Wieder eine Überraschung am Morgen: „Ihr könnt die Dades-Schlucht ohne Vierradantrieb nur bis Tilmi fahren. Da hört der Asphalt auf und dann kommt Piste“, klärt uns unser Campingplatzbetreiber auf. „Wie? Und dann müssen wir die ganze Strecke von 60 Kilometern zurückfahren?“ So ist es wohl. Da aber der Weg das Ziel ist, nehmen wir nach dem Frühstück die zweite Hälfte der Dades-Schlucht unter die Räder und sind wieder rundum begeistert.

Gefaltete Felsen, fruchtbare Felder und immer wieder Dörfer, wo die Schlucht sich weitet und dafür Platz bietet.


Dann geht es in Kehren auf fast 3000 Meter hoch mit natürlich einzigartiger Aussicht.



Kurz vor Tilmi sehen wir ein Schild Vallée de Pommes (Apfeltal). Rechts und links der Straße gibt es jetzt Plantagen mit Apfelbäumen. Wir sind knapp unter 2000 Meter und noch blühen die Bäume hier nicht.

Wie alle Schulen in Marokko ist auch die in Tilmi bunt angemalt und wie überall schwirren die Kinder auf der Straße herum und winken uns zu. Auch „Stylo! Bonbon! Dirham“ hören wir immer wieder. Dann ist der Asphalt zu Ende, wir fahren zurück nach Msemrir, hocken uns in ein kleines Café und beratschlagen. Die normale Route führt durch die Dades-Schlucht zurück nach Boumalne im Süden, weiter Richtung Nordwesten nach Tinghir und dann nochmal durch die Todraschlucht Richtung Norden. Wir wollen nach Imilchil, weiter durch den Hohen Atlas mäandern. Ein Mann versteht wohl unsere Überlegungen in Sachen Route und fragt, warum wir nicht einfach davorn rechts abbiegen Richtung Tamtatouchte. “ Geht das denn mit unseren Autos?“, fragen wir zweifelnd. „Natürlich!“, behauptet er und zeigt uns ein Video, in dem seine gestrige Fahrt über die von ihm empfohlene Piste gezeigt wird. Freund Alain bleibt skeptisch, Achim findet es super. 38 Kilometer statt 130. Das bisschen Piste wird sich ja wohl fahren lassen. Während unsere Freund beschließen, die große Runde auf normaler Straße zu fahren, begleite ich Achim bei seinem kleinen Abenteuer. Die ersten acht Kilometer sind asphaltiert, dann wird es schottrig. Und rumpelig.



Die Landschaft mit ihren grün-rot schimmernden Bergen ist beeindruckend, die Strecke ebenso. Wir fahren hoch, wir fahren runter, es gibt tiefe Längs- und Querrinnen, wir fahren durch ein Flussbett (dem Fahrer bricht, glaube ich, der Schweiß aus. Die Beifahrerin ist längst verstummt.) Bloß kein Gegenverkehr, bitte! Felsbrocken müssen umkurvt werden, Schlaglöcher sowieso.


Geht es hier rechts oder links weiter? Achim läuft ein Stück hierhin, ein Stück dorthin, entscheidet sich für die linke Spur. Richtig gemacht!



Nach etwa 30 Kilometern atmen wir auf: hier wird die Trasse für eine neue Straße angelegt. Der Asphalt fehlt noch, aber erleichtert gleiten wir über den ebenen Untergrund. Aber, ach, bald schon ist der Spaß vorbei, wir werden von der neuen Trasse weggeleitet, müssen nebenan auf einem Feldweg weiterrumpeln.


Dann, die Nationalstraße ist fast schon in Sichtweite, die Krönung: locker aufgeschütteter Kies, ideal zum sliden. Aber Achim kommt nicht ins Rutschen, lenkt den Bus auch durch diese Hindernisstrecke sicher durch und eine Viertelstunde später checken wir auf dem winzigen Campingplatz Auberge Amazigh in Tamtatouchte ein.

Der Bus ist innen und außen mit rotem Staub bedeckt, wir machen ihn und uns ein bisschen sauber, trinken den leckeren Rosmarin-Beifußtee, den unser neuer Campingplatzbetreiber uns serviert und bestellen uns zum Abendessen leckere Putenspieße mit Pommes. Unsere Freunde treffen nach rund 150 Kilometern erst im Dunkeln ein. Auch ihnen wird zum Willkommen der gute Tee serviert.
Zu Achims Blogbeitrag kommt Ihr hier.
