
Nach Gomas Dankesrede will ich mit einer kurzen, geschliffenen Antwort über meine Zeit im Rainbow Children Home sprechen, meine Verbundenheit und meinen Dank für die gemachten Erfahrungen zum Ausdruck bringen (habe ich ja schließlich gelernt und die vergangenen zwölf Jahre auch eifrig geübt), doch dann kann ich nur noch aufstehen, ein „Thank you all! Thank you so much!“ rausbringen und schon kullern die Tränen und meine Erkältung schlägt gnadenlos zu und lässt mich nur noch krächzen.
Begonnen hat die Farewellparty für Annette und mich mit 600 Momos, kleinen ravioliähnlichen Teigtaschen, die mit Gemüse, Huhn oder Rind gefüllt werden. Ich hatte einige Tage zuvor die Kinder gefragt, ob sie lieber Pizza oder Momos wollten. Die Abstimmung durch Lautstärke brachte ein klares Ergebnis.


Danach beginnt der offizielle Teil: Goma bedankt sich für unser Engagement, für unsere Unterstützung, gibt uns das rote Segenszeichen Tikka auf die Stirn und hängt uns den traditionellen Freundschaftsschal und eine Blumenkette um den Hals sowie als zusätzliche Geschenke eine Kette und einen weiteren Schal.



Nach meiner missglückten Dankesrede bringe ich nur noch raus: “ Let’s dance and have some fun!“
Sudip baut schon draußen im Hof die Boxen auf und koppelt sie mit seinem Smartphone. Ich entdecke Marmita, die draußen auf den Stufen sitzt und weint. Ich nehme sie in den Arm und als die ersten Tänze vorgeführt werden, beruhigt sie sich wieder und klatscht schließlich wie alle anderen begeistert mit. Kurz zuvor hatten sie und Dipsikak mir zwei kleine Liebesbriefchen voller Herzchen und “ I love you!“ zugesteckt.

Als die Jungs sich auf den Stufen aufbauen und noch ein Abschiedslied singen, weiß ich, es ist Zeit, nochmal alle zu drücken und sich zu verabschieden. Nachdem ich den ganzen Tag über gefragt worden war, ob ich nächstes Jahr wiederkäme, ich es aber nicht versprechen konnte, tönt mir nun von allen Seiten ein pragmatisches, hoffnungsfrohes „See you next time!“ entgegen.
Die Tränen kullern schon wieder…


