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In den Norden Serbiens

Den ganzen Tag gestern hatten wir keine zündende Idee, wo lang wir heute fahren wollen. Dann, beim Abendessen, war innerhalb weniger Minuten klar, wohin die Reise geht: wir bleiben heute noch in Serbien und erkunden das Land auf kleiner Straße Richtung Norden. Dann fahren wir weiter durch Ungarn nach Slowenien.

Aber zuerst genießen wir unseren Premiumplatz an der Donau. Dies ist übrigens das erste Mal auf dieser Reise, dass wir auf einem Campingplatz stehen. Wir haben ja alles an Bord, was nötig ist, so dass wir gar keinen brauchen. Was wir nicht mit uns führen, ist ein schöner Donaustrand…

Heute zeigt sich die Donau übrigens in schönstem Blau.

Das Kloster Nimnik liegt als erstes auf unserer Route. In Serbien gibt es 212 Klöster, 54 davon wurden auf die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen. Kloster Nimnik gehört nicht dazu. Es liegt in einem Eichenwald, wurde von einem Herzog Bogosav im 14. Jahrhundert erbaut und gehört der serbisch-orthodoxen Kirche. Über die Namensgebung gibt es eine Geschichte:

„Ein Mädchen lebte hier in der Zeit der türkischen Herrschaft. Ein paar Soldaten fragten es nach dem Weg zum Kloster. Das Mädchen wusste, dass die Soldaten nach dem Kloster suchten, um es niederzubrennen. Also schüttelte es mit dem Kopf. Als die Soldaten erneut fragten, wo das Kloster sei, antwortete das Mädchen ‚Niscu nimnik‘ (übersetzt – ‚Ich weiß nicht‘). Die Soldaten antworteten mit Gewalt und töteten das Mädchen“.

Von derlei Grausamkeiten ist heute nichts mehr zu spüren, im Gegenteil, wir werden von einem freundlichen Mönch zur Teilnahme an einer kleinen Andacht eingeladen.

Heute erleben wir eine andere Landschaft als gestern: riesige bestellte Felder, ohne Hecken oder windschutzspendende Wälder.

Auch die Orte nehmen wir anders wahr: viele Häuser sind groß und teilweise pompös gebaut.

In anderen Orten wiederum ist das Bild von breiten Grünstreifen vor den Häusern geprägt, die aber nicht wie in Ungarn oder Rumänien als Kuh- oder Schafweide sondern als Parkplatz genutzt werden.

Wir lesen ein braunes Schild: „Naiv Art Gallery 22 km“. Kurze Überprüfung durch den Beifahrer, ja, das liegt genau auf unserer Route.

Ein sehr gut Englisch sprechender Mitarbeiter erspart uns nicht nur das Eintrittsgeld („Wir hängen gerade um“), sondern gibt uns auch noch eine kurze Einführung. Wir staunen nicht schlecht: Das Jahr 1939 wird als Geburtsjahr für die naive Malerei in Kovačica angesehen, als Martin Palușka und Jan Sokol ohne Ausbildung und ohne Anleitung zu malen begannen. Bald gesellten sich weitere Gleichgesinnte dazu, die Gruppe war jahrzehntelang aktiv, schuf viele Werke und entwickelte sich stetig weiter.

Die Idee zur Gründung einer Galerie entstand und im Mai 1955 wurde in Kovačica die erste Galerie für naive Malerei im gesamten damaligen Jugoslawien eröffnet.

Und wer hat sie nicht alles besucht seither: die Rolling Stones, Pele, Mitterand, Alain Delon, um nur einige zu nennen.

Seit dem 3. Dezember 2024 gehört die naive Malerei aus Serbien, insbesondere die berühmte Naive Kunst von Kovačica, sogar zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Über diese unverhoffte Entdeckung sind wir sehr glücklich.

Am Abend gehen wir abermals auf einen Campingplatz. Diesmal nicht an der Donau sondern an der Theiß, die mit ihren 960 Kilometern der längste Nebenfluss der Donau und der zweitgrößte Fluss Ungarns und Serbiens ist.