
Die Eingänge zur Metro sind stylisch hier in Warschau. Aber wir lassen sie auch heute Morgen links liegen und greifen auf das bewährte Fortbewegungsmittel von gestern zurück – obwohl Über-70jährige die öffentlichen Verkehrsmittel hier kostenfrei nützen dürfen.

Unser erster Weg nach dem Frühstück führt uns ins Museum für moderne Kunst. Das Wetter ist grau und kühl, das zentrale Thema der Kunst, die wir uns anschauen ebenso: Surrealismus und Antifaschismus. Angesichts der Geschichte finde ich es tröstlich, dass hier im kriegsversehrten Warschau etliche deutsche Maler ausgestellt sind, Hans Arp und Max Ernst beispielsweise.


Auch im Museumscafé lässt uns das Thema nicht los. Was können die Parteien, was können wir tun, um den Neonazismus in Deutschland zu stoppen??

Nachdenklich rollern wir auf die andere Seite der Weichsel, nach Praga. Dieses Stadtviertel hat eine multikulturelle Vergangenheit. Juden, Russen und Polen lebten hier nebeneinander. In den 90ern war Praga das gefährlichste Stadtviertel in Polen, bekannt für die mafiösen Machenschaften und sozialen Probleme, die unlösbar schienen. Im 21. Jahrhundert entwickelt sich Praga zum alternativen Künstlerviertel.




Wir streifen durch die Straßen, entdecken murals, alte und verkommene Häuser, renovierte und interessant hergerichtete Ecken, Kneipen, Bars und Läden. Es gibt Leute, die meinen, was Kreuzberg für Berlin ist, ist Praga für Warschau. Die Authenthizität von Praga stelle ein Gleichgewicht her, sodass das linksseitige Warschau mit seinen Wolkenkratzern und Prachtalleen nicht eine snobistische Überhand gewinnt. Wolle man ein Gesamtbild von Warschau erhalten, müsse man sich unbedingt auch nach Praga begeben.

Am Abend fahren wir zum Marktplatz in der Altstadt. Hier wird heute Abend der Warschauer Jazzsommer eröffnet.

Bereits zum 32. Mal findet das Umsonst-und-draußen-Festival hier statt. Das Christie Dashiell-Quartett startet den zweimonatigen Reigen.

Was für eine Stimme. Was für eine Stimmung.

Mit einer weiteren polnischen Spezialität, Żurek, einer sauren Roggensuppe, die in der Brotschüssel serviert wird, lassen wir den Abend ausklingen.


Im Hotelzimmer schauen wir uns noch an, wie es gewesen wäre, wenn wir gegen die Franzosen gespielt hätten. Mit polnischer Moderation. Sehr interessant.
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