Wir wissen noch nicht genau, wo wir heute hinfahren, ungefähr 300 Kilometer Richtung Westen. Schweren Herzens verlassen wir unseren traumhaften Platz am Schwarzen Meer, fahren von der Landzunge nördlich von Bafra runter und wenden uns westwärts. Es ist landwirtschaftlich genutztes Gebiet, durch das wir kommen. Vor allem Kohl sehen wir und Gemüse unter Folie. In den kleinen Orten ist viel los, Handel und Gewerbe werden entlang der Straße angeboten. Die alten Männer sitzen im Café, der Muezzin ruft.
Dann dürfen wir wieder in die Berge. Die Straße führt uns hoch auf über 1400 Meter. Im Hintergrund ist das Meer zu sehen. Heute ist ein warmer und sonniger Tag und wir sind neugierig, was er uns bringen wird.

Ein Drittel der Strecke fahren wir durch die Küre-Berge, die Teil des westpontischen Gebirges und seit 2000 Nationalpark sind. Das Gebiet ist durch Karstlandschaften, dichte Wälder und tiefe Täler geprägt.

Während wir auf 1400 Metern eine Temperatur von 15 Grad hatten, empfängt uns die Kleinstadt Durağan, die auf 300 Metern liegt mit 27 Grad, der höchsten auf dieser Reise gemessenen Temperatur! Das kommt überraschend.
Wir wollen uns die seldschukische Karawansersei anschauen, die direkt neben der Moschee steht. Das Freitagsgebet ist gerade zu Ende. Das Tor zur Karawansersei ist nur einen Spalt weit auf.

Auf ist nicht zu und ich quetsche mich durch. Ein großer Innenhof tut sich auf, gegenüber sehe ich ein paar Frauen in einer der Arkaden. Ich gehe hinüber, wir begrüßen uns freundlich und ich erfahre, dass die Karawanserei geschlossen ist und ein Teil davon von einigen Frauen als Weberei genutzt wird. Es ist gerade Mittagspause und wir werden eingeladen, mit ihnen zu essen. Das möchten wir aber nicht und unter vielen Dankes- und Lebwohlbekundungen verlassen wir wieder das Gebäude.
Im ersten Stock einer Lokantası, wie hier die einfachen Restaurants mit Hausmannskost genannt werden, freuen wir uns über das schöne Wetter, Köfte, Reis und Salat.

An einer Hausmauer sehen wir eine Malerei, die eine Frau im Webstuhl zeigt. Ob das Weben in Durağan eine besondere Tradition hat, kann mir das Internet leider nicht verraten.

Im Auto schalten wir die Klimaanlage ein und starten zu den nächsten 100 Kilometern. Da treffen wir auf einen Freund, den Kızılırmak, an dem wir heute Nacht so schön geschlafen und in dessen Delta wir uns so wohl gefühlt haben. Heute Nachmittag suchen wir uns an seinem Ufer einen Platz für unsere Kaffeepause. Es gibt noch Apfelkuchen von gestern.

Wir machen einen kleinen Abstecher nach Hacıhamza, um die osmanische Burg aus dem Jahr 1723 zu besuchen. Innerhalb der trapezförmig angelegten Festungsmauern befanden sich eine Moschee, eine Koranschule, eine Karawanserei und ein Hamam.
Heute ist nicht mehr allzu viel davon übrig: einige Mauerreste, auf die neue Häuser gebaut wurden, ein altes Minarett. Die osmanische Moschee wurde abgerissen und durch eine neue ersetzt. Ein freundlicher Mann, der vor der Moschee sauber macht, zeigt uns die Überreste des alten Bades und ein altes unterirdisches Backhaus.




Achim versucht, mit einer Drohnenaufnahme dem alten Grundriss nachzuspüren. Auch aus der Luft sind die alten Strukturen nur schwer zu erkennen.

Es ist mittlerweile sechs Uhr und wir müssen noch unsere letzten 100 Kilometer für heute fahren. Das ist aber über die gut ausgebaute vierspurige E 80 kein Problem und in einer Stunde erledigt.
Die Koordinaten bei Park4Night stimmen nicht ganz (auch das kommt öfter mal vor), doch ein kleiner Erkundungsgang hilft weiter und wir finden einen ruhigen Platz neben einer Quelle unter alten Weiden. Eine Nachtigall ist auch da und singt uns ihr Abendlied.

Damit es nicht zu idyllisch wird, übernehmen die Mücken die Aufgabe, uns ein bisschen zu drangsalieren.
