
Durchs Fernglas schauen sie ein bisschen gruselig aus: handtellergroß mit mächtigen Scheren, die sie bedrohlich in die Luft recken. Am beeindruckendsten aber ist die Masse, in der sie hier im Naturpark Ria Formosa bei Olhão an der Algarve leben. Myaden. So etwas habe ich noch nicht gesehen. Viele von ihnen marschieren in dieselbe Richtung, seitwärts, die Stielaugen blicken in unsere Richtung. Ob sie uns so anstarren wie wir sie? Ob sie uns ebenso gruselig finden?

Ein paar Schritte weiter erspähen wir eine Tamariske voller weißer Blüten. Sehr große weiße Blüten. Blüten? Vögel! Es sind Seidenreiher, auf dem Kopf einen Schopf von feinen Schmuckfedern. Sie können ihre hinteren Flügel aufplustern wie ein Pfau und zeigen uns dann ein Hinterteil wie mit einer weißen Boa geschmückt.

Damit nicht genug! Am Ufer sonnen sich Schildkröten, manche schwimmen im Wasser dieses kleinen Süßwassersees, der direkt neben dem salzigen Marschland liegt. Nur ihre kleinen Köpfe lugen aus dem Wasser.
Und endlich sehen wir mal ein Purpurhuhn. Es gibt sie auch im Doñana-Nationalpark, aber da hat es sich vor uns verborgen. Es sieht aus wie ein Blesshuhn, hat aber statt einer weißen eine orangefarbene Stirn.
Neben einer alten Gezeitenmühle entdecken wir dann noch einen Vogel, den wir von zuhause kennen: den großen Brachvogel, der im Freisinger Moos sogar brütet.

Im Hafen von Olhão, wo wir Mittagspause machen, kreischen dann nur noch die Möwen.

Uns zieht es jetzt an die sogenannte Felsenalgarve. Von der spanischen Grenze bis Faro liegt die Sandalgarve. Dahinter geht es los mit den bizarren Felsformationen aus rotem und gelbem Sandstein und den zauberhaften Sandbuchten, für die die Algarve so berühmt und beliebt ist.
Wir fahren über die kleine N125 und passieren einen (Ferien-)ort nach dem anderen. Auch zwischen den Ortschaften ist es bebaut: entweder von Gewerbetreibenden, Hotel- oder Villenbesitzern.

Immerhin bietet sich so die Möglichkeit, frische Orangen am Straßenrand zu kaufen.

Vom Meer sehen wir nichts mehr. Ich weiß aber von einem früheren Kurztrip an die Algarve, dass es hier wunderschöne Stellen gibt. Wird schon noch kommen. Nur Geduld!
Dann ist es soweit. Wir steuern einen Stellplatz bei Albufeira an. Es ist wie gestern: voll. Wir hatten es fast erwartet. Wir laufen weiter zum Strand und dann sehen wir das erste Stück der ockerfarbenen prächtigen Algarve.



Zum Übernachten fahren wir eine kleine Halbestunde ins Hinterland zum kostenfreien Stellplatz, den das Örtchen Benafim anbietet.
Hier stehen wir mit ganz schöner Aussicht.

Aber nicht ganz alleine.

