
Der Emsradweg schmeichelt sich nicht sofort bei seinen BesucherInnen ein. An der Quelle wartet er zwar noch mit schöner Natur und interessanten Geschichten auf, doch danach schwächelt er für meinen Geschmack. Erst ab Kilometer 34 macht es wirklich Spaß, hier zu radeln und die Umgebung des Flusses zu erkunden. Doch der Reihe nach.
Die Ems ist ein Fluss in Norddeutschland. 382 Kilometer liegen zwischen der Quelle bei Hövelhof in der Nähe von Paderborn und der Mündung in die Nordsee bei Emden.

Wir wollen uns Zeit lassen und haben eine ganze Woche für diese Radtour eingeplant.

Wir laden die Räder in München in den ICE, steigen in Erfurt um und erreichen am Nachmittag Paderborn. Dann noch 16 km radeln und wir erreichen den kleinen Ort Hövelhof, wo wir die erste Nacht verbringen.
Am nächsten Morgen fahren wir sieben Kilometer zu den Quellen der Ems. Es handelt sich nicht um eine, sondern eine Vielzahl kleiner Quellen, die den Bach speisen, der zu einem der größten deutschen Flüsse wird.


Es dauert ziemlich lange, bis wir den Großraum Hövelhof verlassen haben. Autobahn, Bundesstraße, Siedlungen. Dann kommen die Maisfelder und die Biogasanlagen. Doch dann erreichen wir das zwar kleine aber schöne Naturschutzgebiet Steinhorster Becken und schauen eine Weile den Bussarden, Silberreihern und Gänsen zu.

Doch der Spaß währt nur kurz, schon hat uns die intensive Landwirtschaft wieder. Wenigstens die Bauernhöfe, meist propere Backsteinbauten, sind hübsch. Auch das Wetter passt: heiter bis wolkig, nicht zu warm. So lässt es sich angenehm radeln.
Schließlich erreichen wir den historischen Stadtkern von Rietberg mit seinen liebevoll restaurierten Fachwerkhäusern. Nach dem Kaffee fahren wir zum Skulpturenpark Wilfried Koch im Klostergarten eines ehemaligen Franziskanerklosters. Hier stehen elf Bronzeskulpturen des Künstlers.



Wilfried Koch wurde 1929 in Duisburg geboren und lebt seit 1971 mit seiner Frau Hilde hier in Rietberg. Sowohl die Skulpturen als auch der Park selbst mit einem See und einer Vielzahl von Bäumen machen uns viel Freude.
Von hier sind es nur noch zwölf Kilometer bis zum heutigen Etappenziel, dem schmucken Rheda-Wiedenbrück. Und wieder stoßen wir auf bestens erhaltene Fachwerkhäuser und weitere Kunstwerke, diesmal von zwei Frauen, Christel Lechner und ihrer Tochter Laura. Gleich neben der Garage unseres Hotels, in der wir unsere Räder unterstellen, sehen wir die ersten von insgesamt 90 Skulpturen, die von März bis September über die ganze Stadt verteilt ausgestellt werden.

Im Hotel gibt es einen Flyer mit einem Lageplan der Kunstwerke und nach einer kurzen Dusche und einem Willkommenstrunk machen wir uns auf zu einem Erkundungsgang.



„Alltagsmenschen“ nennen die Künstlerinnen ihre Betonfiguren, die an 27 verschiedenen prägnanten Schauplätzen in das Stadtbild integriert wurden.
Schließlich hat die Kultur geschafft, was der Natur bisher noch nicht so richtig gelungen ist: mir den Emsradweg schmackhaft zu machen. Ich bin gespannt, wie es weitergeht.
