Schlagwort-Archive: Nordanatolien

Bei Regen durch die Berge

Es gibt ab und zu Tage, an denen nicht viel passiert. Selten zwar, aber doch. Heute scheint so einer zu sein. Vom Wasserfall bei Girvelik nach Amasya sind es 400 Kilometer. Wir wollen heute mal ein bisschen Strecke machen und Amasya ist ein sehr lohnenswertes Ziel.

Das Wetter verleitet uns dazu, Reisepläne für sonnigere und wärmere Gefilde zu schmieden. Drei Grad und Regen! Irgendwann ist das selbst uns genug. Das geht so weit, dass wir überlegen, unsere für den Herbst geplante Reise nach Finnland und Norwegen gegen eine nach Griechenland zu tauschen. Und wie ist eigentlich das Wetter am Schwarzen Meer? Ach, wenn ich den Reiseradler sehe, der sich gerade im strömenden Regen den Berg hochkämpft, geht es uns doch gut. Wir haben es schließlich warm im Bus und werden nicht nass. Außerdem hört der Regen auch mal wieder auf.

Außer Fahren und Landschaft genießen machen wir am Vormittag nur Camper-Sachen: Abfall entsorgen, Tanken, Clo entleeren, Grauwasser ablassen, Frischwasser an einer Quelle tanken. Das ist hier in der Türkei wie auch in Georgien überall möglich. Alles andere müssen wir uns suchen und ist in der Regel nicht an einem, sondern an verschiedenen Spots zu finden.

Irgendwann sind wir auch wieder versöhnt mit unserer Fahrt durch die Berge, denn es ist einfach schön hier. Immer wieder bieten sich uns neue Anblicke. Außerdem sind wir jetzt tausend Meter tiefer, auf nur noch 700 Meter, und die Temperatur ist auf 14 Grad geklettert.

Auf halber Strecke machen wir Mittagspause in dem kleinen Ort Koyulhisar und bekommen Lahmacun, das wir uns für heute Mittag gewünscht hatten.

Noch 100 Kilometer bis zur Kaffeepause. Die Kuchenauswahl beschränkt sich auf ein einziges Schokocroissant, aber der türkische Kaffee ist perfekt und weckt die Lebensgeister für die Fahrt bis Amasya.

Hierhin fahren wir wegen der Felsengräber, imposante, in den Kalkstein des Berges Harşena gehauene Grabstätten aus dem 3. bis 1. Jh. v. Chr. Sie sind Teil der königlichen Nekropole der Pontischen Könige, wurden 2014 in die UNESCO-Weltkulturerbe-Liste aufgenommen. Und das Beste: von unserem Parkplatz aus haben wir den Logenplatz und können direkt draufschauen.

Es ist 18 Uhr und wir haben noch genügend Zeit, uns die Gräber aus der Nähe anzuschauen. Wir laufen zwei Minuten zum Fluss, überqueren ihn auf einer Fußgängerbrücke und steigen auf Holztreppen hoch zu den Gräbern.

Von hier oben hat man einen großartigen Blick auf die Stadt, die sich dicht an die sie umgebenden Felsen schmiegt.

Der älteste Teil der Stadt liegt unterhalb der Felsengräber jenseits des Flusses und kann viele toprestaurierte Häuser im osmanischen Stil aufweisen.

Müde und hungrig freuen wir uns über ein leckeres Abendessen und fragen uns später im Bus, warum denn wohl die Gräber nachts nicht angestrahlt sind. Das wäre wirklich schön.