Wanderung zur Wasseruhr in Tata

Verwirrung am Morgen. Die Busuhr zeigt viertel nach sechs, als ich wach werde. Passt gut, denn wegen der Hitze, die hier tagsüber herrscht, hatten wir uns einen frühen Start für unsere Wanderung zur historischen Wasseruhr vorgenommen. Als ich wenig später auf mein Handy schaue, zeigt dies zwanzig nach fünf an. Draußen ist es noch dunkel, was für beide Urzeiten zutrifft. Achims Armbanduhr zeigt zwanzig nach sechs, sein Handy zwanzig nach fünf wie meins. Dann fällt der Groschen: Zeitumstellung. Wir haben ja gewusst, dass hier in Marokko zum Fastenmonat Ramadan, der am 22. März beginnt, die Uhr um eine Stunde zurückgestellt wird, aber wann genau wussten wir nicht. Heute Nacht. Jetzt wissen wir ’s.

Und so brechen wir tatsächlich um kurz vor sieben bei noch frischen 12 Grad zu unserer Wanderung auf.

Wir wollen zur historischen Wasseruhr im Dorf Agadir-Lehne. Das ist eine Stunde von uns entfernt und der Weg führt durch üppige Palmengärten. Ich habe gelesen, dass diese Gärten auf drei Ebenen bewirtschaftet werden: Ganz oben thronen die Fächer der Palmen und spenden darunter stehenden Obstbäumen wie Granatapfelbäumen lichten Schatten. Auf dem Boden wächst Grünfutter oder Getreide. Fast durchgängig sind die Gärten von übermannshohen Lehmmauern eingefasst.

Immer wieder treffen wir auf Frauen, die mit Sicheln den Klee schneiden und auf Handkarren nach Hause transportieren. Jede grüßt uns freundlich. „Guten Morgen!“, ruft uns ein Mann auf einem Fahrrad zu. „Der Park wird erst am Abend geöffnet“, erklärt er, weil wir neugierig durchs Gitter schauen. „Danke! Vielleicht kommen wir dann später nochmal.“ Vom Ort Tata hierher läuft man mindestens eine halbe Stunde. Ob hier viel los ist am Abend? Es sieht jedenfalls sehr hübsch aus und Spielgeräte für Kinder erspähe ich auch.

Bald erreichen wir das Lehmhaus, in dem den Beschreibungen zufolge die Wasseruhr sein soll. Alles ist zugesperrt, niemand da. Draußen sieht man Wasser durch verschiedene Kanäle fließen. Es ist hier ein noch kostbareres Gut als bei uns zuhause, weil es noch rarer ist. Die Zuteilung auf die einzelnen Felder ist nach einem eingespielten System geregelt. Jeder bekommt alle paar Tage für einen bestimmten Zeitraum Wasser zur Bewässerung seiner Felder.

Im Dorfladen erkundigen wir uns nach der Wasseruhr und dem Wasserwächter. Mit Hilfe unserer Handys und einer Übersetzungsapp erfahre ich, dass das Messsystem bei den Unwettern im Februar zerstört wurde und erst wieder repariert werden müsse. Wie schade!

Wir hocken uns vors Wasserhaus, vertilgen unser mitgebrachtes Frühstück und stöbern ein wenig im Internet. Bei Marokko erfahren lesen wir, was wir uns leider aktuell nicht anschauen können: In einem Pavillon sitzt der Wasserwärter und passt auf die Wasseruhr auf. In einer mit einer Glocke geschlossenen und einer Decke abgedeckten Schüssel schwimmt der Tanast, eine Kupferschale mit einem kleinen Loch unten, durch welches das Wasser langsam eintritt. Nach 45 Minuten ist die Schüssel voll und gleitet dadurch mit einem leichten Scheppern zum Boden des Behälters. Der Wächter macht in ein an der Abdeck-Glocke hängendes Seil einen Knoten und fixiert damit den Ablauf einer Zeiteinheit.“ Man muss sich bekanntlich immer etwas fürs nächste Mal aufheben. Vielleicht ist die Wasseruhr bis dahin repariert.

Auf dem Rückweg nach Tata kommen wir an einem großen Wasserreservoir, dem Neubau einer Moschee und einer hübsch angemalten Schule vorbei.

Den Rest des Tages verbringen wir am und im Bus, Lesen, auf den Fluss gucken, Schlafen, Apfelkuchen backen (und essen natürlich).

Erst gegen Abend ziehen wir nochmal los, um das Wadi zu erkunden. Auf der gegenüber liegenden Seite des Flusses ist ein Lehmdorf auf einen Fels gebaut. Wir laufen ein bisschen das Flussbett hinunter auf der Suche nach einem Damm oder einer Furt. Gibt es aber nicht. Zum außen rum laufen sind wir heute zu faul. Wir verschieben also auch diese Exkursion auf nächstes Mal.

Nicht auf nächstes Mal verschiebe ich die Zubereitung des Berber-Omelettes. Sieht prima aus und schmeckt auch so. Da ich keine Tajine habe, habe ich es in unserer beschichteten Pfanne gebacken. Einwandfrei.

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