Hilfe für den Gepard

Er ist das schnellste Tier der Welt. Wenn’s sein muss, schafft er schon mal 110 kmh. 70 sind gar kein Problem für ihn. Er ist überdies die älteste Raubkatze der Evolutionsgeschichte. Experten sprechen hier von vier Millionen Jahren, die es den Gepard schon gibt. Der Mensch hat lediglich 100 gebraucht, um seiner Art fast den Garaus zu machen.

Innerhalb der letzten 60 Jahre sind Geparde in mindestens 16 Ländern ausgestorben, weltweit ging der Bestand um mehr als 90 Prozent zurück. Namibia ist mit knapp 3000 Tieren Heimat der größten noch verbliebenen Population.

Wir besuchen heute den Cheetah Conservation Fund, eine Art Waisenhaus für Geparde, deren Mütter so früh ums Leben kamen, dass sie ihren Jungen nicht mehr alles Notwendige fürs Leben in der Wildnis beibringen konnten. 38 Tiere leben derzeit hier auf einer 40 Hektar großen Fläche.

Zur Fütterung um 12 Uhr kommen 18 Tiere. Die großen Fleischstücke werden den Feinschmeckern in Schüsseln serviert. „Würden wir ihnen das Fleisch zuwerfen, würden sie es ignorieren“, erklärt uns Jenny, die hier für die Geparden verantwortlich ist, „weil es dann dreckig würde, und das mögen sie gar nicht.“ Selbst Geparden in der freien Wildbahn sind so heikel. Sie öffnen das geschlagene Opfer und fressen das Innere, die schmutzige Haut suchen sie zu vermeiden.

Was ist den Müttern dieser Tiere passiert? Zumeist wurden sie von Farmern erschossen, weil sie eins ihrer Nutztiere, ein Schaf oder eine Ziege oder auch im Verlaufe von Tagen mehrere gerissen haben. Es ist verständlich, dass die Bauern ihr Hab und Gut schützen wollen. Wenn es um eine bedrohte Art geht, ist es aber problematisch.

Und so kam die Gepardstiftung auf den türkischen Hütehund, den Kangal. Er wird hier trainiert, sich zwischen den angreifenden Gepard und die Herde Ziegen zu stellen und sie so zu schützen. Farmer können sich hier einen Hund kaufen, um künftig keine Geparden mehr schießen zu müssen.

Das Problem dabei: Nur die reichen -weißen- Farmer können sich die 100 Euro, das teuere Futter (Frischfleisch täglich) und die tierärztliche Versorgung eines solchen Hundes leisten. Die Geparde, nicht dumm, weichen im Laufe der Zeit aus und verlagern ihr Jagdgebiet in die Flächen der armen -schwarzen- Farmer.

Betroffen schauen wir unseren Führer an. Was tun? „Hier ist unserer Meinung nach die Politik gefragt“, meint Sam. „Der Staat könnte die Hunde kaufen und den ärmeren Farmern kostenlos zur Verfügung stellen. Diese könnten sich in Gruppen zusammenschließen, um sich die laufenden Kosten zu teilen.“

Leider ist es in Namibia wie in vielen anderen Ländern dieser Welt, dass die Regierung nicht immer das macht, was notwendig ist.

Nachdenklich treten wir unseren 20 Kilometer langen Heimweg über die Pad an, für den wir eine dreiviertel Stunde über den roten Sand, durch vier von Hand zu öffnende Wildgatter, brauchen.

Der Rest des Tages ist Chillen und Grillen – und die Giraffen schauen zum Abendbrot auch wieder vorbei. Diesmal zu sechst.

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