„Die Möwen sehen alle aus, als ob sie Emma hießen“, schrieb Christian Morgenstern. Die Möwen hier auf Sylt heißen, glaube ich, Donald. Sie sind besitzergreifend und unverschämt. Es gibt sogar Hinweisschilder, die vor ihnen warnen.

Als wir vorgestern die Kegelrobbe Willi im Hörnumer Hafen besuchten, habe ich, wie jeder gute Tourist, an der Fischbude nebenan einen Hering für sie gekauft.
„Passen Sie bloß auf die Möwe auf!“ warnte mich der ältere Mann neben mir. „Die schnappt Ihnen den Fisch aus der Hand weg!“
Aber was soll ich tun? Ich nehme den Fisch aus der Tüte, halte ihn Willi hin, der schon freudig mit der Flosse wedelt – und schwupp, stürzt sich Donald im Tiefflug auf mich, reißt den Schnabel auf, schnappt sich den Hering und macht sich davon. Und Willi und ich gucken blöd. Wobei Willi das Spiel im Gegensatz zu mir wahrscheinlich kennt.
„Hab ich’s Ihnen nicht gesagt?!“, brummelt der Mann neben mir.

Gestern bummeln wir am Nachmittag über die Strandpromenade in Westerland und kaufen uns eine Kugel Eis im Hörnchen. Da ein Eis kein Fisch ist, verschwende ich keinen Gedanken an raffgierige Donalds. Ein Fehler, wie sich rausstellt. Vielleicht habe ich ein paar kurzsichtige Möwen erwischt, jedenfalls stürzen sie sich auf mich, erkennen einen halben Meter vor mir, dass ich nur ein langweiliges Eis in der Hand halte und drehen wieder ab.
Puh, erschrecken tun sie einen aber durchaus mit so etwas. Aber es fasziniert zugleich, dass sie einen in keiner Weise berühren. Räuber mit Feingefühl (was sie wiederum von Donald unterscheidet).
