Schlagwort-Archive: Amasya

Spaziergang mit Bűffeln

Mit so einem Ausblick wird man doch gern wach.

Gestern Abend waren die Händler im großen Bazar schon dabei, ihre Waren zu verräumen, als wir um Sieben dort ankamen. Deshalb schauen wir uns heute nach dem Frühstück dort um.

Das Gebäude ist sehr schön, aber das Warenangebot besteht leider ausschließlich aus Billigklamotten. Abgesehen davon sind wir von Amasya sehr begeistert.

Wir weichen jetzt von unserem Westkurs ab und machen einen Schlenker nach Norden Richtung Schwarzes Meer. Der 1355 km lange Kızılırmak ist der längste ausschließlich durch die Türkei fließende Fluss. Er mündet bei Bafra ins Schwarze Meer und bildet dabei ein riesiges Delta, das wir uns heute anschauen möchten.

Das Vogelschutzgebiet im Kızılırmak-Delta ist eines der größten und am besten erhaltenen Feuchtgebiete an der türkischen Schwarzmeerküste.

Es hat eine Vielzahl verschiedener Lebensräume, von Stränden bis zu überfluteten Wäldern, von Sanddünen bis zu Schilfgebieten und von Wattflächen bis zu Sümpfen. Hier brüten  140 Vogelarten und es liegt auf der Zugroute von jährlich über 7 Millionen Vögeln.

Seit 2016 ist das Vogelschutzgebiet auf der Vorschlagsliste für das UNESCO-Weltnaturerbe.

Begrüßt werden wir von ein paar Wasserbüffeln mit ihren Jungen, die hier als Landschaftspfleger dienen, indem sie das Gras kurz und die Lagune frei von Pflanzen halten.

Bald ist die Straße für Autos gesperrt und wir steigen um in den E-Bus, der hier eine eineinhalbstündige Tour durchs Kerngebiet anbietet.

Unterwegs sehen wir einige Vögel wie Wiedehopf, Seidenreiher, Störche, Schilfrohrsänger, Kormorane, Löffler und Sichler.

Auf der Rückfahrt erzählt unser Fahrer einiges über das Delta und weist auf Vögel in der Lagune hin. Leider sind unsere Türkischkenntnisse dafür nicht ausreichend.

Wir machen uns zu Fuß auf den Weg. Es gibt einen Wanderweg von hin und zurück sieben Kilometern.

Zunächst hören wir nur Frösche, dann tun sich Hindernisse vor uns auf…

… die uns dankenswerterweise durchlassen.

Rechts und links von uns hören wir die Büffel grunzen. Ich weiß zwar, dass sie uns nichts tun, aber als ein Koloss unerwartet aus dem Wasser auf den Weg springt und mich direkt anschaut, hab ich das vergessen.

Zur Entspannung höre ich wieder den Fröschen zu.

Immer wieder steigen Reiher auf, die sich durch uns gestört fühlen.

Gegen Ende des Weges sehen wir immer mehr Vögel: Kuhreiher, Seidenreiher, Dommeln, Haubentaucher, Seeschwalben. Hach!

Und unsere Freunde sind auch wieder da.

Für die Nacht steuern wir einen Platz an einem Storchenbeobachtungsturm an. Ringsum sind Nester in den Bäumen und der eine oder andere Bewohner segelt gerade heim. Geklappert wird noch überall. Wie wird das erst morgen Früh sein?

Bei Regen durch die Berge

Es gibt ab und zu Tage, an denen nicht viel passiert. Selten zwar, aber doch. Heute scheint so einer zu sein. Vom Wasserfall bei Girvelik nach Amasya sind es 400 Kilometer. Wir wollen heute mal ein bisschen Strecke machen und Amasya ist ein sehr lohnenswertes Ziel.

Das Wetter verleitet uns dazu, Reisepläne für sonnigere und wärmere Gefilde zu schmieden. Drei Grad und Regen! Irgendwann ist das selbst uns genug. Das geht so weit, dass wir überlegen, unsere für den Herbst geplante Reise nach Finnland und Norwegen gegen eine nach Griechenland zu tauschen. Und wie ist eigentlich das Wetter am Schwarzen Meer? Ach, wenn ich den Reiseradler sehe, der sich gerade im strömenden Regen den Berg hochkämpft, geht es uns doch gut. Wir haben es schließlich warm im Bus und werden nicht nass. Außerdem hört der Regen auch mal wieder auf.

Außer Fahren und Landschaft genießen machen wir am Vormittag nur Camper-Sachen: Abfall entsorgen, Tanken, Clo entleeren, Grauwasser ablassen, Frischwasser an einer Quelle tanken. Das ist hier in der Türkei wie auch in Georgien überall möglich. Alles andere müssen wir uns suchen und ist in der Regel nicht an einem, sondern an verschiedenen Spots zu finden.

Irgendwann sind wir auch wieder versöhnt mit unserer Fahrt durch die Berge, denn es ist einfach schön hier. Immer wieder bieten sich uns neue Anblicke. Außerdem sind wir jetzt tausend Meter tiefer, auf nur noch 700 Meter, und die Temperatur ist auf 14 Grad geklettert.

Auf halber Strecke machen wir Mittagspause in dem kleinen Ort Koyulhisar und bekommen Lahmacun, das wir uns für heute Mittag gewünscht hatten.

Noch 100 Kilometer bis zur Kaffeepause. Die Kuchenauswahl beschränkt sich auf ein einziges Schokocroissant, aber der türkische Kaffee ist perfekt und weckt die Lebensgeister für die Fahrt bis Amasya.

Hierhin fahren wir wegen der Felsengräber, imposante, in den Kalkstein des Berges Harşena gehauene Grabstätten aus dem 3. bis 1. Jh. v. Chr. Sie sind Teil der königlichen Nekropole der Pontischen Könige, wurden 2014 in die UNESCO-Weltkulturerbe-Liste aufgenommen. Und das Beste: von unserem Parkplatz aus haben wir den Logenplatz und können direkt draufschauen.

Es ist 18 Uhr und wir haben noch genügend Zeit, uns die Gräber aus der Nähe anzuschauen. Wir laufen zwei Minuten zum Fluss, überqueren ihn auf einer Fußgängerbrücke und steigen auf Holztreppen hoch zu den Gräbern.

Von hier oben hat man einen großartigen Blick auf die Stadt, die sich dicht an die sie umgebenden Felsen schmiegt.

Der älteste Teil der Stadt liegt unterhalb der Felsengräber jenseits des Flusses und kann viele toprestaurierte Häuser im osmanischen Stil aufweisen.

Müde und hungrig freuen wir uns über ein leckeres Abendessen und fragen uns später im Bus, warum denn wohl die Gräber nachts nicht angestrahlt sind. Das wäre wirklich schön.