
Das erste Berber-Omelette meines Lebens esse ich in der Schlucht von Ait Mansour, 20 Kilometer südlich von Tafraoute. So so gut! Zwiebeln in der Tajine anschmoren und gewürfelte Tomaten dazugeben. Mit Kreuzkümmel, Salz und frischem Koriander würzen. Zehn Minuten bei geschlossenem Deckel schmoren lassen. Währenddessen die Eier (drei pro Person!) luftig aufschlagen und zu der Tomatenmasse geben. Zehn Minuten stocken lassen (der Deckel ist wieder drauf). Zum Schluss eine Handvoll Oliven und nochmal etwas frischen Koriander drübergeben. Frisches Brot dazu reichen und direkt aus der Tajine essen. Messaoud, der Besitzer des kleinen Restaurants, auf dessen Dachterrasse wir sitzen, verrät uns das Rezept und ganz sicher werde ich es bald nachkochen.
Wir bleiben auf dem Parkplatz neben seinem Lokal stehen und laufen ein kleines Stündchen durch die Schlucht. Es ist eine schmale Straße, aber es gibt kaum Autos, so dass man hier sehr entspannt gehen kann. Ein paar Hunde lassen sich gern streicheln und begleiten uns ein Stück des Weges.

Die Gorges d’Ait Mansour ist das Bett eines Wildbachs. Gesäumt wird es über eine Länge von 10 Kilometern von nackten roten Felsen und üppigen Palmen. Hin und wieder stoßen wir bei unserer Wanderung auf ein kleines Straßencafé, queren ein Dorf mit Moschee und Schule.

Die starken Regenfälle im Februar haben auch hier für Schäden gesorgt. Die Häuser und die Straße wurden zum Glück nicht geschädigt, wohl aber wurden etliche Palmen von der Wucht des aus dem Bett getretenen Wassers umgeworfen.

Eine schöne Bergstraße führt uns zurück nach Tafraoute.

Nordöstlich erstreckt sich das Ammelntal, in dem man immer wieder Bergdörfer an den Felshängen in mehr oder weniger luftiger Höhe entdeckt.

Wir folgen ihm über die R105, um über einen Schlenker in nördlicher Richtungen (via Igherm) auf gut ausgebauter Straße ins südlich gelegene Tata am Rande der Sahara zu gelangen. Auf einmal sehen wir ein Schild: nach Tata rechts rum. Wir halten, studieren unsere digitalen und papiernen Landkarten, fragen beim Ladenbesitzer nach („Oui, Tata, à droite. Ja, nach Tata rechts rum.“ Das ist vielversprechend. Wenn mit dieser Route alles klar geht, sparen wir uns schätzungsweise rund 100 Kilometer.
Wir biegen also ab und tauchen ein in eine noch einsamer Bergwelt. „Unglaublich!“, ist das Wort des Abends.

Die Straße ist schmal, aber es gibt so gut wie keinen Gegenverkehr. Wir sind umgeben von nahezu kahlen welligen Bergen, ganz selten wächst hier mal ein Baum. Nach fast 30 Kilometern Natur pur wird es Zeit, einen Schlafplatz zu finden. Es geht auf halb acht zu, bald wird es dunkel. Stell- oder Campingplätze sucht man hier vergeblich. Wir beäugen das Terrain und halten Ausschau nach einer abgeflachten Straßenkante (die überragt hier das Bankett gern mal um 20 cm) und einem ebenen Platz neben der Straße. Bald werden wir fündig. Die Sonne geht gerade unter, als wir uns inmitten der Berge positionieren. Als wir nach dem Abendessen nochmal nach draußen schauen, umgibt uns tiefstes Dunkel. Und Millionen von Sternen.

