Ganz unverhofft schulfrei

Gestern Abend war schon die Rede davon, dass heute schulfrei sein könnte. Der Grund dafür ist leider traurig: der Absturz eines Hubschraubers, bei dem sechs Menschen, unter ihnen ein amtierender Minister, ums Leben kamen. Heute morgen war dann klar: Ja! Schulfrei! (Die Kinder haben sich trotz allem gefreut. Ist doch klar.)

Da muss man als Volontär flexibel sein und das eigentlich für Samstag geplante Programm vorziehen.. Also nichts wie rein in den nächsten Bus und ab ins „Mirrorhouse“.

Mit 26 Kindern, begleitet von vier Erwachsenen, passen außer uns gar nicht mehr so viele Leute in den Bus. Nach einer guten halben Stunde müssen wir umsteigen, nochmals eine viertel Stunde fahren, wieder raus aus dem Bus, wieder zählen, damit auch ja niemand verloren geht, zehn Minuten über eine ruhige Vorortstraße laufen, dann sind wir endlich am Ziel.

Für 150 Rupien, ca. 1,20 Euro, erwerben wir das Kombiticket „Mirror House, Mystery House, Planetarium“ und ziehen los. Keiner von uns war jemals hier und wir haben keine Ahnung, was geboten ist. In einem kleinen Park mit hübschen Blumenrabatten und kleinen Rasenflächen gibt es Spielgeräte und kleine Wasserspiele. Erstmal stürmen die Kinder einen „Berg“ mit der nepalischen Flagge.

Im „Mirrorhouse“ heißt es Wirklichkeit und Trugbild voneinander zu unterscheiden. Vor lauter Spiegeln weiß man nicht, wo es wirklich lang geht. Ein großer Spaß und wir machen die Runde etliche Male.

Noch seltsamer fühlt es sich aber im Mystery House an, in dem der Fußboden schief ist, was den Gleichgewichtssinn irritiert und zur Folge hat, dass man selbst durch die Gegend schwankt.

Im Planetarium werden einige Kurzfilme über unsere Planeten und die Milchstraße gezeigt, teils auf Englisch, teils auf Nepali. Ich glaube, für die Kinder etwas zu schwierig, aber sie halten die Viertelstunde tapfer durch.

Uns bleibt noch eine halbe Stunde zum Spielen, Rumtoben und Fotos machen. Gegen fünf müssen wir heimfahren, denn um sechs ist im Heim “ Pizzaparty“ angesagt.

Eine Gruppe von neun Australierinnen, die dem Heim seit Jahren verbunden sind, war für einige Tage hier und verabschiedet sich nun mit riesigen Mengen von Pizza von den Kindern. Heute ist wirklich ein Feiertag für sie.

Die Kinder ihrerseits bedanken sich anschließend mit einigen Tanzvorführungen. Kleine und Große, Mädchen und Jungen. Mit großer Selbstverständlichkeit zeigen sie ihre traditionellen Tänze und haben dabei selbst großen Spaß. Wer gerade nicht auf der Tanzfläche ist, feuert die Tänzer an, klatscht und singt. Im Nu ist die Party auf ihrem Höhepunkt und ein Tag voller schöner Ereignisse neigt sich erst gegen neun dem Ende zu. Eine unserer Jüngsten, die fünfjährige Dipsika, nimmt mich schließlich bei der Hand, lehnt sich an mich und mutmelt: “ I am tired.“

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