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Frühstück mit Störchen

Der Hahn schreit, der Kuckuck ruft, nur bei Storchens rührt sich nichts. Dass Störche Langschläfer sind, habe ich nicht gewusst. Ich steige aus dem Bus, um nachzuschauen, was da los ist. Schließlich ist es kurz vor Acht und wir sind umgeben von zig Storchennestern, die gestern Abend alle besetzt waren.

Sind sie auch heute Morgen noch. In manchen hocken Junge und warten geduldig auf ihr Frühstück, beim Nachbarn schnäbelt ein Paar, ganz leise, in den anderen Nestern träumen die Bewohner so vor sich hin. Oder brüten. Immer wieder mal fliegt ein Storch aus dem Nest und macht sich auf die Suche nach etwas Essbarem oder Ersatzteilen fürs Nest.

Auch auf dem Dach des Beobachtungsturms, neben dem wir geschlafen haben, hat es sich eine Familie gemütlich gemacht. Wir machen jetzt erstmal Frühstück. Im Freien natürlich. Die Störche gucken, wir gucken, geredet wird nicht viel, bei uns mehr als bei ihnen. Ganz schön relaxte Bande.

Es ist schon halb Elf, als wir unser Frühstück mit Störchen beenden und ein Stück weiterfahren. Es ist nur ein halbes Stündchen Rumpelpiste, bis wir dort sind, wo der Kızılırmak ins Schwarze Meer fließt. Hier wollen wir heute bleiben und uns einen entspannten Tag machen. Storchens haben es uns vorgemacht.

Wenn wir uns auf Park4Night ein Plätzchen aussuchen, ist es oft so, dass es uns dort gefällt. Es ist aber nicht immer so. Manchmal ist der Platz mit unserem Camper nicht zu erreichen, weil die Straße zu sandig, zu matschig oder zu steil ist. Manchmal erscheint er uns ungeeignet, weil er zu nah an den Hãusern oder einer Straße ist oder wir es dort nicht schön finden. Deshalb sind wir immer sehr gespannt, wenn wir uns dem ausgewählten Platz nähern. Und die Freude ist groß, wenn alles passt oder, so wie heute, es umwerfend schön ist.

Wir sind umgeben von einem kleinen Hafen, dem Fluss und dem Schwarzen Meer, das heute blau ist. Menschen? Keine. Müll? Ja. Ich sammele zwei Plastiktüten voll ein, dann ist es sauber.

Den Rest des Tages sitzen wir vor dem Bus, gehen ein bisschen spazieren, schauen aufs Wasser und die Vögel, lesen und genießen.

Ruhetag ist auch Backtag. Nach dem Spaziergang gibt’s mal wieder Apfelkuchen.

Ansonsten: Programm wie oben.

Spaziergang mit Bűffeln

Mit so einem Ausblick wird man doch gern wach.

Gestern Abend waren die Händler im großen Bazar schon dabei, ihre Waren zu verräumen, als wir um Sieben dort ankamen. Deshalb schauen wir uns heute nach dem Frühstück dort um.

Das Gebäude ist sehr schön, aber das Warenangebot besteht leider ausschließlich aus Billigklamotten. Abgesehen davon sind wir von Amasya sehr begeistert.

Wir weichen jetzt von unserem Westkurs ab und machen einen Schlenker nach Norden Richtung Schwarzes Meer. Der 1355 km lange Kızılırmak ist der längste ausschließlich durch die Türkei fließende Fluss. Er mündet bei Bafra ins Schwarze Meer und bildet dabei ein riesiges Delta, das wir uns heute anschauen möchten.

Das Vogelschutzgebiet im Kızılırmak-Delta ist eines der größten und am besten erhaltenen Feuchtgebiete an der türkischen Schwarzmeerküste.

Es hat eine Vielzahl verschiedener Lebensräume, von Stränden bis zu überfluteten Wäldern, von Sanddünen bis zu Schilfgebieten und von Wattflächen bis zu Sümpfen. Hier brüten  140 Vogelarten und es liegt auf der Zugroute von jährlich über 7 Millionen Vögeln.

Seit 2016 ist das Vogelschutzgebiet auf der Vorschlagsliste für das UNESCO-Weltnaturerbe.

Begrüßt werden wir von ein paar Wasserbüffeln mit ihren Jungen, die hier als Landschaftspfleger dienen, indem sie das Gras kurz und die Lagune frei von Pflanzen halten.

Bald ist die Straße für Autos gesperrt und wir steigen um in den E-Bus, der hier eine eineinhalbstündige Tour durchs Kerngebiet anbietet.

Unterwegs sehen wir einige Vögel wie Wiedehopf, Seidenreiher, Störche, Schilfrohrsänger, Kormorane, Löffler und Sichler.

Auf der Rückfahrt erzählt unser Fahrer einiges über das Delta und weist auf Vögel in der Lagune hin. Leider sind unsere Türkischkenntnisse dafür nicht ausreichend.

Wir machen uns zu Fuß auf den Weg. Es gibt einen Wanderweg von hin und zurück sieben Kilometern.

Zunächst hören wir nur Frösche, dann tun sich Hindernisse vor uns auf…

… die uns dankenswerterweise durchlassen.

Rechts und links von uns hören wir die Büffel grunzen. Ich weiß zwar, dass sie uns nichts tun, aber als ein Koloss unerwartet aus dem Wasser auf den Weg springt und mich direkt anschaut, hab ich das vergessen.

Zur Entspannung höre ich wieder den Fröschen zu.

Immer wieder steigen Reiher auf, die sich durch uns gestört fühlen.

Gegen Ende des Weges sehen wir immer mehr Vögel: Kuhreiher, Seidenreiher, Dommeln, Haubentaucher, Seeschwalben. Hach!

Und unsere Freunde sind auch wieder da.

Für die Nacht steuern wir einen Platz an einem Storchenbeobachtungsturm an. Ringsum sind Nester in den Bäumen und der eine oder andere Bewohner segelt gerade heim. Geklappert wird noch überall. Wie wird das erst morgen Früh sein?