Coronavirus in Nepal: bisher ein Fall, aber großer Schaden

„Visit Nepal 2020“ war bis jetzt DIE große Tourismuskampagne in Nepal. Nun wurde sie von der Regierung wegen des neuartigen Coronavirus gestoppt. Statt des Ziels, dieses Jahr zwei Millionen Touristen ins Land im Himalaya zu bringen, erhalten Ausländer aus bestimmten Ländern nun keine Visa direkt bei der Einreise mehr, wie die nepalesische Regierung mitteilte.

Nepal ist ein Nachbarland von China und eines der Länder, aus denen am meisten Touristen nach Nepal kommen. Tourismus ist eine der wichtigsten Einnahmequellen des armen Landes. Doch bis Ende März stellt es jegliche Werbeaktivitäten, um ausländische Touristen ins Land zu locken, ein, wie ich heute Morgen online in der Südwestpresse las.

Bislang gibt es in Nepal einen bestätigten Covid-19-Fall.

Vorgestern nahm Goma mich mit zu einer Veranstaltung unter dem Motto „Chinesisch-nepalesische Freundschaft in Zeiten von Corona“. Es gab einige Reden, in denen die guten Beziehungen zu den Menschen im Nachbarland beschrieben wurden, auf großen Tafeln konnten wir eine symbolische Grußadresse hinterlassen, Kerzen wurden angezündet.

Die Zahl der Touristen ist seit Beginn der Krise drastisch gesunken. Geschäftsleute verkaufen kaum noch etwas, Hotels und Restaurants sind gespenstisch leer, Treckingagenturen haben im Moment wenig zu tun. Der wirtschaftliche Schaden ist groß. Den Menschen hier ist zwar sehr bewusst, wie wichtig es ist, sich bei der nicht ausreichenden medizinischen Versorgung vor einer Epidemie zu schützen. Gleichzeitig weiß mancher nicht, wie er die Miete für seinen Laden am Monatsende bezahlen soll, da er kaum noch Einnahmen hat.

Auch auf kulturelle Veranstaltungen hat die Situation Auswirkungen. Wie in Deutschland sollen hier ebenfalls keine Großveranstaltungen mehr stattfinden.

Seit zwei Jahren hat die Foundation of Nepal Folk Culture & Tradition, deren erster Vorsitzender Agni Kandel, Gomas Schwager, ist, das Internationale Folk Festival 2020 vorbereitet. Folkloregruppen aus fast 20 Ländern sind eingeladen. Flugtickets für über 200 Menschen gekauft, Hotels gebucht, Vorfreude bei allen Beteiligten. Die Veranstaltung wurde jetzt zwar nicht abgesagt, aber stark eingedampft. Statt wie geplant im Fußballstadion am See, wo normalerweise die Großveranstaltungen stattfinden, treten die TänzerInnen und MusikerInnen in einem kleinen Park auf und bleiben fast unter sich. Ein paar wenige Touristen haben sich hierher verirrt und einige Vertreter der Lokalprominenz. Werbung wurde gar keine mehr gemacht für das Event.

Die Delegation aus Bangladesch
Sängerinnen aus Estland
Bulgarische Folklore

Unsere Kinder kamen gestern aufgeregt aus der Schule. Die Lehrerinnen hatten ihnen nicht nur erneut das gründliche Händewaschen ans Herz gelegt sondern angeblich auch gesagt, dass Holi ausfällt, DAS Frühlingsfest schlechthin, von der Bedeutung her vergleichbar mit unserem Osterfest. Ich nehme an, dass es sich hierbei um ein Missverständnis handelt: Nicht das zuhause gefeierte Fest soll ausfallen (macht ja auch keinen Sinn) sondern die hierfür geplanten öffentlichen Feiern.

Außerdem sollen die Kinder ab nächster Woche mit Mundschutz in die Schule kommen. Es ist zweifelhaft, ob es genügend davon gibt, denn die hiesigen Vorräte wurden, wie mir erzählt wurde, schon vor Wochen nach China geschickt.

Um diese Jahreszeit haben alle Kinder hier Rotznasen. Immer. Es ist tagsüber heiß bei fast 25 Grad, nachmittags hagelt, stürmt oder regnet es. Ich hatte mich letztes Jahr so erkältet, dass ich keine Stimme mehr hatte. Dieses Jahr ist die Wahrnehmung ganz normaler Erkältungssymptome eine andere. Lauert das Virus? Wie geht es weiter?

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