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Hallo, Serbien!

Wir sind uns noch nicht ganz schlüssig, welche Route wir für die Heimfahrt weiterhin nehmen. Es gibt so viele Möglichkeiten. Jetzt fahren wir erstmal nach Serbien und schauen uns Niš an. In Serbien waren wir beide noch nie. Eine gute Gelegenheit also, ein neues Land kennenzulernen.

Bis zur Grenze sind es knapp 60 Kilometer. Kurz vorher entdecke ich auf Googlemaps einen Hinweis auf die Dragoman-Sümpfe. Das verleitet uns zu einem Morgenspaziergang.

Wir finden heraus, dass es das größte Karst-Moorgebiet des Landes und ein bedeutendes EuroNatur-Schutzprojekt ist.

Nach einer historischen Trockenlegung ab 1930 wurden die Sümpfe seit den 1990ern erfolgreich renaturiert und sind ein gutes Beispiel für den Natur und Artenschutz in Bulgarien.

Bald danach sind wir an der bulgarisch-serbischen Grenze und hier bekommen wir erstmal etwas geschenkt: eine Stunde. Jetzt sind wir wieder in derselben Zeitzone wie Deutschland. Pass- und Zollkontrollen sind problemlos, wir wechseln unsere übrig gebliebenen türkischen Lira in serbische Dinar und kaufen eine SIM-Karte fürs Handy.

Wir fahren noch ein kurzes Stück über die Autobahn, dann verlassen wir sie, um auf einer Landstraße durch den Sičevo-Canyon weiterzufahren. Das ist eine beeindruckende 17 km lange Schlucht des Flusses Nišava zwischen  steilen Kalksteinfelsen. Wir werden von einem heftigen Gewitter mit starkem Regen und Hagel in Empfang genommen.

14 Tunnel wurden auf dieser Nebenstraße gebaut, die wie die Autobahn nach Niš führt. Weit oberhalb der Straße gibt es eine Aussichtsplattform. Als wir oben ankommen, regnet es noch und der Donner grummelt. Also erstmal Kaffee kochen. Aber dann. Regenjacken an, los.

Die gut erhaltene Festung in Niš, unter der wir parken, ist das Wahrzeichen der Stadt. Sie wurde im 18. Jahrhundert von den Türken erbaut. Heute ist der Innenraum ein herrlicher Park mit Cafés, einem Open Air Theater und einigem mehr. Einmal im Jahr gibt es hier ein Jazzfestival.

Am Eingang zur Kazandžijsko-Straße, der ehemaligen türkischen Handwerker Straße, steht ein ungewöhnliches Denkmal: ein Kneipentisch, zwei Männer bei einem lebhaften Gespräch und ein Jägerhund namens Čapa. Es handelt sich um den serbischen Schriftsteller Stevan Sremac und den Jäger Kalča, einer literarischen Gestalt, welche die Anwesenden mit Geschichten über seine erfundenen Taten bespaßen.


Hier beginnt heute eine Fußgängerzone voller Cafés und Restaurants, die die Fassaden der wenigen noch erhaltenen alten Häuser mit ihren Vorbauten verdecken.

Überhaupt ist das Zentrum von Niš eine Mischung aus Alt und Neu.

Beim Kaffeetrinken haben wir uns überlegt, wie wir von hier aus weiterfahren: nach Westen kommen wir nach Sarajewo, nach Nordwesten nach Belgrad und nach Norden an die Donau, die wir auf der Hinfahrt nur im Regen und Grau erlebt haben. Für morgen ist Sonne angesagt und uns steht auch mehr der Sinn nach Natur als nach Stadt. Damit ist alles klar.

Zwei interessantes Details am Rande:

  • Die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel ist in Niš seit 2025 kostenlos für Alle.
  • Wir kaufen ein paar Flaschen Bier für etwa 70 Cent und zahlen an der Kasse das Doppelte. Die Ladenbesitzerin spricht kein Englisch, wohl aber ein Schulmädchen, das hinter uns an der Kasse ansteht. Sie übersetzt meine Frage nach der Höhe des Pfands und antwortet dann mit „70 Cent“. Da ist die Rückgabe gesichert.

Nach Sofia

Ich liebe türkische Frühstücke – und hatte auf der ganzen Reise noch keins. Was kann man da nicht alles Leckeres bekommen: Sigara Böreği, Weinblätter, Oliven, Tomaten, Gurken, Schafskäse mit Honig, Nüsse, Pekmez, Eier, Simit, Rosinen, Früchte. Wir wollen heute, an unserem letzten Tag in der Türkei auf dieser Reise, ein türkisches Frühstück genießen. Ich bin gespannt, wo wir was finden. Erstmal stadtfein machen, das Duschwasser wird gerade warm gemacht, während ich noch im Bett liege und blogge.

