Ein Schauertag zwischen Schwarzwald und Pfalz

Aufgereiht stehen die Brötchentüten vor der Rezeption unseres Campingplatzes. Säuberlich mit Namen versehen. So kann der Tag mit einem leckeren Frühstück starten.

Ehe wir weiterziehen, wollen wir uns noch Forbach anschauen, ein kleiner Ort gleich nebenan.

Warum gibt es hier bloß so eine große Kirche!?

Sie ist Johannes dem Täufer geweiht und wurde 1886 bis 1891 aus heimischem roten Sandstein mit zwei Türmen in neuromanischem Stil erbaut.

Auch innen ist sie prächtig ausgestattet.

Pech haben wir ein paar Orte weiter in Herrenwies. Hier soll es laut Prospekt und Internet einen Kunstpfad geben, auf dem wir gern, trotz des grauen Wetters und der immer wieder einsetzenden Schauer, gewandelt wären. Das muss aber jeweils so temporär sein, dass momentan gar nichts davon zu erspähen ist.

Nur Wiesenschaumkraut. Das ist aber auch schön.

Wir beschließen, den Schwarzwald zu verlassen und uns die Deutsche Weinstraße in der Pfalz anzuschauen. Sie beginnt im Süden in Schweigen-Rechtenbach mit dem Deutschen Weintor. Dessen Geschichte ist leider eine düstere: von den Nationalsozialisten 1936 erbaut sollte es wie die frisch ersonnene Deutsche Weinstraße die Pfalz als Weinbaugebiet bekannter machen. Deutliche Ressentiments gab es schon gegen die französischen Nachbarn.

Unser Navi hat keine Bedenken, uns auf dem direkten Weg dorthin zu leiten, dass der durch Frankreich führt, stört es auch nicht.

Wir sind – Corona bedingt- erstmal erschrocken. Wie war das nochmal? Grenze zu Frankreich wieder offen? Dürfen wir hier jetzt langfahren? Ja, wir dürfen. So wie wir es nun seit Jahrzehnten gewohnt sind, passieren wir die deutsch-französische Grenze ohne Kontrolle, ohne Stop.

Wir überqueren den Rhein auf einer alten Eisenbahnbrücke und kommen durch kleine idyllische elsässische Dörfer, vorbei an fast künstlerisch gestalteten Wassertürmen.

Am deutschen Weintor angekommen, fotografieren wir ein bisschen und machen uns dann auf die Suche nach einem Café. Zuerst aber finden wir einen kleinen Park mit interessanten Skulpturen. So kommen wir also doch noch zu etwas Kunstgenuss heute.

Und was finden wir etwas später in der Kuchenvitrine? Schwarzwälderkirschtorte. Nehmen wir natürlich.

Kaffeeundkuchensatt fahren wir auf die Weinstraße und erreichen nach wenigen Kilometern das Weingut Jung in Heuchelheim.

Der Winzer bietet zwischen Straußwirtschaft und Garagen zwei (!) Stellplätze für WoMos an. Wir sind die zweiten. Nicht idyllisch, aber zweckmäßig. Zehn Schritte und die Verkostung der Pfälzer Weine kann beginnen.

Und dann kommt der Moment, in dem ich bei Helmut Kohl, ja, DEM Helmut Kohl,  Abbitte leisten muss. Ich fand seine Vorliebe für Saumagen, Saumagen!, immer gruselig. Und dass er dieses Zeug, das doch kein vernünftiger Mensch essen kann, auch noch anderen Staatsgästen servieren ließ.

Hier steht er auf der Speisekarte und ich wende mich sogleich den anderen Angeboten zu. Doch Achim ist mutig heute Abend und fragt Frau Jung danach, was Saumagen denn tatsächlich ist: Schweinefleisch, Brät und Kartoffeln, zubereitet wie ein Fleischkäse, früher im Magen, heute im Kunstdarm serviert. Und was soll ich sagen: „Entschuldigung, Herr Kohl, jetzt verstehe ich Ihre Vorliebe!“ Saulecker!

Nach weiteren Grauburgundern und Jungs Jungen Wilden sind wir froh über die nur zehn Schritte bis zum Bus.

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