Archiv der Kategorie: Regentalradweg

Im Sommer 2026 mit Rad und Zelt

Den Blick nach oben: von Roding nach Regensburg

Wer um Zehn ins Bett geht, kann um Sechs aufstehen. So können wir die kühle Morgenluft ausnutzen und sitzen schon um Acht auf den Rädern. Für heute sind 37 Grad angesagt und bis Regensburg sind es 60 Kilometer. Aber erstmal genießen wir die frischen 19 Grad.

Wieder lässt der erste Anstieg nicht lange auf sich warten. Es geht hoch zum Wallfahrtskirchlein Heilbrünnl, das wir von der Brücke aus schon bewundert hatten, und weiter den Berg hoch. Oben werden wir mit einer schönen Aussicht belohnt.

Ausgleichende Gerechtigkeit: was ich beim Hochfahren oben auf Achim warten muss, muss er unten beim Runterfahren auf mich warten. Bei 15 Prozent ziehe ich die Bremsen.

Mal radeln wir rechts, mal links des Flusses durch Weiler, Wiesen und Wälder. Stehen bleiben geht nur noch im Schatten. Die 30 Grad-Marke knacken wir um Viertel nach Zehn nach 25  Kilometern. Da sind wir in Nittenau und gönnen uns eine Pause im Stadtcafé. Statt Achims Kuchenteller (und meiner Eistüte) zeige ich Euch lieber den Stadtbrunnen mit der Kirche Mariä Geburt.

Auf dem nächsten Streckenabschnitt müssen wir oft nach oben gucken. Die Oberpfalz ist berühmt für ihre bewegte Geschichte. Zahlreiche Burgen und kleine Schlösser sind Zeitzeugen vergangener Epochen. Immer mit dem Blick nach oben gerichtet entdecken wir rechts und links des Flusses zahlreiche Gemäuer.

Mittags entdeckt Achim eine Badestelle. Unsere Rettung! Nichts wie rein in die Fluten und ein paar Grad abkühlen. Wunderbar!

Als wir um 17 Uhr Regensburg erreichen, habe ich eine Ahnung davon, wie sich ein Grillhendl fühlen muss. Nur kann dies nicht in den Fluss springen und danach wieder quicklebendig sein. Diesmal ist der Fluss die Donau, in den der Regen hier in Regensburg mündet.

Damit ist der Endpunkt des Regentalradwegs erreicht.

Eigentlich hatten wir vor, morgen noch an der Donau bis Straubing zu radeln und von dort an der Laaber zum Bahnhof in Plattling. Angesichts des extremen Wetters beschließen wir, uns morgen in Regensburg in den Zug nach Hause zu setzen. Schade, aber sicherlich gesünder.

Entspannt am Fluss entlang: von Viechtach nach Roding

„Ihr seid so cool Ihr beiden!“, begeistert sich unsere Nachbarin auf dem Campingplatz. So ein Kompliment freut einen natürlich, andererseits finde ich es ein wenig unverdient. Denn wir machen ja nur das, was wir immer schon gemacht haben.

Wir haben sehr gut geschlafen in unserem Zelt, das uns schon seit zig Jahren begleitet und das Rein- und Rauskrabbeln funktioniert auch noch – der täglichen Morgengymnastik mit Youtuberin Gabi Fastner sei Dank!

Gleich nach dem Frühstück eine knackige 12prozentige Steigung ist nicht schön, aber Achim kämpft sich hoch.

Hinter Viechtach wird es dann erstmal gemütlich: auf einem schattigen Waldweg gleiten wir dahin, rechts der Regen, links der Pfahl. Das ist ein 150 Kilometer langer und etwa vier bis zehn Meter hoher Felszug. Das Naturschutzgebiet um den Großen Pfahl, ausgezeichnet als Bayerns Geotop Nr. 1, bietet eine einmalige Flora, Fauna und Wanderwege, die wir heute aber links liegen lassen.

Das Konzerthaus in Blaibach haben wir schon öfters besucht. Heute bleibt es bei einem kurzen Fotostopp.

Die 2000-Einwohner-Gemeinde Blaibach im Landkreis Cham zählt zu den Regionen, die das Land Bayern gezielt finanziell unterstützte, um sie vor dem wirtschaftlichen und demografischen Kollaps zu bewahren. Der Münchner Architekt Peter Haimerl schnürte zusammen mit den Bürgern Blaibachs ein Projektpaket, in dessen Zentrum nicht nur ein Bürgerhaus stand, sondern – auf Anregung des Baritons Thomas E. Bauer – auch das 2014 eröffnete Konzerthaus. Halb in die Erde versunken sind regionale Materialien wie Granitbruchstein und Glas verbaut, die dem Bau eine bodenständige Eleganz verleihen, während seine gekippte Form und geschlitzten Wände die akustischen Anforderungen perfekt erfüllen. Das Konzerthaus hat heute eine überregionale Bedeutung.

Die Dorferneuerung hat gut geklappt, hier gibt es sowohl einen Metzger als auch einen Bäcker, bei denen wir uns für die Brotzeit und den Kaffee eindecken.

Bis Chammünster radeln wir dicht am Fluss entlang. Sonnige und schattige Abschnitte wechseln sich ab. Der Fahrtwind macht die 29 Grad erträglich. Statt in der Kühle des Münsters (den Umweg von zwei mal drei Kilometern sparen wir uns) erfrischen wir uns im Satzdorfer See. Zischschsch macht es, als wir ins Wasser eintauchen.

Ein paar Kilometer weiter finden wir in Cham endlich einen Supermarkt. Uns ist das Wasser ausgegangen.

