Freuden des Touristenlebens – 1

Einen Tag die Woche hat man als Volontärin frei. Da ich morgen schon eine Woche hier im Rainbow Children Home bin, lege ich heute meinen Kinderfreien Tag ein.

In der Früh gönne ich mir erstmal ein schönes Frühstück mit Cappuccino, Spiegeleiern und Toast (für drei Euro). Darauf freue ich mich immer besonders, denn jeden Morgen Dhal Bat, das nepalesische Nationalgericht (Reis, Linsen und Gemüsecurry), ist im Grunde nicht so meins. Um die Ecke gibt es ein neues recht hübsches Café mit einer Veranda. Bei 20 Grad kann man morgens schon gut draußen sitzen, Zeitung lesen, die zahlreichen Schulkinder und Erwachsenen, die zur Arbeit gehen, beobachten.

Um halb elf treffe ich mich mit Durga. Sie und ihr Mann Khim wohnen mit ihren beiden Söhnen über mir. Jetzt kennen wir uns schon über zwei Jahre und befreunden uns langsam an. Sie spricht wunderbar Englisch, so dass wir uns sehr gut unterhalten können.

Mit dem Bus fahren wir zum Matepani Gumba, einem buddhistischen Kloster. Es liegt auf einem Hügel, an dessen Fuß sich eine Eingangspforte befindet.

Wir laufen fünf Minuten hinauf, bis wir den Vorplatz zum Tempel erreichen. Der Anblick ist beeindruckend. Außer uns sind noch zwei nepalesische Besucherinnen da. Wir fotografieren uns gegenseitig mit unseren jeweiligen Handys – ich muss auf ihre Aufnahmen auch noch mit drauf.

Detail der Wandbemalung

Von hier oben hat man einen sehr schönen Blick auf die gesamte Stadt. Der Tempel ist geschlossen. Er ist am Nachmittag zwischen 15 und 18 Uhr geöffnet. Doch es dauert nicht lang, bis ein junger Mönch kommt und uns außer der Reihe hinterlässt. Innen ist leider Fotografierverbot.

Die Wände sind ebenso kunstvoll bemalt wie außen. Eine große Buddhastatue, die von zwei weiteren ehrwürdigen Lehrern eingerahmt ist, bilden das Zentrum.

Wir schlendern noch ein wenig herum. Rund 40 Mönche leben hier. Die Schüler haben gerade Pause und spielen Fangen.

In der Gartenanlage entdecken wir noch einen schönen Altar, der von zahlreichen Gebetsmühlen umgeben ist und eine große goldene Buddhastatue.

Mittlerweile ist es halb eins, Zeit zum Mittagessen. Am Mahendrapool leert sich der Bus und auch wir steigen aus. Dies ist das Zentrum der Stadt mit einer langen Geschäftsstraße voller unzähliger Läden. Wir kaufen uns jede noch eine leichte Tunika für rund vier Euro und kehren zum Mittagessen im Almond Café ein. Chickenmomos. Köstlich. Zum Nachtisch noch ein Lassi.

Durga erzählt vom Stress, den sie hat mit einem Vollzeitjob, dem Haushalt und zwei Kindern, eines davon aufgrund der Glasknochenkrankheit schwer behindert. Nun soll sie im Krankenhaus, in dem sie als MTA angestellt ist, demnächst Schicht arbeiten. „Ich habe überhaupt keine Ahnung, wie wir das mit der Betreuung unseres Sohnes hinkriegen“, sagt sie. Ihre Kollegen sind nicht bereit, ihr entgegenzukommen. Sie haben ihre eigenen Probleme, Job und Familie unter einen Hut zu bringen.

Auf Behinderte wird in Nepal noch recht wenig Rücksicht genommen. Unterstützung seitens des Staates gibt es gar keine. Über den kleinen Animesh mit seinen zarten Knochen und seinen großen Problemen gibt es demnächst einen eigenen Bericht…

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