Weiße Nächte, schlaflos

Nächtliches Fotoshooting

Die weißen Nächte rauben mir den Schlaf. Wenn die ganze Nacht die Sonne scheint, komme ich nicht zur Ruhe. Es macht mich richtiggehend kribbelig und ich verliere jegliches Zeitgefühl.

Gegen elf, halb zwölf lege ich mich dann doch hin, im Bus sind alle Rollos runter, und ich versuche zu schlafen. Ich döse ein bisschen, gegen zwölf, halb eins kommt Achim ins Bett, ich döse weiter und um zwei, drei Uhr bin ich oft immer noch wach, durch die Ritzen sehe ich, dass es taghell ist. Irgendwann schlafe ich dann doch ein und bin um halb acht wieder munter. Nicht viel Schlaf, aber das macht nichts. Ich muss ja tagsüber nur gucken und staunen.

Seit wir die Lofoten verlassen haben, sind weniger Fahrzeuge zu sehen, es gibt weniger Dörfer und Städte, dafür umso mehr Natur, die einen umhaut.

Am Abend finden wir ein Plätzchen zum Dahinschmelzen. Ein Wald. Ein See. Und wir. Ich springe gleich mal ins Wasser. Diesmal ist es nicht zu kalt. Leider fühlen nicht nur wir uns hier sehr wohl. Bald tauchen die Bremsen auf (so riesig wie Drohnen!), gefolgt von den Mücken. Wir fliehen in den Bus. Weil es so heiß ist (sic!), reißen wir alle Fenster und die große Schiebetür auf, Insektenrollos vor und schon sitzen wir gut geschützt wie in einem großen Moskitonetz.

Achim macht zwei Dosen Bier auf und spielt Moustaki ab, um mich bei Laune zu halten. Denn jetzt backe ich Apfelkuchen. Und das weiß man ja: je besser die Bäckerin drauf ist, umso besser wird der Kuchen. In einer tropischen Nacht weit jenseits des Polarkreises (es hat um zehn noch 24 Grad!) geht es der Bäckerin eh top. Übrigens: nachts um zehn Kuchenbacken gehört auch zum Weiße-Nächte-Syndrom.

Ein Alpenpanorama mit schneebedeckten Gipfeln, das Meer säumend, bei fast 30 Grad. Das ist die Kulisse vieler Stunden des nächsten Tages. Wir können uns gar nicht satt sehen. Über 100 Kilometer zieht sich die teilweise vergletscherte Kette der Lyngenalpen am gleichnamigen Fjord entlang. Wir sind begeistert.

In der Pause am Nachmittag nützen wir das heiße Wetter aus und machen „große“ Wäsche. Bei den Temperaturen sollten die Sachen wohl im Bus trocknen.

Die E 6 bringt uns weiter nach Norden. Kurz steigt der Adrenalinpegel, als ein WoMo gegen die Fahrtrichtung vor einer Tunneleinfahrt steht. Aus den Augenwinkeln nehme ich gleichzeitig ein Warnschild wahr, lese noch die Worte „Rentier“ und „Tunnel“, sehe einen Mann am Eingang des Tunnels, der uns Zeichen gibt und dann steht, zum Glück auf der linken Fahrbahn (auf der gerade keine Autos kommen), ein ausgewachsene Rentier samt riesigem Geweih. Viel zu schnell sind wir vorbei und verlieren das Tier aus den Augen.

Eine weitere tropische Nacht verbringen wir an einem Fjord mit etlichen Einheimischen und Touristen, die grillen und fischen und chillen.

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