Viel Schönes am Wegesrand

Unser Übernachtungsplatz im Schnee, kurz hinter der Passhöhe des Trollstigen, war wunderschön. Völlig anders, aber nicht minder schön, schlafen wir in der darauffolgenden Nacht: hinter uns eine hübsche kleine Kirche, vor uns das Meer, neben uns die hier traditionellen roten Bootshäuser. Die Wellen schlagen wenige Meter von uns entfernt an den Strand.

Während wir frühstücken, kommt eine Schulklasse an unserem Bus vorbei und biegt hinter den Bootshäusern ab auf den Kai. Bald hören wir die Stimme des Lehrers, der etwas erklärt. Wir ziehen uns an, um noch eine Runde spazieren zu gehen und sehen, worum es in dieser Unterrichtsstunde geht: Rettung aus Seenot. Der Lehrer zeigt den Kindern, wie man mit einem Rettungsring umgeht. Zunächst als Trockenübung, dann, eh wir uns versehen, sind die Kinder im Badezeug und üben in echt! Im eiskalten Wasser! Bei 10 Grad Außentemperatur! Mayday, Mayday! Hier werden Kinder misshandelt! Hm ja, oder auch nicht. Die Bande ist offensichtlich quietschvergnügt.

In Molde gibt es den Hausberg Varden, in zehn Minuten ist man mit dem Auto oben. 222 Berggipfel sollen es sein, die die Stadt umgeben, 87 davon sind über 1000 Meter hoch. Ihre schneebedeckten Spitzen glitzern in der Sonne. Ins Wasser getupft sind unzählige Inselchen. Das Panorama von einzigartiger Schönheit genießen wir gemeinsam mit anderen Touristen, von denen sich ein Paar den Frühstückstisch hübsch mit leckerem Essen und einem kleinen Blumentopf gedeckt hat, und einer Damengruppe aus dem heimischen Pflegeheim, die nebeneinander auf einer Steinmauer sitzen, die Rollatoren ordentlich vor sich aufgereiht.

Einen schönen Platz für unsere (Nach-)mittagspause(n) ist eine tägliche Herausforderung, die wir allermeistens mit Bravour meistern. Auch heute ist das kein Problem. Die Reste vom gestrigen Abendessen und als Nachtisch Zimtkuchen und eine frisch aufgebrühte Tasse Kaffee gibt es auf dem ersten Parkplatz an der Atlantikstraße. Mit Aussicht, wie sich das gehört.

Die Atlantikstraße hatten wir uns spektakulärer vorgestellt. Sie gehört zu den norwegischen Landschaftsrouten und die Beschreibung liest sich so: „‚Die Straße im Meer‘ ist das legendäre Erlebnis, bei dem sich Brücken zwischen Holmen und Schären entlang der rauen Küste der Hustadvika entlangschlängeln.“ Die Atlantikstraße sei eine Wohltat für die Augen. Elegant schwinge sie sich über die sieben Brücken von Inselchen zu Inselchen. Auch das Plakat, das ich abfotografiert habe, verspricht viel.

Als wir dann jedoch auf der Straße fahren, können wir die Begeisterung nicht nachempfinden. Sicher ist die erste Brücke von besonderer Art und schön anzuschauen. Sicher ist auch die uns umgebende Landschaft nach wie vor wunderschön. Doch das ‚legendäre Erlebnis‘ stellt sich für uns nicht ein. Macht aber nichts, schön ist die Strecke allemal.

Für heute habe ich mir gewünscht, dass wir mal früher an unserem Stellplatz ankommen, um genügend Zeit zu haben, mit einem leckeren Getränk in der Sonne zu sitzen. Das mit 17 Uhr hat geklappt, das mit einem schönen Platz am Meer auch. Dumm nur, dass die Sonne nicht mehr scheint. Wir haben aber Glück, denn wenige Meter von unserem Bus entfernt beginnt ein Klippenwanderweg. Schön.

2 Gedanken zu „Viel Schönes am Wegesrand

  1. Avatar von axcelsaxcels

    Freu mich immer über eure Berichte und Fotos. Aber ein Foto hab ich doch vermisst. Nämlich das mit den Damen auf der Mauer und den geparkten Rollatoren. Weiterhin trockene Reise!

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