Vom vergeblichen Versuch, karelische Köstlichkeiten zu probieren

Wie tief man in der Wildnis ist, spürt man selber ja kaum. Sicher, man weiß, wieviel Kilometer man von der letzten asphaltierten Straße gefahren ist oder, von einem Blick auf die Landkarte, wie weit es bis zum nächsten Ort ist. Aber wirklich sehen kann man es nicht. Es sei denn, man schaut von oben. Was Achim natürlich tut. Seht Ihr unseren Bus?

Heute gibt es nur ein kleines Frühstück, denn zum Mittagessen wollen wir ein Louna ausprobieren, ein Mittagsbuffet. Da wir in Karelien sind, werden wir die hiesigen Spezialitäten verkosten.

Wir fahren ins sogenannte Bomba-Haus. Es ist der (fast) originalgetreue Nachbau des Blockhauses, das der karelische Bauer Jegor Bombin 1855 am Ufer des Suojärvi im heute russischen Teil Kareliens für seinen Sohn Dimitri aus langen Rundhölzern gebaut hat. Das ursprüngliche Haus hatte 27 Zimmer. Da es zu hundert Prozent aus Holz war, haben die Erben es irgendwann auseinander genommen und das Holz unter sich aufgeteilt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde beschlossen, das Haus in der Nähe von Nurmes wieder aufzubauen. Es soll den traditionellen karelischen Baustil repräsentieren und diente, zumindest in den Anfangsjahren, den Vertriebenen als Sehnsuchtsort.

Drumherum entstanden mehrere kleinere, aber durchaus stattliche Holzhäuser und eine Kapelle, kurzum ein karelisches Dorf.

Unser Reiseführer (Annegret und Uwe Rohland: Mit dem Wohnmobil nach Finnland) empfiehlt das Mittagsbuffet im Bomba-Haus. Das Internet auch. „Hier gibt es vor allem eine Vielzahl an Vorspeisen zu probieren: Heiß geräucherter und gebeizter Lachs, eine ganze Reihe von ungewöhnlich gewürzten, süß bis sauer eingelegten Heringshappen, Salate, lauwarme mit Milchreis gefüllte Pirogge mit der dazugehörigen Eibutter.“ Waldpilzsuppe, Felchentopf mit kleinen Fischen drin, gebackener Fisch mit Dill-Zwiebel-Sauce, Karelischer Fleischeintopf – das sind die Hauptspeisen. Lange denke ich darüber nach, warum der Autor des Buches eigenen Angaben zufolge den Nachtisch ausgelassen hat, was es wohl zum Dessert gab und was ich wohl tun werde.

Doch dann die herbe Enttäuschung: das Restaurant bietet derzeit gar keinen Mittagstisch an und öffnet erst um 17 Uhr! Wir können es, als einzige potentielle Gäste weit und breit, gut verstehen. Aber es ist so schade!

Wir versuchen im benachbarten Ort Nurmes ein Restaurant zu finden und entdecken zwei sehr hübsche Häuser. Das eine, im ehemaligen Bahnhof, bietet ein Mittagsbuffet an, allerdings klingt das nicht sehr karelisch: Chili sin Carne, Tofuburger, Spaghetti…

Das andere hat ein kleines Salatbuffet, dazu gibt es Frikadellen mit Bratensauce und Kartoffeln. Nö. Brauchen wir jetzt auch nicht.

Also suchen wir uns wie üblich einen schönen Platz und bedienen uns aus der Bordküche: finnischen Joghurt mit frischen Früchten und Nüssen, Kaffee und natürlich den Apfelkuchen, den ich gestern gebacken habe. Auch nicht karelisch, aber die Piroggen sind uns gerade ausgegangen.

Zum Nachtisch finden wir noch einen Geocache und dann fahren wir weiter am Ufer des Pielinen-See, dem fünftgrößten finnischen See, entlang und machen uns auf zum Inselspringen.

Die erste kleine Insel im erreichen wir über eine Fähre. Sie fährt unermüdlich hin und her und kostet nichts. Die 400 Meter sind in wenigen Minuten erledigt.

Auf die zweite und dritte Insel kommt man über einen Damm.

Zwei Brücken bringen uns zur vierten Insel, nach Paalasmaa, wo wir auf dem höchsten Punkt neben dem Aussichtsturm mit einem tollen Ausblick auf den See parken.

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