Überraschungen in Rauma

Die Menschen hier in Rauma reden einen einzigartigen Dialekt. Es heißt, sie sprechen ein stimmhaftes  B, D und G, was man im Finnischen wohl nicht tut, andere Buchstaben hingegen lassen sie gern mal weg, und ihr Wortschatz beinhaltet nicht nur viele Wörter schwedischen Ursprungs, sondern – bedingt durch die Seefahrt – auch aus diversen anderen Sprachen. Schade, dass wir all das nicht hören können. Denn wer kein Finnisch kann, kann auch die Feinheiten des Dialekts nicht erfassen. Überrascht bin ich als Sprachenliebhaberin trotzdem.

Am Ortseingang von Rauma steht am Straßenrand ein Schild, das die Ankommenden im Rauma-Dialekt mit Ol niingon gotonas  („Fühle dich wie zu Hause“) begrüßt und bei der Ausfahrt Luanikast reissu („Gute Reise“) wünscht.

Auch das Schild vorm Café lockt die Gäste zweisprachig an. Oben, groß, der Rauma-Dialekt, ganz unten, ganz klein, Finnisch. Der Übersetzer hilft (teilweise) weiter: „Wenn es schneite, würde Gyll auch Donutkaffee trinken“. Gyll? Donutkaffee? Hm.

Schauen wir uns lieber die Altstadt an. Weltkulturerbe. 600 Holzhäuser sind in überraschend gutem Zustand.

In den Jahren 1640 und 1682 verwüsteten zwei verheerende Brände Rauma. Seitdem ist die Stadt aber von Feuersbrünsten verschont geblieben, was für eine Holzhausstadt eine Seltenheit ist.

Die gut sanierten Holzhäuser dienen heute als Wohnhäuser, beherbergen Geschäfte, Cafés und Restaurants.

Achim trifft vor dem Stadtmuseum überraschenderweise eine sehr kontaktfreudige Einheimische.

Nun müssen wir uns den profanen Dingen zuwenden: Ver- und Entsorgung. Das ist für Camper, die nicht auf Campingplätzen schlafen, stets eine Herausforderung. Bereist man ein Land zum ersten Mal, muss man also herausfinden, wie und wo man sein Abwasser loswerden, frisches Trinkwasser tanken, seine Toilette leeren und den Abfall entsorgen kann. In Finnland gibt es, so haben wir gehört, nicht so viele Möglichkeiten wie in manch anderen Ländern. Seit einiger Zeit sollen aber die ABC-Tankstellen diese Angebote haben. Also nichts wie hin.

Vor Ort ist es ein bisschen kompliziert: man muss sich im Imbiss den Schlüssel besorgen, kostet fünf Euro, dafür erklären die Verkäuferinnen super freundlich, wo wir lang müssen.

Nach dem Leeren des Clos wird natürlich das Becken gespült – ich trete auf den Fußhebel, von dem ich annehme, dass er dafür zuständig ist – und werde geduscht von hochspritzenden Wasserstrahlen! Iiigittttt! Zum Glück war es sauberes Wasser. Überraschend in jedem Fall.

Weiter geht es in den Supermarkt. Dass Bier hier erheblich teurer ist als in Deutschland, überrascht uns nicht. Der Preis gilt pro Flasche, eh klar.

Eine kleine, ein wenig peinliche Überraschung wartet an der Kasse auf uns. Der Gestik der Kassiererin entnehme ich, dass wir die Schlangengurke hätten abwiegen müssen. Wer kommt denn auf so was? Ich werde aber nicht weggeschickt. Sie schlüpft schnell hinter der Kasse hervor, läuft zur nächsten Waage und ist im Nu zurück. Niemand meckert. Die Verkäuferin lächelt mich freundlich an und wünscht einen schönen Tag.

Den haben wir und lassen ihn direkt am Meer in der Nähe des kleinen Örtchen Närpes etwas südlich von Vaasa ausklingen.

Ehe wir unseren kleinen Hafen für diese Nacht erreichen, gibt es noch eine letzte feine Überraschung für diesen Tag.

5 Gedanken zu „Überraschungen in Rauma

  1. Avatar von SilkeSilke

    ich Kaninchen erinnern dass in Rauma die rote Farbe für die Häuser erfunden wurde 😊 eine gute Tour wünschen wir 🙋🏼‍♀️

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