29. Stopp: Fes

In einem Garten voller blühender Kirschbäume beim Klappern von Störchen wach zu werden, ist etwas ganz Besonderes. Zum Frühstück platzieren wir Tisch und Stühle direkt unter dem Blütendach.

Dann gehen wir auf die Pirsch. Ein Spaziergang von einer Dreiviertelstunde durch den blühenden Mittleren Atlas voller Schmetterlingen, Spechten und Störchen bringt uns zu den Zedern im Nationalpark. Vielleicht haben wir heute wieder Glück und erspähen ein paar Berberaffen? Es gibt einen markierten Weg, dem wir folgen. Wo er wohl hinführt? Leise, ganz leise sind wir im Wald, um die scheuen Tiere nicht zu erschrecken. Können wir das eine oder andere entdecken? Traut sich eins in unsere Nähe? Hm, nein, nichts zu sehen weit und breit.

Dann queren wir einen breiteren Weg und plötzlich sehe ich ein Auto. Ein Auto? Im Nationalpark? „Schau, da ist ein Parkplatz!“, erkennt Achim. Und auf einmal sind auch die Affen da. Und Männer, die Erdnüsse als Affenfutter anbieten. Und Touristen. Und Männer, die ihre Pferde für einen kurzen Ausritt durch die Zedern anbieten. Jetzt kennen wir das Ziel des markierten Weges.

Scheue Berberäffchen? Hier jedenfalls nicht. Sie hocken und gucken und lausen sich und springen an Dir hoch, wenn Du eine Erdnuss in der Hand hast. Du kannst bis auf wenige Zentimeter an sie ran, ihr Fluchtinstinkt ist gleich Null. Menschen =  Fressen scheint ihre Gleichung geworden zu sein. Kein Wunder, dass wir im Wald keins der Tiere entdeckt haben. Das Affentheater findet hier statt. Dennoch freue ich mich, die Affen aus nächster Nähe beobachten und fotografieren zu können. Ein Video fürs Enkelkind daheim ist auch noch drin.

Am frühen Nachmittag geht es weiter nach Ifrane und das passt zur seltsamen Atmosphäre beim Affenparkplatz. Hier scheint man Afrika verlassen und Europa erreicht zu haben. Die Architektur ist komplett anders als wir sie im Rest des Landes erlebt haben. Keine Lehmhäuser mehr, stattdessen dominieren Steinhäuser und Satteldächer das Stadtbild. Am Stadtplatz gibt es große Cafés, alles ist modern und wirkt steril. Die Franzosen haben die Stadt während der Kolonialzeit aus dem Boden gestampft und als Luftkurort genossen. Heute sind es betuchte Marrokaner und Touristen, die es hierher zieht.

Mich zieht es weg und ich bin freue mich auf Fes. Zweimal war ich bereits hier und die größte Medina des Landes mit mehr als 9000 Gässchen hat nach wie vor eine große Anziehungskraft auf mich.

Aber zunächst einmal fahren wir 15 Kilometer lang durch das moderne Fes. Dreispurige Straßen führen ins Zentrum. Hier dominieren teurere moderne Autos den Verkehr, hohe Betonhäuser säumen wie in vielen anderen Großstädten der Welt den Weg. Wie wohl ein Marokkaner aus dem Hohen Atlas sich hier zurecht finden würde? Wir sind hier in vertrauter Umgebung, er wäre in einer anderen Welt.

Schließlich dürfen auch wir wieder in eine andere Welt eintauchen. Durch ein großes Tor treten wir ein und laufen die nächsten Stunden durch vielleicht ein paar hundert der insgesamt 9000 Gassen der größten Medina Marokkos. Ein Geschäft reiht sich ans andere. Aber es gibt auch die stattlichen Tore, kunstvoll gebaute Koranschulen, Moscheen, Brunnen und Privathäuser. Wir lassen uns treiben, zum Sonnenuntergang schließen die meisten, wir gehen essen und kommen am Morgen noch einmal wieder zum Frühstücken, Schlendern und Schauen. Leider machen die meisten Läden erst recht spät auf. Selbst gegen elf haben viele noch zu. Ob das mit dem Ramadan zu tun hat, finden wir nicht raus. Gegen Mittag verlassen wir die Stadt und fahren weiter nach Norden Richtung Rif-Gebirge.

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