In Wolken

Ja, Petrus ist sehr ungnädig mit mir. Nach dem Frühstück sind wir 300 Höhenmeter hochgestiegen auf den 2500 Meter hohen Aussichtsberg Panchase. Nach einer Stunde waren wir oben, doch alle Gipfel waren hinter dichten Wolken verborgen. Bei gutem Wetter hätten wir von hier aus nicht nur Annapurna Süd und Macchapucchre sondern sogar den Manaslu gesehen.

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Entschädigt wurden wir auf dem Hinweg durch ganz viele wilde Orchideen, die die Bäume mit ihren weißen Blüten dekorierten.

Auch Jorchan, der immer wieder in die Hände klatschte, um gegebenenfalls den schwarzen Bären zu vertreiben, machte mir Spaß. Außerdem gab es oben eine recht hübsche Tempelanlage und die Überbleibsel einer früheren Königsstätte.

Wir stiegen eine halbe Stunde hinab zum Panchasesee, den wir einmal umrundeten und dessen Zauber wir auf uns wirken ließen.

Schließlich das Ganze retour: hoch zum Aussichtspunkt mit Tempel und runter zum Gästehaus. Insgesamt waren wir fünf Stunden unterwegs, die gebratenen Nudeln zum Mittagessen kamen da gerade recht.
Am Nachmittag sind wir durch Wald und Wiesen zweieinhalb Stunden lang nach Makanpur (1500 Meter) gelaufen. Ab und zu sind wir Frauen begegnet, die Blätter, ich nehme an als Ziegenfutter, in großen Körben transportierten.

Gegen fünf quartieren wir uns in einem kleinen traditionellen nepalischen Häuschen ein. Ich schlafe in einem kleinen Anbau aus Holzlatten, als Dach wurde Wellblech draufgelegt. Der ältere Sohn der Familie (26) betreibt die Vermietung an Gäste, kümmert sich um die Bienen und das Honigmachen, die Ziegen und den Garten.

Nach dem Abendessen, das Jargan und ich an einem schmalen Tisch auf der Terrasse zu uns nehmen, wird ein kleines Feuerchen gemacht. Santosh erzählt, dass im Dorf fast nur noch alte Leute leben. Die jüngeren gingen ins Ausland, viele nach Dubai, oder zumindest nach Pokhara. Er habe dort auch seinen Bachelor in Gesundheitserziehung gemacht, ziehe es aber vor, hier im Dorf zu leben.

Sein Vater bringt einen großen Topf mit einer milchigen Flüssigkeit. „What’s that?“ Frühstück für die Kuh. Getreidepulver und Wasser. Wird hier jeden Abend am Feuerchen zubereitet. Die Mutter, Grundschullehrerin im Dorf, gesellt dich zu uns. Es sind nur noch zehn Kinder, die sie unterrichtet. Wohlig halten alle ihre Hände über die wärmenden Flammen, recken ihre nackten Füße der Glut entgegen. Um kurz vor neun sage ich „Gute Nacht “ und krabbele in meinen Schlafsack.

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