An der schönen grauen Donau

In was haben wir uns da gestern reingeritten? Wir werden heute Morgen zwar an einem wunderschönen Ort umgeben von Wäldern und Feldern mit einer großartigen Aussicht wach, aber den haben wir uns gestern Abend auch ordentlich erarbeiten müssen. Fünf Kilometer (gefühlt das Doppelte) schlaglochübersäte kleine Straße, auf der wir nur mit maximal fünf bis 20 kmh fahren konnten, liegen hinter uns. 30 vor uns, bis zur nächst größeren Straße. Normalerweise gibt es bei Park4Night Kommentare zur Anfahrt. Diesmal leider nicht.

Was tun? Achim plädiert sehr energisch dafür, die deutlich kürzere Strecke wieder zurückzufahren, um dann in einem Bogen über eine größere und hoffentlich bessere Straße, an die Donau zu gelangen. Daumen drücken!

Immerhin scheint heute wie versprochen die Sonne, es weht aber ein kalter Wind bei acht Grad. Die Straße, die wir fahren wollen, ist gesperrt. Unser Navi kennt aber eine Alternative. Über eine kleine aber feine Straße. Sie ist steil und kurvig, hat auch einen guten Belag und einen Mittelstreifen. Jedenfalls haben wir von Serbien mehr gesehen als nur die Autobahn.

Die Landschaft, die sich jetzt im Frühling in einem überbordenden Grün zeigt, ist sehr ursprünglich. Zwischen den Hügeln und Wäldern haben die Bauern Getreidefelder angelegt. Wilde Hecken säumen den Straßenrand und die Feldraine. Auf den Flächen, die nicht bewirtschaftet werden, wachsen kleine Mischwälder.

Die Dörfer sind so klein, dass wir ganz schnell wieder draußen sind. Alte Lehmhäuser stehen neben properen Backsteinhäusern. Nachdem wir uns wochenlang die Straßen mit Schweinen, Schafen, Kühen, Hunden und Pferden geteilt haben, fällt uns auf, dass wir hier kaum Tiere sehen. Gerade mal ein paar Schafe in einem Vorgarten. Dabei gäbe es hier doch reichlich zu fressen.

Bis zur Donau zieht sich der Weg dann doch ganz schön. Es sind 150 Landstraßenkilometer, bis wir am Nachmittag das erste Mal den Strom sehen.

Straße und Fluss trennen sich noch einmal für 20 Kilometer. Dann aber rollen wir für die nächsten einhundert Kilometer dicht am Fluss entlang. Dies ist die Strecke, die „das Eiserne Tor“ (serbisch: Đerdapska klisura) genannt wird. Der engste und tiefste Abschnitt dieses Durchbruchstals ist die Kazan-Schlucht, in der sich die Donau zwischen steilen Felswänden auf ca. 150 bis 200 Meter Breite verengt und bis zu 120 m tief ist.

Auf serbischer Seite ist die Region durch den Djerdap-Nationalpark, auf rumänischer durch den Naturpark Eisernes Tor geschützt. Ziel ist es, ein grenzüberschreitendes Biosphärenreservat als Teil der künftigen Euroregion Donauraum zu schaffen.

Das Fahren entlang der Donau geht langsam vonstatten und es wird Zeit, einen Nachtplatz zu suchen. Wir folgen zwei Empfehlungen von Park4Night, die wir beide verwerfen, langsam wird es dunkel, so dass wir den Campingplatz ansteuern, der ebenfalls in der App empfohlen wird. Hier können wir direkt am Fluss stehen und rasch noch ein Sonnenuntergangsfoto machen. Glaubt mir, es sah wirklich so aus.


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