Die Besichtigung der Stadt verschieben wir auf kühlere Zeiten. Inzwischen haben wir 33 Grad und wir suchen uns lieber eine Bank im Schatten.

Obwohl wir heute nur 55 Kilometer gefahren sind, freuen wir uns, als wir gegen Fünf den Zeltplatz in Roding erreichen. Die letzten Kilometer müssen wir in der prallen Sonne fahren und der heiße Asphalt wirft uns die warme Luft ins Gesicht.

In Roding dürfen wir unser Zelt auf einer Wiese am Wasser aufbauen, die die Stadt für Boot- und RadfahrerInnen zur Verfügung stellt. Man meldet sich in der nahe gelegenen Wirtschaft an, zahlt pro Person 7 Euro und bekommt einen Schlüssel für die Duschen und die Clos. Sogar eine Spüle fürs Campinggeschirr ist da, genauso Steckdosen fürs Laden des E-Bikes und der Handys. Perfekt. Die Wiese ist riesig, zuerst sind wir allein, später kommt noch ein junges Paar mit seinem Kanu dazu.

Dann Warten auf den Sonnenuntergang. Heute sind wir in der Poleposition.

Auf und nieder: Von Bayerisch Eisenstein nach Viechtach

Unsere alljährliche Challenge: eine Woche mit Rad und Zelt unterwegs sein. Da ich ein Pedelec fahre und unsere Etappen lediglich so um die 50, 60 Kilometer lang sein werden, ist die Challenge im Bereich Radfahren für mich nicht so anspruchsvoll. Achim tritt noch alles selber, ein paar Steigungen wird er zu überwinden haben.

Der Regentalradweg liegt zwischen Bayerisch Eisenstein und Regensburg und ist 166 Kilometer lang. Er soll meist am Fluss entlang, auf gut ausgebauten Radwegen und wenig befahrenen Nebenstrecken führen.

Wir packen die Räder auf unseren Camper und freuen uns, dass unser Sohn uns damit nach Bayerisch Eisenstein chauffiert (und das Auto wieder nach Hause bringt). Gegen Elf erreichen wir den Ort an der Grenze zu Böhmen (die Quelle des Regen liegt in der tschechischen Gemeinde Železná Ruda). Wir beladen die Räder mit unseren Fahrradtaschen und parken erstmal vor dem Grenzbahnhof mit Bahnmuseum.

In den Kunsträumen Grenzenlos wird derzeit die Sonderausstellung Verborgene Horizonte. Zeitgenössische Kunst aus Georgien gezeigt. Wie schön. Unsere Reise dorthin liegt ja gerade mal ein Vierteljahr zurück.

Die Ausstellung bietet laut Internet „einen Einblick in eine dynamische Szene, in eine Kunst, die tief in der georgischen Kultur verwurzelt ist und zugleich einen offenen Blick auf die Gegenwart richtet.“ Zu unserer großen Enttäuschung können wir uns nicht selbst ein Bild von den Bildern machen – die Ausstellung ist montags und dienstags geschlossen.

Den Regen sehen wir das erste Mal nach zehn Kilometern. Bis dahin macht er dem Namen des Radwegs alle Ehre und fließt unter uns im Tal.

Der Untergrund des Radwegs ist auf den ersten Kilometern nicht der beste. Bei lockerem Kiesel droht Ausrutschgefahr. Kurz vor Zwiesel verpassen wir den Abzweig in den Wald und landen stattdessen auf dem asphaltierten Radweg neben der Bundesstraße. Das ist zwar nicht so schön, aber plötzlich haben wir Flügel, so schnell sausen wir jetzt.

In Zwiesel dann die erste Pause. Im Biergarten bei angenehmen 21 Grad.

Danach geht es im Auf und Ab, zumeist auf glattem Asphalt, weiter durch den Nationalpark Richtung Regen. Spoiler: am Ende des Tages hat Achim 750 Höhenmeter erstrampelt. Ich habe mir an den steilen Stellen von meinem Turbo-Modus helfen lassen.

Der Kurpark lockt uns mit seiner Freiluft-Skulpturensammlung: Die Flötenspielerin und Der seltsame Fisch zum Beispiel.

Auf dem hübschen Stadtplatz von Regen warten schon Kaffee und Kuchen auf uns.

Puh, jetzt wird es richtig heftig. Kurze steile Anstiege wechseln sich mit langezogenen, zähen ab. Gut, dass es zwischendurch immer mal wieder rasante Abfahrten gibt.

Sieben Kilometer vor unserem anvisierten Campingplatz läuft mein Akku leer, OBWOHL ich zumeist Eko, ab und zu Tour und nur, wenn ich es sonst nicht mehr geschafft hätte, Turbo gefahren bin. Nach 50 Kilometern! Oh je. Aber Achims Akku ist auch leer. Das Auf und Nieder war zu heftig. Aber wir haben Glück: von den verbleibenden sieben Kilometern können wir sechs auf einer ehemaligen Bahntrasse leicht abschüssig dahin rollen, fast ohne in die Pedale zu treten. Zum krönenden Abschluss allerdings machen wir den Fehler, uns auf eine vermeintliche Abkürzung einzulassen.

Die Schiebestrecke über einen holprigen Waldweg endet vor einem Steilhang. Umkehren oder die Räder hochhieven? Gepäck ab und zu zweit hochschieben.

Danach sind es nur noch 500 Meter bis zum Campingplatz Schnitzmühle. Wir bauen unser Zelt am Ufer des Regen auf, schmieren uns Brote, machen uns ein Bier auf und gucken aufs Wasser.