Zuguterletzt: noch einmal ans Schwarze Meer

In der Nacht haben die Wölfe geheult. Nur kurz, aber spannend genug.

Als ich am Morgen um kurz nach Sechs wach werde, schlüpfe ich gleich aus dem Bus. Die Luft ist erfüllt vom Gezirpe der unsichtbaren Wasservögel, die begleitet werden von einem Chor der Frösche. Während letztes Mal Horden von Kormoranen aufs Wasser patschten, um ihre Beute aufzuschrecken, ist es jetzt friedlich. Einige Wasservögel sitzen auf Felsen oder stehen im Schilf, andere schwimmen langsam durchs Wasser. Ein paar fliegen über mich hinweg. Ich schaue dem Treiben ein bisschen zu und krieche nochmal ins Bett.

Später scheint die Sonne und wir gehen erneut auf den Aussichtssteg. Dann räumen wir das Geschirr weg, machen das Bett und den Bus startklar und begeben uns auf unsere Fahrt nach Westen. Ziel ist ein Campingplatz am Schwarzen Meer. Die Navigation ist einfach: erstmal müssen wir nur den Schildern nach Istanbul folgen.

Da wir im Reiseführer und im Internet keine sehenswerten Zwischenstopps finden, ist braune Schilder-Tag. Das erste schickt uns nach Burj Al Babas. Das Internet klärt uns auf: es handelt sich um eine verlassene Luxus-Wohnsiedlung nahe Mudurnu. 2014 baute ein Investor hunderte identische Mini-Schlösser im Disney-Stil. Fünf Jahre später scheiterte das Projekt an Insolvenz, wodurch die Villen unbewohnt blieben. Heute gilt es als eine der bekanntesten „Geisterstädte“ und als beliebtes Ziel für urbane Entdecker. Das lassen wir uns doch nicht zweimal sagen.

Wir biegen von der Schnellstraße ab, fahren vier Kilometer – und müssen nicht suchen. Unfassbar, was manche Menschen sich ausdenken.

Eine Zeit lang sollen hier tatsächlich ein paar Millionäre gewohnt haben. Ist ja alles Geschmackssache. Das Schloss als Reihenhaus. Wer’s mag.

Das nächste braune Schild lässt zu lange auf sich warten, so dass wir bei einem rot-weißen landen, das uns direkt zu hausgemachten Ayran und Gözleme führt.

Das Teewasser wird in einem großen holzbefeuerten Samovar draußen auf der Straße gekocht.

Zum Abschied werde ich von der Wirtin feste gedrückt. Ich bin etwas verhaltener, da mich der Gesamtpreis von umgerechnet 32 Euro etwas irritiert. Später lese ich im Netz, dass ich nicht die Einzige bin, die die Preisgestaltung etwas kreativ findet.

Über die achtspurige Autobahn, auf der heute kaum Verkehr ist, erreichen wir rasch den Großraum Istanbul. Wir haben die nördlichste Route gewählt und queren den Bosporus auf der Yavuz-Sultan-Selim-Brücke, die als eine der höchsten Brücken der Welt gilt. 2013 wurde der Grundstein gelegt und am 26. August 2016 wurde die Brücke offiziell für den Verkehr freigegeben.

Das Foto ist von Wikipedia

Kurz nach der Brücke verlassen wir die Autobahn. Nur um ein paar Kilometer später festzustellen, dass es den von uns ausgesuchten Campingplatz gar nicht gibt. Eine Bucht weiter soll es einen bewachten Parkplatz geben, nehmen wir halt den. Hm, der ist nicht bewacht, dafür kostenlos und mit direktem Zugang zum Strand. Dann tragen wir eben unsere Stühle dorthin. In der Sonne sitzen und das Meer rauschen hören, das hat was.

Aber wir sind ja keine Strandhocker und der Parkplatz ist auch nicht charmant. So entsteht die Idee, am Abend noch nach Edirne zu fahren. Den dortigen Stellplatz kennen wir von der Hinreise und ich habe noch etwas auf dem Wunschzettel, das ich mir morgen früh dort erfüllen kann.


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