In der Früh hat es im Bus zehn Grad, draußen sieben. Wir machen schnell die Heizung an und gehen kurz raus, um ein paar Fotos zu machen. Immerhin scheint schon die Sonne.

Gestern Nacht war hier richtig was los auf unserem Hügel. Ein kleiner Reisebus und etliche PKW kamen mitten in der Nacht, die Fahrgäste begierig auf Nordlichter – wie wir. Aber die Ausbeute war trotz Rundumblick, trotz guter Werte, trotz der kurzen Wolkenauflockerung mager. Es gab einige Schlieren, die sehr schnell über den Himmel huschten, kaum Form und Farbe zu erkennen. Wir schlüpften irgendwann ins Bett, die meisten anderen Polarlichtjäger mussten wieder heimfahren. Heute Morgen habe ich 15 WoMos gezählt, die hier übernachtet haben.

Die Gegend hier scheint einige touristische Hotspots zu haben. Gleich im nächsten Ort ist einiges geboten.


Und im übernächsten auch. Hier kann man sich Iglus aus Glas mieten, um nachts ganz bequem vom Bett aus die Polarlichter zu genießen.

Wir fahren jetzt durch den Urho Kekkonen- Nationalpark. Im Goldgräberdorf Tankavaara halten wir an, nicht zum Goldschürfen, sondern für eine Wanderung durch den goldenen Herbst. Wenn auch ohne Sonne heute. Pünktlich zum Start fängt es an zu nieseln.

Heute wollen wir nur eine kleine Runde drehen, sechs Kilometer auf dem Kuukkeli-Trail. Ein hübsches Wort auf Finnisch für diesen Vogel, der auf Deutsch viel weniger schön Unglückshäher heißt. Am Freitag, den 13. auf dem Unglückshäherpfad wandern? Ob das gut geht?
Für uns ja, soviel sei schon verraten. Aber wie mag es den Menschen vor 80 Jahren ergangen sein, die hier am großen Schutzwall arbeiten mussten? Mit ihm sollten in der Endphase des Zweiten Weltkriegs die Verbindungswege nach Norwegen gesichert werden. Im Sommer 1944 begannen 3000 deutsche Soldaten, Kriegsgefangene und Zivilisten hier in Tankavaara mit dem Bau von Bunkern und Feuerstellungen. Auf dem drei Kilometer langen Tankavaara War History Trail, der Teil unseres Unglückshähertrails ist, sind noch etliche davon zu sehen. Auf zahlreichen Informationstafeln finden wir Erklärungen und Erinnerungen an diesen Teil der deutsch-finnischen Geschichte.

Nachdenklich laufen wir weiter durch den Wald. 80 lange Jahre ist das jetzt her, doch durch den Ukraine-Krieg und auch durch die Erfolge der Rechtsradikalen in Deutschland und anderen Europäischen Staaten rückt die Bedrohung auf einmal sehr nah.


Unser Reiseführer hatte den guten Tipp, dass es auf unserem Kuukkeli-Trail eine Hütte samt Feuerstelle gebe und empfiehlt, Würstchen zum Grillen in den Rucksack zu packen. Wird gemacht.
Neugierig nähern wir uns der Hütte. Ob schon wer anders drin ist? Ob Feuerholz da ist?

Alles bestens. Ein kleines Feuer ist schnell entzündet, die Würstchen liegen bald auf dem Rost. Später gesellt sich noch ein junges finnisches Paar zu uns, das übers Wochenende hoch nach Sápmi gefahren ist.

Das Feuer tut gut, weil wir mittlerweile doch ziemlich nass sind. Als wir am Bus ankommen, machen wir wieder die Heizung an, hängen alles zum Trocknen auf und kochen uns noch einen heißen Kaffee.
Danach gehen wir noch rüber ins frühere Goldgräberdorf, wo es heute ein Museum, ein paar Blockhütten und eine Anlage gibt, in der man für 12 Euro selbst eine Runde Gold waschen darf.


Dieser Lotteriepreis ist uns zu hoch und wir fahren weiter an einen schönen See, an dem wir den Rest des Tages verbringen wollen.


