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Saus und Braus in Warschau

Was für ein Geschenk! Ein Wochenende in Warschau mit meinem Sohn. So eine Freude.

Um rumzukommen, leihen wir uns Ekektroroller aus. Die gibt es an jeder Ecke und dank Jonas‘ Monats-Abo, das er spontan für 10 Zloty (2,50 Euro) abschließt, zahlen wir jeder einen Euro für 20 Minuten Fahrt. Am Anfang bin ich noch sehr vorsichtig, alles sehr ungewohnt, aber bald sause und brause auch ich mit 20 kmh über die wunderbaren Warschauer Radwege.

Unsere erste Fahrt führt uns zur Weichsel, die die polnische Hauptstadt quert.

In München sind wir um zehn gestartet, eineinhalb Stunden später gelandet, mit dem Uber ins Hotel gefahren, mittlerweile ist es also fast zwei Uhr und wir haben Hunger. Jonas weiß von einem guten polnischen Restaurant, das uns leckere Piroggen serviert.

Obwohl wir danach gut satt sind, locken uns ein paar Häuser weiter die Prezzel, Brezn. Mit Zimt! Hmmmm.

Nicht weit entfernt steht der monumentale Kulturpalast, ein zwischen 1952 und 1955 auf Anordnung Josef Stalins im Baustil des Sozialistischen Klassizismus errichteter 237 Meter hoher Wolkenkratzer.

Wikipedia weiß hierzu eine nette Geschichte: „Am 13. April 1967 trat mit den Rolling Stones, die im Rahmen ihrer Europa-Tournee unterwegs waren, eine der ersten weltbekannten Rockbands hinter dem Eisernen Vorhang auf. Der Auftritt hier unterschied sich von den bisherigen Konzerten der Rolling Stones: 3.000 der 5.000 Karten gingen kostenfrei an Parteifunktionäre und deren Familien und so spielten die Rolling Stones, statt vor kreischenden Teenies, mehrheitlich vor krawattentragenden älteren Herren. Vor dem Palast kam es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Jugendlichen, die zum Konzert wollten.“

Für uns gibt es heute kein Konzert, wohl aber eine Fahrt mit dem Lift ins 30. Stockwerk mit grandiosem Blick auf die Stadt.

Unten warten wieder Roller auf uns, die uns in einer Viertelstunde zurück ins Hotel bringen, ausruhen und wärmere Sachen anziehen.

In Saus und Braus geht es am frühen Abend in die Altstadt. Im zweiten Weltkrieg von den Deutschen zerstört, wurde sie wieder aufgebaut und ist heute UNESCO-Weltkulturerbe. Wir stellen die Roller ab und erkunden sie zu Fuß.

Nach dem Abendessen gibt es an der Weichsel eine Light and Soundshow: im multimedialen Springbrunnenpark heben sich zwischen halb Zehn und Zehn meterhohe bunte Wasserstrahle im Rhythmus der Musik in den Abendhimmel. Hunderte von Einheimischen und Touristen umlagern das Bassin, das anlässlich des 125. Jahrestages der städtischen Wasserwerke angelegt wurde, woran die Bank für William Heerlein Lindley erinnert, der das 1886 eingeweihte Kanalisationsnetz in Warschau entworfen hatte.

Bis zum nächsten Roller ist es nicht weit. Sie haben vorn wie hinten gutes Licht und es ist eine Freude, durchs nächtliche, großzügig illuminierte Warschau zum Hotel zurück zu sausen.