
Ganze 43 Kilometer haben wir es jetzt weiter Richtung Süden geschafft. Da wir etwa zwei Wochen Zeit haben, um die 900 Kilometer an der Atlantikküste hinunter zu fahren, sind so kurze Strecken gerade goldrichtig für uns. Unsere dritte Etappe endet in Larache.

Hier mündet der Fluss Loukkos in den Atlantik.Wir steuern einen bewachten Parkplatz am nördlichen Flussufer an mit Blick auf die Stadt und das Meer. Während wir in einer der Strandbuden erstmal einen Tee trinken und das Panorama genießen, interessiert sich eine Schafherde für unseren Bus.

Es soll hier Boote geben, die einen über den Fluss in die Stadt fahren. Wir sehen aber keine. „Heute sind die Wellen zu hoch“, meint einer der Fischer, den ich danach frage. Also wieder rein in den Bus und zwölf Kilometer außen rum bis in die Stadt fahren.
Das lohnt sich aber. Wir betreten die Medina und sind sofort in ihren Bann gezogen.



Verschiedenartige Waren werden zum Verkauf angeboten. Keine Souvenirs für Touristen sondern Waren für die Menschen, die hier leben. Von der Waschmaschine über Schuhe bis hin zur Unterwäsche. Ein Mann schiebt seinen rollenden Imbisswagen durch die Straße und ich luge neugierig hinein.

Er bereitet Baguettes zu, die er mit Falaffeln und hartgekochten Eiern füllt. In zwei großen Backformen bietet er süßes Gebäck an. Eine junge Französisch sprechende Frau meint, dass es aus Kichererbsen zubereitet sei. Ehe ich mich versehe, drückt uns der Verkäufer eine Kostprobe in die Hand und während wir diese noch probieren, landen schon kleine Falaffelbällchen auf einem Stück Papier und wiederum in unseren Händen. Lecker! Ich zücke mein Portemonnaie, weil ich noch ein Baguette kaufen möchte, doch der Verkäufer missversteht die Geste. „Non, non, non!“ Seine Hand landet schwungvoll auf seinem Herzen. Das ist ein Geschenk. Willkommen in Marokko.
An der nächsten Ecke kaufen wir eine Art knusprigen süßen Pfannkuchen, an der übernächsten frisch gepressten Orangensaft, gefolgt von Datteln und Erdnüssen.
Satt und zufrieden verlassen wir die Medina durch das große Tor Bab el Khemis und suchen uns ein Straßencafé auf der zentralen Place de la Libération.


Unser Camper steht unweit des Hafens. Wir bummeln gemütlich weiter durch den Ort und genießen die entspannte Atmosphäre.


Den Abend verbringe ich damit, meine neu erworbenen Vokabeln ins Reine zu schreiben und zu versuchen, mir die eine oder andere einzuprägen. Auf dem Campingplatz in Asilah habe ich Bekanntschaft mit Karen aus Mecklenburg-Vorpommern gemacht, die zehn Jahre mit einem Marrokaner verheiratet war und in dieser Zeit sowohl Arabisch als auch die Berbersprache Tamazight gelernt hat. Kostprobe gefällig? La sagt man auf Arabisch für nein, oho heißt es auf Tamazight, was übrigens neben Arabisch und Französisch Amtssprache in Marokko ist. Seit Jahren schon verwende ich die Würzmischung Raz El Hanout in der Küche. Jetzt habe ich gelernt, was es bedeutet: Hanout bedeutet Laden, Raz El Hanout ist das Beste aus dem Laden.

Sonnenuntergang heißt übrigens ghrub auf Arabisch. Auf Tamazigh muss ich es erst noch herausfinden.
