
Heute habe ich einen guten Schutzengel gehabt. Um kurz vor zehn fuhren unser Fahrer Moti, Goma, Caro und ich zur Farm. Unsere Straße runter, rechts rein in die Hauptstraße, plötzlich ein Knall. Caro wird zu mir auf die linke Seite geschubst, wir drehen uns um, um zu schauen, was passiert ist. Ich dachte, wir seien über etwas Großes drübergefahren. Im gleichen Moment gerät unser Auto ins Schlingern. Ich denke: Reifen geplatzt! Der nächste Knall und das Auto steht.
Goma reagiert als Erste. Sie springt aus dem Auto, während Caro und ich überhaupt nicht verstehen, was da eigentlich gerade geschehen ist. Wir steigen aus und sind im Nu von einer Menschenmenge umringt. Erst nach einigen Momenten sehen wir Goma, die sich um eine offenbar verletzte Person kümmert. Unser Fahrer sitzt blass auf dem Bordstein und hat sichtlich Mühe, Haltung zu bewahren. Goma und der verletzte Mann steigen in ein Auto und fahren davon. Was ist denn bloß passiert?
Wir sehen drei demolierte Fahrzeuge: ein Taxi, rund 50 Meter entfernt, das war wohl unser erster Zusammenstoß. Seltsam, denn das Taxi parkt am rechten Straßenrand. Und bei Linksverkehr hätten wir es gar nicht touchieren dürfen. Und direkt neben uns einer dieser altertümlichen Traktoren, die uns schon die ganze Zeit faszinieren und unser sehr derangiertes Auto. Nach dem ersten Zusammenstoß sind wir einige Meter über die Straße geschlittert, haben den Traktor gestreift (dessen Fahrer verletzt wurde) und sind kurz vor dem Gehweg zum Stehen gekommen.
Schnell ist auch die Polizei zur Stelle und nach ca. einer Viertelstunde werden wir mit unserem Fahrer zur nächsten Polizeistation gebracht. Mit im Auto auf einmal Agni, Gomas Schwager, der sein Geschäft um die Ecke hat. Da er gut Englisch spricht, klärt sich nun der für uns doch sehr mysteriöse Vorgang auf. Moti ist schwindelig geworden und hat deshalb die Kontrolle über den Wagen verloren. „Lasst uns froh sein, dass dies hier und nicht an der Uferstraße oder am Berg passiert ist“, sagt Agni. Und erst da fährt uns der Schreck richtig in die Glieder.

Auf der Polizeistation werden wir in einen Warteraum gebeten und nach etwa 20 Minuten kommt Agni, um uns zu sagen, dass wir doch keine Aussage zu machen brauchen. Er bietet uns an, mit ihm im Taxi zurückzufahren. Moto muss leider noch hier bleiben, bis geklärt ist, wie es dem verletzten Treckerfahrer geht. Im Laufe des Tages wird sich herausstellen, dass es ihm wieder gut geht. Er hatte einen kleineren Schnitt in der Lippe, der für das Blut, das wir in seinem Gesicht gesehen hatten, sorgte. Ansonsten sind wir alle mit dem Schrecken davon gekommen.
Caro und ich haben erstmal den Schongang eingelegt, auf das Taxi verzichtet und einen großen Spaziergang gemacht. Hier etwas eingekauft, dort einen Cappuccino getrunken, da den Bruder von Goma in seinem Geschäft, drüben ihre Schwester in deren Laden besucht. Dann noch ein leckeres Mittagessen und ein wenig Ausruhen in unseren Zimmern und wir waren wieder auf dem Damm.
Am Abend treffen wir Goma, die den ganzen Tag mit den (finanziellen) Folgen des Unfalls beschäftigt war, aber auch dies mit stoischer Gelassenheit zu nehmen scheint. Meine Frage, ob es nicht angebracht sei, dass sich Moti einer ärztlichen Untersuchung unterzieht, um die Ursache für seinen Schwächeanfall herauszufinden, bejaht sie. Ich bin gespannt. Und froh, dass uns nichts passiert ist.


