
Gleich in der Früh bildet sich das Motto des heutigen Tages heraus: Unser Grabowski heißt Achim. Der am Vormittag bereits eine Heldentat vollbringt und mit Hilfe eines Fahrradhelms einen in eine Betonrinne gefallenen Maulwurf rettet.

Nach der Aufregung entspannen wir an der 1000jährigen Eiche, unter die sich das erschrockene Tier nach der gelungenen Rettungsaktion flüchtet. Vor lauter Schreck hat es uns im Fahrradhelm übrigens ein kleines Souvenir hinterlassen 😀.

Der Dortmund-Ems-Kanal verbindet als künstliche Wasserstraße zusammen mit schiffbaren Abschnitten der Ems die Nordsee mit dem Ruhrgebiet. Erbaut wurde er zwischen 1892 bis 1899. Wir überqueren ihn nach 20 Kilometern.

Die Textilindustrie war bis Mitte des 20. Jahrhunderts einer der bedeutendsten Industriezweige der kleinen Stadt Greven im Münsterland. In Hochzeiten verdienten bis zu 3000 ArbeiterInnen hier ihr tägliches Brot. Heute greifen Kunstwerke am Emsufer dieses Thema auf.

Die „WOLKENfabrik“ von Anna Arnskötter beispielsweise: „Die rauchenden Fabrikschlote der Textilstadt sind erloschen, werden verwandelt in einen Turm, der die Fabrik trägt. Die Wolke umhüllt die Fabrik, der Wind treibt sie zum Meer hin, wo die Ems in die Nordsee mündet. Und der Schornstein wird zum Leuchtturm.“

Oder der „WEBstuhl“ von Manfred Schlüter: „Schlank wie eine Säule streben sechs Stahlbänder, die sich in der Mitte zu einem Geflecht verweben, in die Höhe und enden in einer Gruppe von bizarren Händen. Die fleißigen Weberhände recken sich jetzt in den Himmel. Eine Erinnerung an die vielen Weberinnen und Weber, die einstmals die Geschichte der Stadt geprägt haben.“

Wie lange dieses Handwerk diese Gegend bereits prägt, sehen wir einige Kilometer außerhalb der Stadt. Hier wurde eine frühmittelalterliche Hofstelle aus dem 8. Jahrhundert rekonstruiert.
Im Grubenhaus (Bild oben) waren die Webstühle aufgestellt. Die Häuser wurden in eine ein Meter tiefe Grube gesetzt, was die Luftfeuchtigkeit erhöht. Dies war günstig für die Textilherstellung, besonders für Leinen, weil dadurch die Fäden der Webware geschmeidig gehalten wurden.

Inzwischen ist das Thermometer auf 26 Grad geklettert und ein Sekundenschlaf tut gut.

Nach 60 Kilometern erreichen wir Emsdetten, unser heutiges Tagesziel. Das Thema Textilherstellung zieht sich durch: hier hat die Firma Schilgen ihren Sitz, bei der Verpackungskünstler Christo seine Stoffe geordert hat, zum Beispiel für die kilometerlange Verhüllung des Central Parks in New York.

Wir duschen, ziehen unsere leichtesten Textilien an und genießen im Biergarten unseres Hotels den lauen Sommerabend.
