
Die höchste hier jemals gemessene Temperatur im Sommer ist 25,7 Grad. Davon sind wir heute mit 13 Grad weit entfernt, dennoch fühlt es sich nach dem Frühstück auf dem Campingplatz in Reykjavik so warm an, dass ich das erste Mal kurzärmelig losgehe. Dass hier im Winter die Gehwege beheizt werden, spürt man bei diesen sommerlichen Temperaturen natürlich auch nicht.
Wir freuen uns auf das Kontrastprogramm, das uns heute und morgen hier in der Hauptstadt erwartet – nach so viel atemberaubender Natur gibt es jetzt mal wieder Architektur und Kultur.

Zu Fuß laufen wir in die Stadt, immer am Meer lang, und stoßen bald auf eine Fotoausstellung im Freien, die die Siegerfotos eines Wettbewerbs zum Thema „Arktische Schönheiten“ zeigt.

Diese Skulptur von Jón Gunnar Amason heißt Solfar (Sonnenfahrt) und stellt ein Wikingerschiff dar. Es gehört zu den meistfotografierten Sehenswürdigkeiten der Stadt.
Das ist seltsam, denn gleich nebenan liegt Harpa, das 2011 neu eröffnete Konzerthaus, das doch mindestens ebenso fotogen ist, oder?

Wir möchten uns eine Reykjavik-Card kaufen, mit der man in Museen und Schwimmbäder gehen und Bus fahren kann. Es soll sie in der Touristen-Information geben, aber diese ist unauffindbar (trotz papiernem und digitalem Stadtplan). Ein junger Mann fragt uns auf Englisch, ob er uns helfen kann. Die Touristeninformationen sind wegen Corona und den wenigen Reisenden alle noch geschlossen, aber die von uns erwünschte Reykjavik-Card gebe es bei ihm im Museum. Einfach mitkommen,erklärt er uns mittlerweile auf Deutsch, denn er stammt aus Hanau und lebt seit 13 Jahren hier.


So landen wir im Reykjavik Art Museum und schauen uns eine Gemeinschaftsausstellung von 14 jungen KünstlerInnen der aktuellen lokalen Szene an.
Gleich gegenüber sind Stadtbibliothek und, im fünften Stock, das Fotografiemuseum. Durch die vielen spannenden Bildern des Fotografen Sigurhar Vignir, der zwischen 1917 und 1964 vor allem in Reykjavik gearbeitet hat, erfahren wir, dass früher einiges für die Gesundheit der Kinder getan wurde: der Lehrer flößte jedem Kind in der Schule Lebertran ein und es gab Sonnenbanken, durch die sie das notwendige Vitamin D bekommen sollten.

Foto von Sigurhar Vignir
Viel Kunst macht hungrig. Zwei isländische Hotdogs und eine Portion Pommes später können wir gestärkt unseren Stadtbummel fortsetzen.

Reykjavik hat nur etwa 200 000 Einwohner und zeigt sich uns recht gemütlich mit bunten Holzhäuser, kleinen Straßen, einem See im Zentrum. Alles lädt zum gemütlichen Flanieren ein.



Aber wenn man weitergeht, stößt man natürlich auch auf andere Bebauung.


Der Hallgrimskirkja können wir aufs Dach steigen und erhaschen so auch noch einen Blick von oben auf die Stadt.


Die Hallgrimskirkja wurde von 1947 bis 1974 gebaut. Erheblich kürzer, nämlich lediglich drei Jahre, war die Bauzeit für „Perlan“ (Perle), ein Multifunktionsgebäude auf dem 60 m hohen Hügel Öskjuhlið. Wir dürfen ja umsonst Bus fahren, also los. Mit dem 18er geht’s in südliche Richtung, schon nach zehn Minuten sind wir am Ziel.

Von hier oben wird die gesamte Stadt mit Wärme versorgt. Perlan ist nämlich ein riesiger Warmwasserspeicher. Fünf Wassertanks, die insgesamt 20 Mio Liter heißes Wasser bevorraten, stehen hier oben in stylischem Ambiente. Wir schlendern durch das Museum der Naturwunder Islands mit unseren heiß geliebten Papageientauchern (die wir hoffentlich auf dieser Reise noch in echt sehen werden), einem künstlichen Gletscher samt Eishöhle und einem Film über die Nordlichter.




In einem der nächsten Winter kommen wir wieder, denn Nordlichter möchten wir so gerne einmal in natura sehen.
Inzwischen ist es 20 Uhr geworden, der Bus ist gerade weg und wir machen uns zu Fuß auf den Weg. Wie war das nochmal mit kurzärmelig? Es hat zwar immer noch 13 Grad, aber die fühlen sich jetzt ganz anders an als heute Vormittag.


So ein schöner Bericht. Und so schöne Fotos. Klasse!
Aber die Preise fürs Essen kann man sich auch Schönreden. Ha, ha.
Hatte mich am Anfang schon gefragt, was ihr wohl 2 Tage in Reykjavik macht. Aber ihr seid ja kulturell interessierter als ich.
Wünsche euch weiterhin eine wunderbare Reise!!!
LikeGefällt 1 Person