17. Stopp: Tamnougalt

Rein in die Wüste, raus aus der Wüste, zurück in die Berge – so könnte man die Route der beiden vergangenen Tage in Kurzform beschreiben. Von den Dünen bei Tinfou sind wir noch 70 km näher an die Sahara herangefahren. In zwei Stufen haben wir uns vorgearbeitet. Hoch auf 1000 Meter, eine leere Hochebene gequert, wieder runter, wieder hoch und schließlich runter nach Mhamid, ein kleiner Ort am Rande der Sahara.

Hier werden an jeder Ecke die „Sahara Services“ angeboten: Dromedarritt in die Wüste, 4×4-Fahrten mit und ohne Übernachtung im Berberbiwak, Sandsurfen. Ansonsten gibt es kleine Hotels, ein paar Campingplätze, winzige Läden, Hitze und Staub.

Uns hält es hier nur für einen Spaziergang und ein kleines Mittagessen, dann fahren wir dieselbe Strecke wieder zurück. Die Straße ist gut, die Landschaft nur scheinbar eintönig, wir haben genug zum Gucken und ein Stündchen später sitzen wir wieder in Zagora beim gleichen Joghurtverkäufer wie am Tag zuvor. Seine Frau wirft mir aus der Küche sogar eine Kusshand zu.

Dann lenken wir den Bus nach Norden, um das Draatal zu besuchen. Der Fluss hat es geschafft, hier eine grüne Schneise zu schlagen und der Mensch hat sich nicht nur in Häusern in dieser Region niedergelassen sondern viele Kasbahs, Wohnburgen, errichtet.

Die älteste ist die in Tamnougalt, wo wir uns  am Abend auf  einen kleinen Campingplatz in einem idyllischen Garten stellen. Sogar ein Pfau wohnt hier.

Die Kasbah besichtigen wir am nächsten Morgen.  Wir werden mit dem zweiten Mann, der sich als Führer anbietet, handelseinig. Für 50 Dirham schließt er uns die Tür zu einer Kasbah in der früheren Mellah, dem Viertel der Juden, auf. Er zeigt uns ein sehr schön gearbeitetes Fenster, die Überreste der Synagoge und die Dachterrasse, auf der man angenehm kühl  schlafen konnte. Bis Ende der 50er Jahre war diese Mellah bewohnt, erzählt er.

Die Kasbah, die er uns dann zeigt, sei im Besitz seiner Familie gewesen. 13 Menschen hätten hier zusammen gewohnt. Heute leben im gesamten Ksar, dem alten Dorf, noch 20 Personen, bis vor ein paar Jahrzehnten waren es etwa 150. Vieles ist inzwischen unbewohnbar, sieht aber mit seinen beeindruckenden Lehmbauten immer noch sehr eindrucksvoll aus. Renovierungsarbeiten seien im Gange und würden mit Hilfe der Gelder, die die Touristen für die Besichtigung zahlen, finanziert. Inshallah.

Auf der Nebenstraße fahren wir weiter Richtung Osten und sehen noch viele weitere Ksars und Kasbahs und die üppigen vom Draa geschaffenen Palmenbänder. Wir passieren lebendige Dörfer, kaufen Wasser, Kaffee und Kekse ein und bestaunen die neuen Bauten, die sich im Stil an die alte Architektur anpasst.

Etwa 30 km vor Nekob erreichen wir eine größere Straße und die Landschaft ändert sich wieder komplett. Wir haben das Flusstal verlassen und queren nun eine Hochebene, eine Steinwüste flankiert von Tafelbergen.

Nekob wird als Stadt der 45 Kasbahs bezeichnet und liegt auf 1000 Meter Höhe.  Es ist ruhig hier, denn heute ist der erste Tag des Ramadan und Einheimische sitzen jetzt natürlich nicht im Café.

Wir schlendern durch den Ort, sehen uns gefühlt ein Viertel aller Kasbahs an und fallen erschöpft auf den Kaffeehausstuhl und ruhen uns aus.

Danach geht es weiter Richtung Berge. Morgen wird wieder mal gewandert.

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