
Ich laufe die Rolltreppe hoch so schnell es mir mit meinem Koffer möglich ist, quere die Bahnhofshalle, erreiche schwer atmend das Gleis 22. Es ist 6.55 Uhr. Zeit für die Abfahrt des Zuges nach Berlin. Noch steht er. Die Türen sind jedoch bereits geschlossen. Und bleiben geschlossen. Auf die Sekunde pünktlich verlässt der ICE den Münchener Hauptbahnhof – und lässt mich auf den MVV schimpfend („Aufgrund eines Oberleitungsschadens fährt diese S-Bahn nur bis Moosach. Bitte benutzen Sie ab Feldmoching die U2…“) am Bahnsteig zurück .

Aber kein Grund zur Aufregung: mein Sparpreisticket wird von einer wortkargen aber effizienten Mitarbeiterin in der Information von seiner „Zugbindung“ enthoben und die nächste Fahrt nach Berlin beginnt schon zehn Minuten später.
Im Zug gibt es nicht nur leckere Spiegeleibrote – wie auf jeder längeren Zufahrt…

… sondern auch ein Fünf – Tage-Ticket für die Öfis in der Hauptstadt.

Mit S- und U-Bahn fahre ich zum Hotel Transit, zentral in Kreuzberg nahe Mehringdamm und Bergmannstraße gelegen. Früher war in diesem Haus eine Fabrik, heute schlafen hier Gäste aus aller Welt.

Frohen Mutes mache ich mich auf, die Stadt zu erkunden – muss aber gleich beim Haus gegenüber den ersten Stop einlegen. „Vanille und Marille“ heißt das Schatzkästlein, in dem ich mir die Spezialität des Monats „Marzipaneis mit Orange und Schokocrisps“ gönne.

Und dann geht’s mit dem Sonderzug, äh, mit der S2 nach Pankow. Einige Stationen vorher, am Senefelder Platz, steige ich aus, denn für den ersten Nachmittag habe ich mir einen Bummel durch Prenzlauer Berg vorgenommen.
In der Kollwitzstraße ist am Samstag Markt. Gärtner und Bauern aus der Region bieten ihre Ware an, aber auch handgeschöpfte Schokolade, türkische Gözleme (eine Art Crèpes), Lakritze aus Holland, Berliner Cantuccini oder warmer Hefekuchen sind im Angebot. Schafmilchseifen, Schals, witzige Shirts werden verkauft. Gut würden sich auch meine Taschen aus Nepal hier machen…
Auf dem Kollwitzplatz sammeln sich Einheimische und Besucher zu einem frühen Gläschen und einer Currywurst.


Laut Tante Wiki prägten schon zu DDR-Zeiten Studenten, Kulturinitiativen und Literaten das Image von Prenzlauer Berg. Nach dem Fall der Mauer hat sich Prenzlauer Berg zum Szeneviertel entwickelt und ist vor allem für sein ausgeprägtes Nachtleben und die Vielzahl an Kneipen, Cafés und Clubs bekannt.
Die Altbauten sind top renoviert. Die ursprünglichen Bewohner leben hier wahrscheinlich nicht mehr.
Es ist nicht weit bis zur Gedenkstätte Berliner Mauer in der Bernauerstraße. Auf einer Länge von einem guten Kilometer befindet sich das letzte Stück der Berliner Mauer und man bekommt einen Eindruck der Grenzanlage Ende der 80er Jahre. Außerdem gibt es Gedenkstelen für die Menschen, die hier beim Versuch zu fliehen, ermordet wurden.



Seinen Ausklang findet der Tag in der Nähe vom Schloss Charlottenburg: ein kleiner libanesischer Imbiss lockt mit exotischen Getränken und Speisen (Dattelsaft mit Pinienkernen, Lamm mit Sesampaste, Orangen und Granatapfelkernen u.v.a.m)

