Siebter Stopp: Oualidia via El Jadida

Es gibt in meinen Augen nicht vieles, was schöner ist als am Strand aufzuwachen, das Meer zu hören und dann gleich einen Spaziergang zu machen. So beginnt unser Tag heute und es ist einer dieser Glücksmomente, die mich innehalten und darüber nachdenken lassen, wie gut es mir geht. Und dann steht kurz vor Sonnenaufgang auch noch der Vollmond am Himmel und die Möwen genießen vor unserem Bus die ersten Sonnenstrahlen.

Uns ist das Brot ausgegangen, deshalb gibt es Cornflakes und eine der riesigen süßen Orangen, die hier überall verkauft werden, zum Frühstück. Wir wördeln und SZ-rätseln, machen Morgentoilette und fegen den Bus aus und schon ist es elf und wir machen uns auf ins 70 Kilometer entfernte El Jadida. Hier waren wir vor ein paar Jahren schon mal für einige Tage mit unseren lieben Freunden Angie und Ralf. Damals war WM und wir schauten eins der Deutschlandspiele in einer Kneipe. Es waren viele Einheimische da, die zu Anfang recht neutral waren. Nachdem wir uns bei ein paar Spielzügen als deutsche Fans geoutet hatten, bekamen wir bald Unterstützung von den Männern um uns herum – und gewannen das Spiel. Fröhliches Abklatschen allenthalben war angesagt.

El Jadida ist eine sehr alte Stadt. Große Bedeutung hatte sie im 16. Jahrhundert, als die Portugiesen hier eine Festung errichteten, die sie fast 150 Jahre lang unter dem Namen Mazagan betrieben. Große Teile der Anlage sind noch erhalten und die Cité Portugaise gehört seit 2004 zum Weltkulturerbe.

Es gibt ein, zwei Straßen, in denen Souvenirs angeboten werden, ansonsten schlendert man durch Wohnviertel, in denen Kinder Fußball spielen, Frauen Tabletts mit Brot- und Kuchenteig durch die Gassen zum gemeinsamen Backofen tragen oder ihre Wäsche aufhängen.

Inzwischen ist es eins geworden und wir haben Hunger. Ein Lokal wirbt mit seiner Dachterrasse, wir klettern drei Stockwerke hinauf und blicken über die Dächer der alten Stadt auf den Atlantik.

Wir bestellen zwei Tajines, eine der beiden marokkanischen Nationalspeisen (die andere ist Couscous). In den dafür typischen Tongefäßen wird uns geschmortes Gemüse in dem einen und kleine Hackfleischbällchen mit Sauce und einem Ei in der Mitte in dem anderen serviert.

Mit Milchkaffee, Pfefferminztee und Trinkgeld zahlen wir 16 Euro und laufen hochzufrieden entlang der großzügig angelegten Uferpromenade zurück zum Bus.

Während auf der Strecke zwischen Casablanca und El Jadida ziemlich schicke Wohnanlagen den Weg säumten (bestimmt dienen viele davon als Wochenend- und Sommersitz für gut situierte Großstädter), fahren wir jetzt durch Industriegebiete. Südlich von El Jadida ist das Zentrum der Düngemittelherstellung und des Phosphatexports.

Doch auch das hat ein Ende und bald fahren wir auf einer kleinen Küstenstraße durch landwirtschaftlich genutztes Gebiet. Rotkohl und Kartoffeln kann ich im Vorbeifahren erkennen. Wir machen noch eine kurze Kaffeepause am Straßenrand, kaufen Brot und Tomaten ein und erreichen nach insgesamt 100 weiteren Kilometern Oualidia.

Der Ort liegt an einer Lagune, wo wir ebenfalls schon einmal wunderbare Tage mit Spaziergängen, Bootsfahrt, Austernverkostung (ui, gar nicht meins) und Boulespielen verbracht haben.

Damals wohnten wir in einem herrlichen Hotel inmitten vieler blühender Blumen direkt am Meer. Diesmal sind wir ein bisschen außerhalb auf einem Campingplatz. Meerblick haben wir aber auch. Morgen bleiben wir noch hier und erkunden Ort und Lagune.

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