Im Herbst zu zelten, ist für mich neu und besonders. Abends wird es sehr früh dunkel und trotz der tagsüber noch hohen Temperaturen rasch frisch, sobald die Sonne untergegangen ist, so dass wir schon um kurz nach neun ins Zelt krabbeln. Dank meines mollig warmen Schlafsacks und einer guten Luftmatratze sind die Nächte angenehm. Heute Morgen war es neblig und seeeehr feucht und frisch. Mit Haselnusskaffee aus Malaysia (den wir immer von unserer Freundin Jessy bekommen) starten wir trotzdem beschwingt in den Tag.


Zunächst fahren wir zwölf Kilometer zurück. Gestern sind wir nämlich an einem der Highlights dieser Tour vorbeigeradelt, weil es schon zu spät war: der Himmelsscheibe von Nebra. Die bronzene Scheibe mit Goldauflagen wurde von einem unbekannten Künstler vor über 3500 Jahren gefertigt und zeigt die älteste konkrete Darstellung des Kosmos‘ weltweit. Seit Juni 2013 gehört sie zum UNESCO-Weltdokumentenerbe in Deutschland.


Das Original der Himmelsscheibe wird im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle aufbewahrt. Am Fundort in der Nähe von Nebra wurde 2007 das multimediale Besucherzentrum Arche Nebra eröffnet.

Im Planetarium schauen wir uns einen Film an, in dem die heutigen Archäologen uns ihre Deutung der Arbeit ihrer bronzezeitlichen Kollegen erklären.
Das abgebildete Siebengestirn (die Plejaden), die Sichel des Mondes, der Vollmond und die beiden Horizontbögen für Sonnenauf – und -untergang haben womöglich als Erinnerungshilfe für die Bestimmung des bäuerlichen Jahres von der Vorbereitung des Ackers bis zum Abschluss der Ernte gedient.
Die Himmelsscheibe von Nebra wurde nicht in einer regulären Ausgrabung gefunden. Verwickelt und spannend wie ein Krimi liest sich die Geschichte ihrer Auffindung: Zwei Männer gruben die Scheibe im Jahr 1999 auf dem Mittelberg in Wangen bei Nebra aus.

Die beiden Raubgräber, die mit einer Metallsonde auf der Suche nach vorgeschichtlichen Metallfunden waren, hatten keineswegs vor, ihre Funde im Sinne des ordnungsgemäß beim Archäologischen Landesamt abzuliefern, sondern verkauften sie. Nach weiteren Stationen – die Objekte wurden auch Museen zum Kauf angeboten – konnten sie im Jahr 2002 in einer fingierten Ankaufssituation durch den Landesarchäologen Dr. Harald Meller und unter Einsatz der Polizei in einem Baseler Hotel sichergestellt werden (Danke, Wikipedia!)
Übrigens, schon gemerkt? Reisen bildet. 😀
Gegen Mittag sind wir zurück am Campingplatz, packen das mittlerweile trockene Zelt ein und radeln weiter Richtung Naumburg, unserem Tagesziel.

Der Fluss wird immer breiter, das Tal enger. An seinen Hängen wird nun Wein angebaut. Ich werde ihn am Abend kosten.
Kurz vor Naumburg stoßen wir noch auf ein Kuriosum: Das Steinerne Bilderbuch ist ein altes in Sandstein gehauenes Relief am unteren Teil eines Weinberges. Es ist 150 m lang und zeigt 12 fast lebensgroße Bilder mit meist biblischen Motiven aus der Weinbaugeschichte.

Wenig später steht für uns eine Verabschiedung an: von der Unstrut, die hier in die Saale mündet.

Wir schippern mit einer Seilfähre über die Saale, unser Campingplatz ist gleich auf der anderen Seite.
Noch ein Kaffee, dann fahren wir zum Abendessen in die Stadt.




Pingback: Die Himmelsscheibe von Nebra | Unterwegs