.

Da wir heute nur rund 40 Kilometer bis Bad Gögging auf dem Zettel haben, nehmen wir unterwegs ein paar Geocaches mit.

Um halb drei erreichen wir unseren Zeltplatz bei Bad Gögging. Nichtsmehrtun ist nun angesagt.

Morgen fahren wir über den Abensradweg 80 Kilometer nach Süden Damit schließt sich unser Kreis und wir sind wieder zu Hause.

„Das müssen wir unbedingt wiederholen“, sind wir uns einig. Es gefällt uns sehr, mit so wenig Utensilien auf Reisen zu sein. Ununterbrochen draußen zu sein. Immer wieder Neues zu erleben und sich darauf einstellen zu müssen. Ja, und auch die Herausforderung anzunehmen, die das Schlafen im Zelt und das Sitzen auf dem Boden für uns mit sich bringen.

In zwei Wochen allerdings steigen wir erstmal wieder in unseren Campingbus ein und fahren nach Norddeutschland. Dann geht es auch hier im Blog weiter.

Vom Lech zur Donau

Als ich wach werde, höre ich eine ganze Weile den Regentropfen zu, die auf unser Zelt trommeln. Doch die Wetterapp beruhigt mich: gleich wird es aufhören und der Rest des Tages wieder sonnig bei höchstens 27 Grad. Während Achim noch neben mir schnorchelt, schlüpfe ich in meinen Badeanzug. Um acht gibt es Brötchen, da bleibt noch Zeit, eine große Runde im See zu schwimmen.

Wir folgen für weitere 40 Kilometer dem Lauf des Lech, meistens durch den angenehm kühlen Auwald. In Ellgau finden wir einen Fahrradladen, in dem Achim neue Clicks für seine Radschuhe bekommt. Er hat unterwegs zwei Schrauben verloren. Beim Edeka füllen wir unsere Vorräte auf: Kaffee, Margarine, Schinken. Wir müssen jeden Tag aufs neue einkaufen, weil nicht zu viel in unsere Gepäcktaschen passt. Fürs Abendessen suchen wir uns kleine Steaks und Tomatensalat aus. Wozu habe ich schließlich die kleine Pfanne eingepackt?

Unseren Campingplatz erreichen wir schon um zwei und als erstes trocknen wir unser Zelt. Kaffee kochen, Schwimmen gehen (ja, wir haben schon wieder einen Platz am See) und dann schwingen wir uns wieder auf die Räder und fahren nach Donauwörth.

Die Touristeninfo versorgt uns mit einem Faltblatt über einen kleinen historischen Spaziergang und so laufen wir vom Rathaus über die Reichsstraße („eine der schönsten Straßen Süddeutschlands“) zum Münster „Zu unserer lieben Frau“. Auf der Orgelempore studiert der Kirchenchor gerade eine Messe ein. Ob sie von Egk ist, dem berühmten Komponisten, der nicht nur in jedem zweiten Kreuzworträtsel vorkommt sondern auch aus Donauwörth stammt?

Nach eineinhalb Stunden Stadtbummel gibt es noch ein Eis, dann radeln wir zurück. Ehe wir unsere Steaks braten, gibt es noch ein kleines Backgammonmatch. Auf dem Bild davor sieht es so aus, als ob ich schon wüsste, wer gewinnt.

Auf dem Lechradweg

Der Lechradweg führt uns ins hübsche Landsberg. Kurz bummeln wir durch das mittelalterliche Städtchen, dann zieht es uns wieder an den Fluss. Wir können uns heute viel Zeit lassen. 60 Kilometer liegen vor uns, allermeist völlig eben und bei angenehmen Temperaturen.

Wir trödeln durch die Gegend, halten oft an, um Fotos zu machen, setzen uns auf eine Bank, um Fischer und Vögel zu beobachten.

Meistens führt der Radweg direkt am Wasser entlang, manchmal müssen wir das Ufer verlassen, weil ein Kraftwerk oder eine Halbinsel zu umfahren sind. Dann gleiten wir durch Wiesen und Felder. Gestern wäre das sehr strapaziös gewesen, weil es hier nur wenig Schatten gibt.

Später gibt es dann natürlich das inzwischen schon obligatorische Picknick am Fluss, bei dem wir von blauen Jungfern regelrecht umschwärmt werden. Dabei wird rege für den Nachwuchs gesorgt und mein lieber Mann verblüfft mich einmal mehr mit Spezialwissen.

„Die perfekte Haltung beim Paarungsakt ist die Herzform“, sagt er. Und es scheint tatsächlich so zu sein. Etliche Pärchen haben sich so arrangiert, dass sie herzförmig aneinander kleben.

Nach dem kleinen Exkurs in Biologie erreichen wir bald Augsburg. Die Stadt lassen wir heute mal links liegen. Wir waren schon oft hier. Unser Sohn hat hier studiert. Schön, wie das Leben mit dem Fluss hier zum Alltag gehört. Es wird gegrillt und gejoggt, geradelt und geschwommen, Ball gespielt und Yoga gemacht.

Unser Campingplatz liegt ein wenig außerhalb der Stadt. Die Zeltwiese liegt am Badeteich. Mehr brauch ich nicht.