27. Stopp: Sidi Yahya ou Saad

Während ich diese Zeilen schreibe, gackert neben dem Bus ein Huhn, etwas weiter entfernt schreit ein Esel. Dem werde ich später noch mein in der Bordküche gesammeltes Futter bringen. Wir stehen neben dem Brunnen beim Weiler Sidi Yahya ou Saad an der RN 29.

Gefühlt treten wir von hier aus den Heimweg an, obwohl noch zehn Tage Marokko vor uns liegen. Aber nun ist die Planung gemacht für die verbleibende Zeit, nun verabschieden wir uns von unseren Freunden und vom Hohen Atlas und schwenken Richtung Nord-Osten.

Vom Lac Tizli haben wir uns nach einem grandiosen Sonnenaufgang (und einem späten Frühstück) verabschiedet, nicht ohne einmal mehr in die Bergeinsamkeit einzutauchen auf der Piste zum Nachbarsee Isli. Wir nehmen einen Mann mit, der am Straßenrand steht und um Mitnahme bittet. Ihm schenke ich die warmen Hosen und Jacken, die ich für Kinder im Hohen Atlas von zu Hause mitgebracht habe. Wir haben selbst gespürt, wie kalt es hier sogar im Frühling sein kann und die verstreut liegenden einfachen Lehmhäuser sprechen für sich.

Der See besticht durch sein intensives Blau und ich ziehe die Schuhe aus und wate hinein. Doch schon nach dem zweiten Schritt sinke ich bis zu den Knien im tiefschwarzen Matsch ein. Eine Reinigungsaktion am Bus und eine Orangenpause später fahren wir den nächsten Pass hoch, der mit einem von Graffiti übersäten Monument gekrönt ist.

In Serpentinen geht es auf sehr guter Straße wieder hinunter und hier gibt es dann nichts mehr außer Landschaft. Keine Menschen, keine Dörfer. Aber wir haben Hunger und finden zum Glück einen flachen Platz nahe der Straße für ein Picknick.

Bald erreichen wir eine neue, liebliche Landschaft, fruchtbar, leicht hügelig. Wir sind immer noch auf 1400 Meter und ich fühle mich ans Allgäu erinnert.

Campingplätze gibt es hier weit und breit nicht und wir machen uns auf die Suche nach einem Platz für die Nacht. Das ist nicht ganz einfach, denn die Straßen sind meist erhöht gebaut und haben eine tiefe Kante, die wir nicht runterfahren können. Geeignete Plätzchen zum Übernachten finden wir nicht. Schließlich stoßen wir auf eine Beschreibung in Park4Night, die uns gut gefällt: „Ein ebener Parkplatz in einem kleinen Weiler bei einem Trinkwasserbrunnen.“ Bingo.

Als wir gegen sechs hier ankommen, sitzen ein paar Männer (auf der einen) und ein paar Frauen (auf der anderen Seite) am Brunnen, der außerhalb der Ortschaft liegt. Ich grüße sie und frage, ob es in Ordnung ist, wenn wir für eine Nacht hier stehen bleiben. Sie nicken und mit ein paar Brocken Französisch und der lieb gewonnenen Geste Hand aufs Herz heißen sie uns willkommen.

Couscous und Gemüse werden zubereitet, später sitzen wir, bereits im Dunklen, zum Essen draußen. Ein paar Hunde, die Alain vorher gefüttert hat, hocken in ein paar Meter Abstand und schauen uns zu, die Menschen aus dem Dorf sind zum Essen nach Hause gegangen und dann fliegt die ISS über uns hinweg. Wieder mal ein besonderer Platz für die Nacht.

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