
Es war vor allem der Name, der mich gereizt hat, als unser Nachbar neulich von der Blauen Stadt hier in Holland erzählte. Waren wir doch im Frühjahr erst in der Blauen Stadt in Marokko, in Chefchaouen.

Hier in Holland ist nicht wie in Marokko die Farbe der Häuser sondern das Blau des Wassers namensgebend für die Stadt.

Die hiesige Touristeninformation bezeichnet das Projekt als unkonventionelle Lösung gegen die Arbeitslosigkeit: „Was macht man, wenn der Reichtum aus dem Getreideanbau verflogen ist und die Arbeitslosigkeit in der Region zum zunehmenden Problem wird? Man gräbt ein großes Loch und füllt es mit Wasser. Rings um den See baut man Häuser für wohlhabende Leute. Auf diese unkonventionelle Art entstand das Dorf Blauwestad.“
Ein Wohndorf an einem neu angelegten See, das reichere Menschen in die Region locken, dem Bevölkerungsschwund entgegenwirken und die Gegend aufblühen lassen sollte.

Gesagt, getan: Es wurde ein 800 Hektar großes Loch ausgehoben; 2005 drehte Königin Beatrix den Hahn auf, worauf rund 14 Millionen Kubikmeter Wasser das neue Oldambtmeer fluteten, das heute den Anwohnern und Touristen als Freizeitgelände dient.

Wir radeln bei bestem Wetter durch die Gegend und denken uns, dass man wirklich schlechter wohnen kann als hier. Und was es nicht alles gibt.

Doch damit noch nicht genug. Um die Bewohner des neuen Wohngebietes vernünftig an den Hauptort Winschoten anzubinden, wurde eine Fußgänger- und Radfahrerbrücke gebaut. Es ist die größte Europas geworden.

Sie ist 800 Meter lang, besteht aus vier Brückenteilen und überquert ein Naturschutzgebiet, eine Autobahn und einen Fluss. Eingeweiht wurde sie im Jahr 2021.

Nach so viel Informationen brauchen wir erstmal eine Pause angereichert mit holländischen Spezialitäten Frikandel speciaal mit Fritten. Lekker, wie man hier sagt.

Die hangende Keukens, die hängenden Küchen von Appingedam, stehen am Nachmittag auf unserem Besichtigungsprogramm. Auch hier war es vor allem der Name, der mich getriggert hat, denn letztes Jahr haben wir in Spanien die hängenden Häuser in Cuenca bestaunt.
Diese Häuser hier in Appingedam hatten ursprünglich zur Wasserseite hin Ladeluken und wurden früher als sogenannte „Packhäuser“ zum Be- und Entladen von Schiffen genutzt.
In Wikipedia finde ich: „Nachdem Appingedam seine Bedeutung als Seehafen verloren hatte und die ursprüngliche Nutzung der Packhäuser aufgegeben worden war, erfolgte ein Umbau der Gebäude zu Wohnhäusern. Aufgrund der vorgegebenen Größe und Zuschnitte der Gebäude war jedoch der nachträgliche Einbau von Küchen nicht möglich. Die Architekten lösten die Aufgabe, indem sie die Küchen als Anbauten außen an die Häuser anfügten. Die neuen Küchenräume schweben frei einige Meter über dem Wasser.“ Gern hätte ich mir so eine Küche von innen angeschaut. Noch lieber würde ich in so einer Küche mal kochen, vielleicht eine holländische Spezialität wie die Eierbalen, die ich heute Nachmittag in Appingedam gesehen habe. Da muss ich wohl bis zuhause warten.

Uns zieht es jetzt wieder ans Meer. Wellen und Schafe gucken.


