
Beim Frühstück machen wir die Tagesplanung. Zwischen Kutaisi und Tblisi (Tiflis) liegt einiges auf der Strecke, das wir uns anschauen wollen. Los geht’s! Ah, doch noch nicht. Die Klappe zum Herausnehmen unseres Clos klemmt und beschäftigt Achim noch ein Stündchen. Dann ist das Problem behoben und wir können starten.
Im kleinen Ort Surami wird das lokale Gebäck Nazuki von Händlerinnen an der Straße angeboten. Es ist wird aus Mehl, Butter, Zucker, Sauerrahm, Hefe, Vanille und Eiern gemacht.

Wir halten an und sogleich wird mir ein Teigballen in die Hand gedrückt mit der Aufforderung, ihn in den Ofen zu kleben. Machbar aber durchaus sportlich.

Als der gesamte innere Rand des Ofens mit Teiglingen bestückt und ein paar Minuten gebacken ist, wird noch mit Zimt gewürztes geklöppeltes Ei mehrfach aufgepinselt, dann ein ordentlicher Löffel Zucker auf die Asche gegeben und ein Deckel auf den Ofen gesetzt. Nach weiteren zwei Minuten ist das leckere Gebäck fertig.

Fünf wandern in unseren Bus, für jeden von uns Vieren eins und das Fünfte für die Sofortverkostung.

In der kleinen Stadt Gori ein paar Minuten weiter östlich kann man ein Stalin-Museum besuchen, er wurde dort geboren, oder ein Kunstmuseum. Wofür wir uns wohl entschieden haben?

Das Art House wurde 2020 von lokalen KünstlerInnen mit Hilfe von privaten und öffentlichen Sponsoren gegründet, um insbesondere die Photographie und die zeitgenössische Kunst Georgiens zu fördern.
Seit dem 28. März hat Mariam Shalamberidze hier eine Einzelausstellung, die sie „Ich“ genannt hat. Ein deutsches Gedicht hängt über dem Eingang:
Meine rote Blume,
Meine liebe Blume,
Wo bist du…? Ich kann dich nicht sehen.
Liebe Blume, liebe Blume,
Lass mir dein Licht herunter.
Die Künstlerin ist anwesend und ich kann sie fragen, woher ihre Beziehung zur deutschen Sprache kommt. Auf Englisch erzählt sie, dass sie von ihrer Großmutter, einer Deutschlehrerin, aufgezogen wurde. Da ihre Oma viel zu Hause unterrichtet habe, sei sie selbst als Kind viel von den Klängen der deutschen Sprache umgeben gewesen.

Die Ausstellung ist zugleich eine Reminiszenz an Mariam Shalamberidzes Großmutter als auch eine Spuren- und Standortsuche der jungen Künstlerin, die an der Kunstakademie in Tblissi studiert hat.

Anwesend waren auch einige der Fotografen, die derzeit im Art House ihre Bilder über das Alltagsleben der Stadt zeigen.


Zurück an den Bussen koche ich Kaffee und wir verspeisen dazu unsere Nazuki, als ein paar giggelnde Mädchen an uns ihr Englisch ausprobieren und um Selfies bitten. Klar, wird gemacht. Nice to meet you!


Der nächste Höhepunkt des Tages wartet wenige Kilometer entfernt auf uns: die Höhlenstadt Uplisziche. Ihr Alter wird auf etwa 3000 Jahre geschätzt. Im Mittelalter sollen hier 20 000 Menschen gelebt haben, die mit den auf der Seidenstraße vorüberziehenden Karawanen Handel betrieben.

Man kann hier wie vor 15 Jahren, als wir das erste Mal mit meinem Bruder hier waren, frei herumklettern und alles erkunden. Was wir ausgiebig tun.


Am Abend finden wir ganz in der Nähe einen idyllischen Platz am Fluss und bekommen Besuch von Pferden, Kälbern und Schafen. Die zählen wir, bis wir einschlafen.


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