30. und 31. Stopp: Im Rifgebirge – Taounate und Chefchaouen

Wir sind ziemlich kaputt vom frühen Aufstehen und dem vielen Laufen durch die Gassen von Fès (nicht vom Trubel, es war am frühen Vormittag kaum jemand unterwegs), als wir uns Richtung Rifgebirge aufmachen. Das Wetter ist seltsam: sehr windig und später dann recht diesig.

Schon früh kommen wir auf dem kleinen Zeltplatz nordwestlich von Taounate an und kochen Kaffee, machen ein Nachmittagsschläfchen, lesen, studieren die Landkarte, kochen und genießen die Aussicht.

Am nächsten Morgen sind wir fit und wieder voller Tatendrang. 180 Kilometer durchs Rifgebirge liegen vor uns. Am Abend wollen wir in Chefchaouen, einer der schönsten Städte Marokkos, sein.

Es ist noch immer diesig, als wir aufbrechen. Der Wind hat nachgelassen, das Thermometer zeigt 21 Grad. Wir sind am Rande der Berge auf rund 400 Meter Höhe.

An der ersten Tankstelle halten wir an und fragen nach Trinkwasser. „Klar, gern. Willkommen!“ Wir bekommen nicht nur das Wasser geschenkt sondern auch noch zwei Handvoll Erbsen, frisch vom Beet nebenan gepflückt, ein Büschel Koriander und ein kleines Fläschchen Olivenöl aus Eigenanbau. Den guten Ratschlag, auf der folgenden Strecke aufzupassen, werden wir beherzigen. „Die Leute dort wollen Euch Haschisch verkaufen!“

Zunächst einmal müssen wir auf die Schlaglöcher aufpassen. Hoffentlich bleibt das nicht so!

Bleibt es nicht. Die Straße ist zwar schmal und etwas holprig aber im Grunde ganz gut befahrbar. Im Laufe der Zeit windet sie sich auf über 1600 Meter hoch. Wir blicken hinunter ins Tal und sehen, dass hier Felder im Terrassenanbau bewirtschaftet und teils auch bewässert werden. Was dort wächst, erkennen wir nicht. Hier im Rifgebirge wird seit Alters her Hanf angebaut und seit den 60er Jahren zu Haschisch verarbeitet. Laut einem aktuellen Artikel in Capital waren es die Hippies, die den hiesigen Kleinbauern beibrachten, wie das geht. Der Hanfanbau ist in Marokko seit 1974 verboten, was aber, so lesen wir überall, nichts an der Tatsache ändert, dass nach wie vor viele Kleinst- und Kleinbauern ihren Lebensunterhalt damit verdienen.

Zu Mittag sind wir bei 12 Grad auf 1670 Metern, dem höchsten Punkt dieser Fahrt und machen uns ein Süppchen warm. Dann geht es völlig unbehelligt noch 100 Kilometer weiter, durch große Zedern-und Kiefernwälder bis wir am Nachmittag gegen vier Chefchaouen erreichen.

Die Atmosphäre hier ist freundlich, weltoffen, entspannt. Die blau getünchten Häuser sind eine Augenweide, beim Shopping geht es unaufdringlich zu, auf dem zentralen Platz in der Medina gibt es gegenüber von Kasbah und Moschee viele Cafés und Restaurants, in denen man gemütlich sitzen und dem Treiben zuschauen kann. Hier ist richtig viel los: Einheimische, die hier in der Altstadt leben, Touristen, vor allem viele junge Leute, Händler, Handwerker.

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