16. Stopp: Bei den Dünen von Tinfou

Der Sand ist kalt und feucht, als ich bei Sonnenaufgang auf den Scheitel der Düne hochstapfe. Die Sonne hat es noch nicht über den Bergkamm geschafft, meine Reisegefährten und die meisten Beduinen unten in ihren Zelten schlafen noch. Einige Vögel zwitschern schon, in der Ferne höre ich einen LKW, ein Dromedar schreit. Feine Spuren von Nebeltrinkerkäfern (PS: ein paar Tage später durch Beobachtung gelernt) durchziehen die Oberfläche der Düne.

Als wir am Nachmittag zuvor hier ankamen, war es heiß (auch für diesen Tag sind über 30 Grad angesagt), bei den Beduinenzelten war einiges los. Männer pflockten ihre Dromedare an, brachten ihnen Futter, luden die vorbeikommende Touristin auf einen Tee ein und fotografierten sie mit ihrem Lieblingskamel. Die Dame wurde mir vorgestellt, doch ich habe ihren Namen leider vergessen.

Die Dünen von Tinfou sind nur klein, aber ich bin hingerissen von den vielen Dromedaren, die ich hier aus nächster Nähe anschauen und auch streicheln darf. „Ein Dromedar mag es nicht besonders, wenn man es am Hals krault“, erklärt mir sein Besitzer. „Aber die Nase streicheln, das lieben sie.“

Unser letzter Stopp war Foum Zguid. Von dort aus sind wir 150 Kilometer hierher gefahren. Hohe Tafelberge im Hintergrund, karger Boden, vor allem mit Steinen durchsetzt, immer wieder etwas Sand dazwischen, säumen die gut ausgebaute N12. In dieser Ödnis ist es den Menschen gelungen, Felder anzulegen und Gemüse zu ziehen. Sogar Melonen werden hier angebaut. Noch ist ihre Erntezeit aber nicht gekommen.

Die erste Stadt auf unserem Weg ist Zagora. Entlang der Hauptstraße stehen prächtige Gebäude, Verwaltung und Militär, der Soukh, Geschäfte, Cafés. In den Seitengassen sind die Werkstätten, weitere Läden und einfachere Häuser zu finden. Wir kaufen Melonen (leider noch nicht von hier sondern aus Agadir) und probieren Joghurt mit Granatapfelsirup. Sehr fein.

Unser nächster Halt ist das Töpferdorf Tamegroute. Männer heizen mit getrockneten Palmwedeln die Öfen ein und bringen sie auf 1000 Grad. Wer diese harte Arbeit macht, darf am nächsten Tag bei leichterer Arbeit ausruhen, wird uns erzählt. Die Kooperative hat das so geregelt. Wir streichen durch die Gassen unterhalb der Töpfereien, fragen uns, wie es sein muss, hier zu leben. Durch eine geöffnete Tür schaue ich in eine Küche. Eine gut gekleidete junge Frau kommt mir aus einer dunklen Sackgasse freundlich grüßend entgegen.

Wieder im Tageslicht kaufen wir eine schöne Schale ein, trinken Kaffee und essen einen kleinen frisch gegrillten Spieß mit Rindfleischstückchen.

Dann fahren wir die letzten sechs Kilometer bis zum Hotel Sahara Sky bei den Dünen von Tinfou. Hier haben wir am Abend eine Verabredung mit Patrick zum Sternegucken. Fritz Koring hat hier vor über zehn Jahren die einzige private Sternwarte Nordafrikas eröffnet. Auf der Dachterrasse seines Hotels sind hochwertige Teleskope installiert. Patrick, aus Belgien, ist der Haus- und Hofastronom und entführt uns in der Nacht zu den Sternen unserer Milchstraße und weiterer Galaxien. Milliarden von Sternen funkeln am schwarzen Nachthimmel, ich werde ganz schwindelig, wenn ich durchs Fernglas schaue. Eine Sternschnuppe bekomme ich zuguterletzt auch noch geschenkt.

Ein Gedanke zu „16. Stopp: Bei den Dünen von Tinfou

  1. Avatar von Friederike GeorgeFriederike George

    Liebe Eva,
    es ist echt interessant, in Gedanken mit Euch zu reisen – und diese
    tollen Fotos!
    Da ich übermorgen selbst wegfahre, melde ich mich jetzt von Eurem Blog ab,
    bitte Euch herzlich, es mir nicht zu verübeln,
    und wünsche euch weiterhin eine gute Reise!!!
    Eure Friederike

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