Tja, manchmal unterscheiden sich die Träume von der Realität. Mein Frühstück fiel etwas bescheidener aus, hat uns aber trotzdem Freude gemacht.

Jetzt fahren wir über die Autobahn zur Grenze und verlassen die Türkei. Gern komme ich ein anderes Mal wieder. Es gibt noch vieles, das ich nicht gesehen habe und vieles, das ich noch einmal sehen oder erleben möchte.

Willkommen Bulgarien! Letztes Mal sind wir hier einfach durchgefahren, jetzt möchten wir uns zumindest die Hauptstadt Sofia anschauen.

Die erreichen wir um kurz nach Vier und stellen unseren Bus auf einem zentral gelegenen bewachten Parkplatz ab. Von hier aus können wir die Altstadt zu Fuß erkunden.

Schon nach wenigen Minuten sind wir mitten im Geschehen einer Marktstraße, in der frisches Obst und Gemüse zu sehr günstigen Preisen verkauft werden. Hier kaufen die Einheimischen ein, sie sind aber auch diejenigen, die wir bei unserem weiteren Rundgang treffen. Touristen sind wenige unterwegs.

Die historische Markthalle von 1907 besticht leider nur durch ihr Äußeres. Die früheren Stände sind einem Supermarkt gewichen.

Sofia ist über 7000 Jahre alt und damit eine der ältesten Städte Europas. 500 Jahre war sie Teil des Osmanischen Reiches, was im Stadtbild durch Moscheen Spuren hinterließ, zum Beispiel die Banja-Baschi-Moschee.

Über vier Jahrzehnte Einfluss der Sowjetunion prägten die Stadt durch monumentale stalinistische Architektur wie beim Präsidentenpalast.

Eine Altstadt mit kleinen Häusern und verwinkelten Gassen sucht man hier vergeblich. Aber wir stoßen immer wieder auf schöne ruhige Seitenstraßen.

Auf dem Vitosha-Boulevard gibt es ähnliche Geschäfte wie in allen Fußgängerzonen, aber hier werden auch Spezialitäten wie Banitsa, traditionelle Blätterteigkreationen, angeboten.

Sveta Sofia, die Statue der Heiligen Sofia, steht für Weisheit, Macht und Ruhm.

Das unbestrittene Wahrzeichen von Sofia ist aber die Alexander-Newski-Kathedrale. Die monumentale, bulgarisch-orthodoxe Kathedrale mit ihren charakteristischen goldenen Kuppeln wurde zwischen 1904 und 1912 im neobyzantinischen Stil erbaut und ist eine der größten orthodoxen Kirchen der Welt.

Jetzt sind wir fußlahm und hungrig, finden auf unserem Weg aber kein Lokal. Auch die Händlerinnen auf der Marktstraße haben schon Feierabend gemacht. Aber ein Supermarkt hat noch auf und so gibt es heute Abend mal ganz profan Kartoffelsalat und Würstchen.

Noch 400 Kilometer durch Bulgarien, dann haben wir die Türkei erreicht

Die Donau bildet die Grenze zwischen Rumänien und Bulgarien. Wir wählen die schnellste Route und die Fähre um kurz vor Zwölf.

Heute ist ein reiner Fahrtag. Es sind 550 Kilometer bis Edirne, Türkei. Dazwischen liegen rund 450 Kilometer durch Bulgarien. Zunächst unterscheidet sich die Szenerie nicht groß von der der Nachbarländer, die wir passiert haben: ein Storchennest neben dem anderen, alle besetzt, blühende Büsche und Bäume, kilometerlange Straßendörfer, dazwischen Felder und Wiesen. Einzig die kyrillische Schrift auf den Orts- und Reklameschildern sowie die Europreise an den Tankstellen (1,74 €) anstatt ungarischer Forint und rumänischer Lei  machen einen Unterschied.

Kurz vor der Landeshauptstadt Sofia wird es bergiger. Das Rilagebirge mit teils schneebedeckten Bergen erstreckt sich hier.

Da abzusehen ist, dass wir wieder erst am späten Abend unser Tagesziel erreichen, beschließen wir, am Nachmittag eine ausgiebige Pause zu machen und zu kochen. Grüner Spargel in Sahnesauce auf Linsennudeln (die gibt es beim DM. Sehr zu empfehlen!).

Alain kocht noch Espresso und dann geht’s weiter.

Um Neun erreichen wir die Grenze zur Türkei. Die Formalitäten sind rasch erledigt und dann heißt es: „Hoș geldiniz!“, herzlich willkommen!

Wir stellen uns auf einen Stellplatz in der Nähe der berühmten  Selimiye-Moschee in Edirne und freuen uns darauf, sie morgen zu besichtigen.