Was für ein Tag! Er beginnt mit einem prächtigen Frühstück, führt uns in eine Polizeistation und endet mit der Suche nach einem Stellplatz im Dunkeln. Doch der Reihe nach.

Meine lieben Mitreisenden lassen es sich nicht nehmen, mir einen wunderschönen Geburtstagstisch zum Frühstück aufzubauen: Tischdecke, Blümchen, Geschenke und alles, was die Bordküchen so hergeben an Schinken, Käse, Datteln, Oliven, Eier und Melonen. Ein Ständchen dazu und ich kann vergnügt ins neue Lebensjahr rutschen.

Zwei Stunden später fahren wir einen kleinen Pass hoch und bewundern die Schaffenskraft des Flusses Ziz, der kaum zu sehen ist aber für eine riesige Flussoase sorgt.
Bald danach lassen wir uns eine Bananenmilch und einen Eiskaffee (!) schmecken. Erstere vom Besitzer des Cafés La Vallée de Ziz gemixt, zweitere zur Hälfte ebenfalls von ihm, die leckere Einlage stammt aus Dorothees Bordküche bzw. dem Marjane-Supermarkt, dem sie vorher in Errachidia einen Besuch abgestattet hat. Wir klönen noch ein Stündchen mit zwei jungen Norwegern, die sich zu uns setzen, dann brechen wir auf und verlassen in Rich die Nationalstraße. Wir wollen auf einer kleinen Straße Richtung Berge.

Der Ort ist schnell durchquert, wir rollen gerade über die Ausfallstraße, als uns ein Polizeiwagen mit Blaulicht entgegenkommt und uns unmissverständlich zum Halten auffordert. Sofortige Gewissenserforschung: zu schnell gefahren? Stoppschild übersehen? Wir kurbeln die Fenster runter und ein freundlicher Polizist macht mich darauf aufmerksam, dass ich wohl meine Handtasche im Café habe liegen lassen. Was? Wo ist sie? Ich blicke mich im Bus um. Oh! Ja! Keine Handtasche! Er erklärt mir, dass wir mit ihm und seinem Kollegen zur Polizeistation in Rich fahren sollen, denn dorthin werde die Tasche gebracht. Wir folgen dem Polizeiauto, fahren die paar Kilometer zurück und sitzen bald darauf im Vorraum der Polizeistation von Rich. Sie sieht ähnlich aus wie die bei uns zuhause, die vier weiteren Polizisten und die eine junge Polizistin kümmern sich nicht weiter um uns. Vom Polizisten, der uns auf der Straße abgefangen hat, erfahren wir nun den Rest der Geschichte. Der Besitzer des Café-Restaurants La Vallée de Ziz (kurz hinter dem Tunnel Zaabal) hat meine Tasche entdeckt, die Polizei informiert und beschrieben, dass wir mit zwei Campervans, einem grauen und einem dunklen, unterwegs sind. Daraufhin ist ein Streifenwagen aus Rich zur Straße nach Midelt gefahren und der andere hat unsere R 706 nach Westen kontrolliert. Wie schön, dass er uns gefunden hat!
Dann kommt ein Mann von draußen rein, ich strahle ihn an, denn er hält meine Handtasche in der Hand. Ich werde von „unserem“ freundlichen Polizisten aufgefordert, den Inhalt zu kontrollieren. Der Pass, das allerwichtigste, steckt wohlbehalten in einer Innentasche, das Portemonnaie ist da und die Geldscheine, die ich gerade in Errachidia frisch hineingesteckt habe, sind auch da. Nach vielen „Shukran“ und „Merci“ (wie schön, dass ich noch eine Packung gleichen Namens im Bus hatte) verlassen wir beglückt die Polizeistation.

Wir haben gar nicht viel Zeit, bis es schon wieder aufregend wird. Erst führt der Weg uns über eine Hochebene, schöne Berge auch hier rechts und links. Marokko verwöhnt einen sehr.


Dann ziehen sich die Berge immer mehr zusammen, wachsen über sich selbst hinaus und bilden eine Schlucht wie es dramatischer nicht mehr geht. Dennoch läuft unten das schmale Palmenband, dass den Fluss begleitet, weiter und der Mensch hat dem Fels auch noch Platz für Häuser abgerungen. In unserer Landkarte ist hier kaum noch ein Ort eingezeichnet, doch alle paar Kilometer tauchen neue Dörfer auf, in denen die Alten uns nachblicken und die Kinder uns zuwinken. Einmal müssen wir wegen eines Rettungswagens stehenbleiben und die Kinder umringen den Bus und fordern Bonbons. Nein, nein, nein, gebe ich ihnen mit energischen Kopfschütteln zu verstehen und bin ganz froh, als wir weiterfahren können. Meistens aber sind die Kinder nur neugierig und aufgeregt.


Langsam wird es Abend und wir brauchen einen Platz für die zwei Busse. In der Schlucht ist kein Platz, in den Dörfern auch nicht, dann wird es dunkel. Es dauert nur noch ein Viertelstündchen, bis wir direkt neben der Straße einen großen, freien, ebenen Platz entdecken. Perfekt. Wir parken die Busse, ein Campari-Orange und viele leckere Snacks werden herbeigezaubert und der Geburtstag kann entspannt ausklingen.

Am nächsten Morgen sieht es hier so aus:

