Stockfisch stinkt

Stockfisch wird heute noch genauso gefertigt wie zu Zeiten der Wikinger: Der Kabeljau wird von Februar/März an rundum das Fischerdorf auf Holzstellagen bis Juni an der frischen Luft getrocknet. Der Fisch ist ausgenommen und der Kopf ist abgetrennt und wird auf extra Gestellen getrocknet.

Der Stockfisch, neben dem wir diese Nacht parken, stinkt zum Himmel. Wie es sich hier gehört. Er riecht nach Meer, nach Norden. Er gehört der Familie Sverdrup in dem kleinen Ort Reine im Süden der Lofoten, die dieses Gewerbe schon in der fünften Generation betreibt.

Der Fisch wird u. a. nach Italien, Kroatien und in die USA exportiert. Die Köpfe der Fische werden nach Nigeria verkauft, wo sie in einer traditionellen Mahlzeit Verwendung finden.

Wir sind gestern nach einer vierstündigen Schiffsreise auf den Lofoten gelandet, dem Archipel, der zu den Erstgeborenen auf dieser Erde zählt. Er besticht durch bizarre Felsformationen, weiße Sandstrände, bunte Fischerdörfer und, je nach Wetter, türkisgrünes Meer.

Seit den 70er Jahren geht es bergab mit der Fischerei, die einst die Menschen hier ernährte, und die Inseln waren schon der Entvölkerung geweiht – bis sie vom Tourismus entdeckt wurden, dessen Einnahmen die der Fischerei nun bei weitem übersteigen.

Wie immer ist es nun eine Frage der richtigen Balance, der richtigen Entwicklung. Wir sind noch nicht lange genug hier, um das zu beurteilen. Natürlich sind jetzt in der Hochsaison viele Touristen hier. Wer nicht im Wohnmobil (oder ein paar junge Leute auch im Zelt) schläft, übernachtet in hübschen rot angestrichenen Rudererhäuschen, meist Pfahlbauten, die hier in fast jedem kleinen Ort zu finden sind. Bausünden haben wir bisher aber noch keine einzige entdeckt.

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