Von Irrungen und Wirrungen, Überraschungen und einem der ältesten Kloster Georgiens

Manchmal passiert es mir, dass ich im Halbschlaf Sätze für den Blog formuliere. So auch heute Nacht. Da drängte sich der seltsame Satz in mein Hirn: „Die Hunde klingen als sängen sie das Largo von Händel“. Am Morgen musste ich erstmal recherchieren, ob Händel überhaupt ein Largo geschrieben hat. Hat er. Ja, und die Hunde haben auch gebellt heute Nacht. Viel. Elargiert quasi.

Gelati ist eine mittelalterliche Klosteranlage im Westen Georgiens unweit der Stadt Kutaisi. Es wurde als eines der ersten Klöster in Georgien 1106 von König Dawit  als Kloster- und Bildungszentrum gegründet und zählt heute zu den bedeutendsten Werken georgischer Kunst und zum Weltkulturerbe der UNESCO. Zu Zeiten König Dawids trafen sich hier bedeutende Gelehrte, um zu forschen und zu lehren. Gelati galt als „zweites Jerusalem“ oder „neues Athen“.

Wir brauchen eine gute Stunde, bis wir dort sind – dachten wir. Doch dann kam Kutaissi, für das es offenbar keine Umfahrung gibt und wir werden von unseren diversen Navigationsgeräten in die Altstadt geleitet. Mit ihren engen, kurvigen Gassen, ihren Einbahnstraße und vielen Autos. Egal, wie wir uns drehen und wenden, wir kommen stets am selben Brunnen aus. Den kennen wir jetzt von allen vier Seiten.

Schließlich geben wir entnervt auf und steuern direkt den Ort an, den wir uns für die Übernachtung ausgesucht haben: ein kleines Hotel mit einem hübschen Garten, in dem wir parkieren dürfen. Erstmal Brotzeit machen, erstmal runterkommen.

Das wiederum klappt auch nur bedingt, denn es werden gerade SEHR laute Reparaturarbeiten an einem Gerüst über der Terrasse durchgeführt. Also, fertig machen und los.

Neuer Plan: mit dem Taxi zum Kloster. Kurz vor dem Ziel zeigt uns der Fahrer die Anlage oben am Berg. Oh nein, was ist denn das!? Ich hatte ja im Internet gelesen, dass einem Teil der Anlage der Status „Weltkulturerbe“ wegen schlechter Restaurierung wieder aberkannt worden war. Aber gleich so krass?

Beim Näherkommen entdecken wir zweierlei: zum einen ist die Anlage geschlossen. Adieu, Mosaike, Fresken und Ikonen! Zum anderen ist das Weiße nicht, wie von mir befürchtet, angemalter Beton sondern eine Folie, die auf erneute Restaurierungsarbeiten hinweist. Hoffentlich zur Wiedererlangung des Status „Weltkulturerbe“.

Ach ja, es sind nicht alle Tage gleich. Schauen wir uns halt noch die Stadt Kutaisi an.

Direkt neben dem Brunnen erstreckt sich ein kleiner Park mit Springbrunnen, Bänken und einem Denkmal für die singenden Schwestern Ishkhneli, die in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts eine prägende Rolle für die georgische Volksmusik gespielt haben.

Vorbei an der Oper

und einer Galerie für zeitgenössische georgische Kunst, die wir heute wegen des schönen Wetters leider nicht besuchen,

zu einer Seilbahn, die uns auf einen Hügel mit einem kleinen Vergnügungspark für Kinder bringt.

Von hier gehen wir in Richtung der Kathedrale, die wir schon von unten gesehen haben, vorbei an typischen alten georgischen Häusern mit ihren schmucken Terrassen.

Die Bagrati-Kathedrale aus dem 11. Jahrhundert ist ebenfalls ein Meisterwerk mittelalterlicher Baukunst.

Abends finden wir ein nettes Lokal, lokale Spezialitäten und den typischen Weinbrand Sarajishvili. Na dann: “ Gaumardjos!“


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