Nochmal in die bunten Berge

An dieser Stelle schrieb ich es schon öfters: wir sind Wiederholungstäter. So auch heute. Vor knapp fünf Wochen waren wir bereits in Nallıhan, bei den vielen Kormoranen und den bunten Bergen, heute wollen wir nochmal dort hin. Warum auch nicht? Es liegt (fast) auf der Strecke und es hat uns dort so gut gefallen.

Aber auf dem Weg dorthin finden wir auch noch einiges Interessantes.

Als erstes kommen wir zum dritten Mal auf dieser Reise zu sogenannten Feenkaminen. Diese hier, die Feenkamine von Abacı in der Provinz Ankara, sind genau wie ihre großen Schwestern in Kappadokien oder ihre roten Brüder in Narman durch Regen und Erosion entstanden. Die bizarren Felsformationen werden oft als „Minikappadokien für Touristen“ bezeichnet. Damit müssen inländische gemeint sein, denn ausländische sind – außer in Göreme und Umgebung – in der Bergregion, die sich mitten durchs Land von West nach Ost erstreckt, kaum anzutreffen. Andere Camper können wir an einer Hand abzählen.

Das Gelände ist gut angelegt: kleine hölzerne Picknickpavillons, zwei Aussichtstürme und eine schmale Steintreppe, auf der man nach oben wandern kann. Auf Trampelpfaden kann man durch die Kamine gehen und sich einen Rückweg suchen.

Das nächste Mal halten wir 40 Kilometer weiter, um uns die Höhlen von İnönü anzuschauen. Sie wurden am Ufer des Kirmir-Flusses südlich von Ankara in den Berghang gehauen und sind ebenfalls über Treppen erreichbar. Ähnlich den Höhlen in Kappadokien wirken die İnönü-Höhlen mit ihrer zentralen Kirche wie eine kleine Dorfgemeinschaft.

Es wird vermutet, dass sie bereits während der Hethiterzeit um 2000 vor unserer Zeitrechnung genutzt wurden.

Über eine steile Abfahrt gelangen wir auf den Parkplatz, der gesäumt ist von Pavillons, die großenteils von Familien, die grillen oder picknicken, besetzt sind. Manche angeln auch im Fluss und braten die Fische gleich an Ort und Stelle. Auch wir wollen erstmal etwas essen und bereiten ein Berberomelette zu.

Gestärkt ziehen wir los. Mal schauen, wie weit wir kommen.

Ziemlich weit, der Weg ist ganz gut herausgearbeitet und ein Metallseil bietet zusätzlichen Halt.

Bis Nallıhan sind es nur 67 Kilometer. Da ist noch Zeit für einen Kaffee im nächsten Ort. Ein Café gibt es nicht, wohl aber eine Teestube, in die uns ein freundlicher Einwohner führt, obwohl hier sonst nur Männer sitzen und Rummy Cup oder Tavla spielen. Hier bekommen wir zwei türkische Mokka und noch ein paar Sightseeing-Tips für die nähere Umgebung.

Jetzt aber mal weiter zu den bunten Bergen!

Sie sind, natürlich, noch da, genauso wie die Kormorane.

Doch sonst ist einiges anders als vor ein paar Wochen. Heute sind Menschen da! Damals waren wir die einzigen Besucher. Vor allem aber gibt es mittlerweile die angekündigte Gastronomie. Tische und Stühle sind auf der Aussichtsterrasse unter großen Sonnenschirmen platziert, eine Frau backt Gözleme (dünne Pfannkuchen), Kaffee, Tee, Eis und Softdrinks werden verkauft. Alle Achtung, ich hatte nicht erwartet, dass das so schnell realisiert würde.

Wir entdecken einen Pfad, der oberhalb des Sees entlang führt und folgen dem Getschirpe und Gezirpe von, angenommen, Hunderten von Wasservögeln. Sehen werden wir sie nicht, sie sitzen gut verborgen in zweiter und dritter Reihe, verborgen hinter Schilf und bewaldeten Inselchen. Aber wir entdecken Bäume voller Kormorannester, teils mit Jungen drin.

Als wir zurückkommen, hat die Gözleme-Frau leider schon zusammengepackt. Aber es gibt noch Tee und wir genießen die Aussicht, bis es anfängt zu regnen. Da es auch windig wird und die riesigen Schirme ins Schwanken geraten, flüchten wir in den Bus. Keine Minute zu früh, denn binnen kürzester Zeit gießt und hagelt es. Die Gäste und die Belegschaft verlassen das Terrain und zurück bleibt der türkische pensionierte Lehrer im VW-Bus, der sich mit uns den Parkplatz teilt, ein oder zwei Leute, die ihr Zelt Richtung Kormorannistbäume (was für ein Wort!) aufgebaut haben und der Nachtwächter. Leider nicht Yunnus, den wir letztes Mal kennen gelernt haben. Der kommt morgen Früh, wie wir erfahren.

Und wir warten jetzt, und horchen. Ob wir wieder Schakale und Wölfe hören.


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